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Heimatkunde mit „Günther dem Treckerfahrer“ steht in Lindhorst auf dem Stundenplan

Mit Mistgabel am Lehrerpult

Lindhorst. Mit der Mistgabel bewaffnet hat „Günther der Treckerfahrer“, alias Dietmar Wischmeyer, sich aufgemacht, um Schülern der Magister-Nothold Schule in Lindhorst ihre Heimat näher zu bringen. „Heimatkunde gibt es als Unterrichtsfach mittlerweile nicht mehr“, stellte er fest. „Wie heißt das denn jetzt – Ackergrubentheologie?“ Nicht ganz. Aber Erdkunde steht glücklicherweise immer noch auf dem Lehrplan. Umso erstaunter waren die rund 60 Zehntklässler als „Günther“ ihnen auf einer angestaubten Landkarte von Afrika mit der Forke Niedersachsen zeigte. Lindhorst und das Steinhuder Meer auszumachen, gelang dennoch problemlos. Ein gänzlich neuer Blickwinkel für Fiona Heinze (15) und ihre Mitschüler.

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Autor:

Tina Bonfert

Nachdem die geografische Lage geklärt war, widmete sich der Vertretungslehrer fachmännisch den Einwohnern Niedersachsens. Zur Verdeutlichung malte „Günther“ schnell einige Porträts von Hühnern, Schweinen, Kühen, Volkswagen und Mensch an die Tafel und erläuterte von welchem „Einwohner es in diesem Bundesland die meisten gibt.

„Und was machen die Bewohner den ganzen Tag?“ „Günther“, da waren sich die Schüler schnell einig – fährt den ganzen Tag mit seinem Trecker übers Land. Das tut er natürlich nicht, schließlich muss auch Günther sein Geld verdienen. „Ich fand es besonders interessant, als er erzählt hat, wie er eigentlich zum Radio gekommen ist“, sagte Melina Winter (16). Angefangen habe alles mit einem kleinen „Plastikviereck“, einer Kassette, die Wischmeyer vor 25 Jahren an den damaligen Programmdirektor des Radiosenders schickte, bei dem er heute in seiner Kolumne täglich Ereignisse aus Politik und Wirtschaft als Treckerfahrer rhetorisch auf die Mistgabel nimmt.

Auf die Frage nach ihren Traumberufen blieb es in den Reihen der Schüler still. In der Medienbranche schien keiner der Anwesenden später arbeiten zu wollen. Vielleicht hatten die Jugendlichen aber auch nur das Aufgebot an Pressemitarbeitern verschreckt, die für Radio- und Fernsehaufzeichnungen Kameras und Mikros schwenkten. „Normalerweise sind wir nicht so leise“, verriet Ellen Noben (16). „Aber es ist schon komisch, wenn so viele Kameras um einen herum sind.“

Daran müssen sich die Schüler unter Umständen gewöhnen. Aus der von Matthias Hinse, Sprecher des Vereins „Wir für soziale Gerechtigkeit“, initiierten „Vertretungsstunde“ könnte ein Langzeitprojekt werden. „Wir wollen damit etwas anbieten, was den Schülern Spaß macht und den Schulalltag ein bisschen aufbricht“, erklärte Schulleiter Christoph Pukall.

Mit der Mistgabel zeigt „Günther der Treckerfahrer“ den Schülern die Grenzen „Niedersachsens“ auf. rg



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