×
Von "spektakulären Sprungstarts" zum "fliegenden Auge" / Modellbau mit "zukunftweisender Potenz"

Modellhelikopterflug von Harsewinkel bis heute

Bückeburg (bus). Flug und Entwicklung von Modellhubschraubern haben am Wochenende im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Hubschraubermuseum gestanden. Das Jubiläumstreffen führte etwa 50 Experten zusammen, die in Fachbeiträgen und entspannten Gesprächsrunden einen Bogen von den 40 Jahre zurückreichenden Anfängen der Helikopternachbauten bis zu tagesaktuellen Konstruktionen spannten.

Für die Darstellung der Historie zeichneten Ewald Dittrich, Dieter Schlüter und Dieter Störig verantwortlich, die während des 1968 im münsterländischen Harsewinkel organisierten ersten internationalen Wettbewerbs für ferngesteuerte Modellhubschrauber den Startschuss der Drehflügelfliegerei im Miniaturbereich erlebten und mitgestalteten. Störig berichtete von "spektakulären Sprungstarts mit splitternden Brüchen"; Schlüter, den die Kollegen unisono als "Vater des Modellhubschraubers" bezeichnen, erinnerte - "20 Sekunden, 30 Zentimeter" - an die damals erzielten "enormen" Resultate jahrelanger Tüftelei. Zwei Jahre "nach Harsewinkel" hielt Schlüter sein "Bell-Cobra"-Modell knapp eine halbe Stunde lang in der Luft und stellte damit den ersten Weltrekord auf. Wolfgang Raschke, Vorsitzender des Museumsträgers Hubschrauberzentrum, stellte dem Modellbau eine "zukunftweisende Potenz" in Aussicht. Dieser sei keineswegs als kleiner Bruder der "echten" Helikopter zu betrachten. Da die Hersteller kostenintensive Neuentwicklungen scheuten, käme den im Maßstab verkleinerten Nachbildungen eine ständig wachsende Bedeutung zu. Raschke: "Vieles lässt sich im Modell eher darstellen als in der Realität." Den tagesaktuellen Partübernahm Thorsten Kanand. Der Vertreter der Kreuztaler Firma "Microdrones" klärte die Teilnehmer über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten kleiner unbemannter Luftfahrzeuge auf. Dabei entpuppte sich das ferngesteuerte Drehflügelsystem "MD4-200" als unumstrittener Star der Veranstaltung. Die Miniatur-Drohne, ein Hightech-Hubschrauber mit vier Propellern (Grundmaß: 912 Millimeter, Nutzlast: 200 Gramm, Abfluggewicht mit Tageslichtkamera: 680 Gramm), sorgt derzeit weltweit für Schlagzeilen - vor allen Dingen, weil sie im Prinzip alles kann, was bisher nur gut zahlender Militär-Kundschaft vorbehalten war. Das "fliegende Auge" kann nach Einschätzung von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann "zunehmend eine Schlüsselstellung zur schnellen Informationsgewinnung einnehmen und im polizeilichen Bereich unter anderem zur Luftaufklärung, Einsatzführung, Beweissicherung und Dokumentation an Bedeutung gewinnen." Auch auf dem Gebiet nicht-polizeilicher Gefahrenabwehr, zum Beispiel bei Großschadenslagen oder Katastrophen, seien Einsätze denkbar, erklärte der Minister Ende September in Hannover. Andere Zeitgenossen machen auf zusätzliche Erweiterungsmöglichkeiten des Einsatzspektrums von Mini-Hubschraubern aufmerksam. "Ich sehe vor meinem geistigen Auge die Villa von Dieter Bohlen, um die 20 Paparazzi-Drohnen kreisen", war jüngst auf einem Kongress in Hamburg zu hören. Ebendort kamen auch Aspekte einer womöglich notwendigen Luftverteidigung zur Sprache. Einer der rabiatesten Vorschläge lautete: "Eine Schrotflinte ist sicher am effektivsten."




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt