×
Ob Nudossi oder Magica: Sabine und Jörg Hartmann sammeln alles, was mit der DDR zu tun hat

Mit Pittiplatsch spielen jetzt die eigenen Kinder

Bückeburg (mig). Rotkäppchensekt und Spreewald-Gurken, Pittiplatsch und Nudossi: DDR-Produkte, die es in gesamtdeutsche Geschäfte geschafft haben, kann man an zwei Händen abzählen. Direkt nach der Wende wurde aussortiert, viele Zeugnisse der „Alltagskultur Ost“ landeten auf dem Sperrmüll. Oder bei Jörg Hartmann, Leiter einer Sparkassen-Filiale bei Bückeburg. Der Hobby-Historiker hat ein Herz für Dinge, die lange niemand haben wollte.

Im kleinen Konsum ist die Welt noch in Ordnung. Die Regale sind voll, eine silberne Waage wartet auf Kundschaft. Direkt daneben surrt der „Jugend-Bildwerfer Magica“, ein gern gesehener Gast im Kinderzimmer. „Das ist das DVD-Kino der DDR gewesen“, schmunzelt Hartmann und zieht kleine Dosen mit Märchen-Filmen hervor. Dass die DDR auch eine dunkle Seite hatte, beweisen indes die grün-braunen NVA-Plastiksoldaten. Sie repräsentieren eine Vergangenheit, die 20 Jahre nach dem Mauerfall immer mehr aus der Erinnerung schwindet.

Es ist dieser Aspekt, für den sich Jörg Hartmann besonders interessiert. Der Schaumburger ist ein begeisterter Lokal-Historiker, in seiner Freizeit sucht er nach Spuren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Anfang der 1990er Jahre erkundete Hartmann den deutsch-deutschen Grenzstreifen. Vor einigen Monaten holte er einen Teil der Sonderausstellung „Vergessen? Schlaglichter auf Staat und Alltag in der DDR“ in seine Sparkassenfiliale in Meinsen.

Kaum zu glauben also, dass ihn der Mauerfall selbst zunächst nur am Rande beschäftigte. „Dabei habe ich dem zu verdanken, dass ich meine heutige Ehefrau kennenlernen konnte.“ Das Ende der DDR selbst sei aber an ihm vorbeigegangen: „Mit der Sammlung arbeite ich das jetzt auf.“

Simone Hartmann war 17, als die Wende kam. Nach dem Mauerfall musste sie – wie auch andere ihrer Generation – mit komplett veränderten Bedingungen fertig werden. Arbeitsplätze waren plötzlich rar gesät. Also packte die Erzieherin ihre Koffer und zog in den Westen. „Es war nicht ganz einfach“, erinnert sie sich, „in Minden habe ich dann eine Stelle bekommen.“ Neben einer beruflichen Perspektive fand die gebürtige Templinerin (Uckermark) hier auch ihr persönliches Glück: Drei Kinder hat das Ehepaar heute, das alte DDR-Spielzeug sowie persönliche Dokumente bildeten den Grundstock der Sammlung. „Mit Schnatterinchen und Pittiplatsch habe ich früher immer gespielt“, erzählt sie. „Heute haben unsere Kinder sie im Gebrauch.“

Dass zu der kleinen Sammlung immer mal wieder neue Stücke hinzukommen, dafür sorgt Jörg Hartmann durch persönliche Kontakte oder per Ebay-Kauf. Kürzlich erwarb er Teile aus dem Staatsgeschirr der DDR, gut zu erkennen an den Initialien am Tellerrand. „PdR“ – „Palast der Republik“ – steht dort in goldenen Lettern. Ob Erich Honecker selbst vom Porzellan gegessen hat, kann Hartmann aber nicht sagen. „Für mich ist es spannender zu wissen, dass dieses Geschirr einen Moment der untergangenen Republik festhält“, erklärt er, „dadurch wird Geschichte erlebbar.“ Demnächst soll vielleicht auch ein NVA-Motorrad zur Sammlung dazukommen. Das will Hartmann aufarbeiten.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt