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Wie Menschen mit geistiger Behinderung ein neues Wohngefühl in der Emmernstraße erleben

Mittendrin im Leben – und schön familiär

Hameln (sto). Mit vielen Tüten kommen Bernd und seine Mitbewohner von ihrem Einkaufsbummel aus der Innenstadt zurück. Gut gelaunt öffnen sie die Tür ihres Wohnhauses. Im ganzen Haus riecht es nach frischer Farbe und frischem Holz. „Ich nehme den Fahrstuhl. Laufen ist mir zu anstrengend“, sagt Gesa und steigt in einen Aufzug. Bärbel und einige andere folgen ihr. Bald ist der Aufzug voll, und ab geht’s nach oben, wo die insgesamt zwölf 20- bis 57-jährigen Bewohner auf drei Etagen ihre Zimmer eingerichtet haben.

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Alles Einzelzimmer, was für die meisten ein völlig anderes Wohngefühl bedeutet, mussten sie sich bislang doch ein Zweibettzimmer teilen. Seit März haben die Bewohner des betreuten Wohnens der Lebenshilfe Hameln-Pyrmont in der Emmernstraße 28 nun ihr neues Zuhause, wo sie ihr Leben mit Unterstützung von Mitarbeitern der Lebenshilfe so selbstständig wie möglich gestalten können.

Das ehemalige Mietshaus war von der Lebenshilfe Hameln-Pyrmont gekauft und so barrierefrei wie möglich umgebaut und mit Einzelzimmern ausgestattet worden. Da Einzelzimmer mittlerweile zum normalen Standard gehören, lässt die Lebenshilfe derzeit auch das Haus in der Wettorstraße 6 entsprechend umbauen. Statt wie bisher zehn Bewohner, können nach dem Umbau nur noch sechs Bewohner aufgenommen werden. Einweihung ist am 1. Juni. Um trotzdem dem steigenden Bedarf an Plätzen für Menschen mit geistiger Behinderung gerecht zu werden, hat die Lebenshilfe das Haus in der Emmernstraße gekauft. Die Lebens- und Wohnqualität der behinderten Menschen soll durch das Wohnen in Einzelzimmern verbessert werden. „Auch behinderte Menschen brauchen ihre Rückzugsmöglichkeit“, erläutert Eckhard Witte, Bereichsleiter Wohnen. In einem großen gemeinsamen Wohnzimmer, einem Esszimmer und in der Gemeinschaftsküche gebe es hinreichend Gelegenheit zur Begegnung, zu Gesprächen, zu gemeinsamen Aktivitäten und zur gemeinsamen Hausarbeit. Das Wohnen in der Wohngruppe habe Familiencharakter. Auch gemeinsames Kochen und Einkaufen gehöre dazu. Um den Bewohnern lange Wege zu ersparen, sei bewusst ein Haus im Zentrum Hamelns ausgewählt worden. „Behinderte Menschen dürfen nicht ausgegrenzt werden. Sie müssen mittendrin im Geschehen sein“, betont Witte. Der Standort in der Emmernstraße sei deshalb ideal. Mit den Nachbarn herrsche ein gutes Einvernehmen.

„Es ist super hier. Alle Geschäfte sind ganz in der Nähe, und der Bäcker ist sogar nebenan“, freut sich Bernd. Bärbel, seine Verlobte, genießt den Balkon auf der Etage und die Geräumigkeit der Zimmer. „Manchmal habe ich aber ein bisschen Heimweh nach der Wettorstraße, wo ich vorher gewohnt habe“, gibt die 57-Jährige zu. Gesa, die bislang in einem Zweibettzimmer gewohnt hat, genießt ihr Einzelzimmer in vollen Zügen. „Jetzt nervt mich Helga wenigstens nicht mehr“, sagt sie. Stefan, der Sankt-Pauli-Fan, freut sich, dass er nun allein entscheiden kann, welches Fußballspiel er sich im Fernsehen ansehen und welchen Radiosender er hören möchte. „In meinem Zimmer kann ich machen, was ich will“, betont er. Matthias nickt zustimmend.

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Freitag, 18. Juni, laden die Bewohner der Emmernstraße 28 von 11 bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. „Kommste auch?“ fragt Evi.

Das Wohnen in der Wohngruppe der Lebenshilfe hat Familiencharakter. Bernd (links) liest aus der Dewezet vor. Bärbel, Stefan und Gesa hören interessiert zu. Fotos: sto

Küchendienst gehört dazu: Bernd und Bärbel (li.) bereiten das Essen vor. Stefan (re.) freut sich, dass er nun allein entscheiden kann, welchen Radiosender er hören möchte.

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