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Erinnerungen an den Musiker Franz Liszt, der auch in Bad Eilsen komponierte / Literarisches Kabinett im Kursaal

"Mit meinen Haaren fege ich den Weg für dich"

Bad Eilsen (sig). Er gehörte zu den Menschen seiner Zeit, die über große künstlerische Gaben verfügten. Und er kam ähnlich gern nach Bad Eilsen wie Johann Gottfried Herder. Das zumindest verbindet Franz Liszt mit dem Zeitgenossen Goethes. So war es kein Wunder, dass der Heimat- und Kulturverein im Rahmen seines "Literarischen Kabinetts" sich jenes Komponisten annahm, der auch als der größte Klaviervirtuose seiner Zeit galt.

Soähnlich kann der junge Franz Liszt ausgesehen haben.

Im Jahre 1848 kam Liszt zum ersten Male nach Bad Eilsen. Als die Tochter seiner Freundin Carolyne Fürstin Sayn-Wittgenstein erkrankt war, blieb der im Burgenland geborene Künstler sogar ein ganzes Jahr lang in dem schaumburg-lippischen Kurort und schrieb hier eine Reihe seiner Kompositionen. Es war eine vorzügliche Idee des Heimat- und Kulturvereins, nur wichtige Lebensstationen jenes Mannes zu behandeln, der ein bedeutender Vertreter der Romantik war, und diese biographischen Skizzen einzubetten in eine ausgewählte Reihe musikalischer Darbietungen. Initiator Friedrich Winkelhake hatte sich eine kompetente Mitstreiterin für dieses Vorhaben ausgesucht. Das war die Klavierlehrerin Olga Kazakowa, die fast ein Dutzend ihrer talentierten Schüler von der Musikschule Schaumburger Märchensänger mit in den Kursaal brachte. Olga Kazakowa hatte eine Vielzahl (auch durchaus bekannter) Klavierwerke von Liszt ausgesucht von den 1850 entstandenen "Liebesträumen" bis zu den "Ungarischen Rhapsodien". Sie alle machten deutlich, welche hohen Ansprüche dieser Virtuose der weißen und schwarzen Tasten an die Wiedergabe seiner Kompositionen stellte. Seine Mutter war Österreicherin, sein Vater stammte aus dem deutschsprachigen Burgenland und Franz Liszt war eigentlich überall in Europa zu Hause. Zu seinen Auftritten benötigte er insgesamt fünf Kutschen, mit denen er stolze 50 000 Kilometer zurücklegte. Er war also, wenn man so wollte, ein musikalischer Globetrotter, der sich zur Konversation der französischen Sprache bediente. Zu den tragischen Erfahrungen des Komponisten gehörte die Tatsache, dass ihm der Papst nicht erlaubte, die Ehe mit seiner Lebensgefährtin einzugehen, der Fürstin zu Sayn-Wittgenstein. Sie war nämlich vorher bereits einmal verheiratet. Für sie hatte er schon ein Brautkleid mit vielen Diamanten und Rubinen sowie einer zwölf Meter langen Schleppe in Auftrag gegeben. 16 Gänge sollte das ausgefallene Hochzeitsmenü haben. Liszt war ein Mann für das Ungewöhnliche. Das Verbot des Papstes zeigte Folgen: Der Meister der Komposition und des Klaviers legte die Leitung der Oper in Weimar nieder und zog sich nach Rom zurück, wo er zum Abbé geweiht wurde. 1875 wurde er erster Präsident der neu gegründeten Musikakademie in Budapest. Der Werdegang des jungen Liszt wurde im Eilser Kursaal nicht nur musikalisch dargestellt, sondern zusätzlich in Szenen, in denen sein Vater, Beethoven und Heinrich Heine vorkamen. Zu Gehör gebracht wurden unter anderem Kompositionen, die jener Zeit zugeordnet werden können, die er in Bad Eilsen verbracht hat. Sie bewiesen, dass er hier einen durchaus inspirierenden Aufenthalt erlebt haben muss.Vielleicht lag es an seiner Liebesbeziehung, von denen er nachgewiesenermaßen viele hatte. Die waren so heftig, dass er sich einmal sogar zur folgenden Textstelle hinreißen ließ: "Mit meinen Haaren fege ich den Weg, den du zu gehen hast!" Friedrich Winkelhake und seinem Team sowie Olga Kazakowa und ihren Schülern und Schülerinnen sei für einen Nachmittag gedankt, über den sich feststellen lässt: Wer hier gefehlt hat, hat einen Grund, sich zur ärgern!

Sie alle trugen dazu bei, dass es ein unvergesslicher Nachmittag
  • Sie alle trugen dazu bei, dass es ein unvergesslicher Nachmittag wurde: Die lange Reihe der jungen Solisten. Fotos: sig
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