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Star der deutschen Jazz-Szene spielt am 13. März etwas ungewohnte Töne im Lalu im Hefehof

Mit mehr Gitarre und Rock: Wülker in Hameln

6 – das ist die Zahl der Alben von Nils Wülker, die Zahl der Musiker auf seinem neuesten Werk, der Titel des neuen Albums. Pragmatisch, prägnant und unprätentiös, unverkennbar Nils Wülkers Handschrift. Einerseits. Doch musikalisch dürfte „6” den Erwartungen des Feuilletons erst einmal diametral entgegenstehen. Denn das Album überrascht, schon der Opener „Fast Forward“ ist wie eine vorweggenommene Inhaltsangabe: Es groovt, funkt und rockt, mit Lust an der Hookline und knarzendem Dreck unter den Ventilen. Eine vibrierende Mischung aus Kraft und Leichtigkeit – die Schlagzahl für die restlichen neun Titel ist klar vorgegeben. Hamelner Fans können sich davon am Samstag, 13. März 2010 überzeugen. Dann nämlich kommt Wülker, einer der großen deutschen Jazz-Stars um 20 Uhr in die Lalu Traumfabrik (Karten gibt es im Vorverkauf: siehe Hinweis im Kalender).

Im Gepäck natürlich sein neues Album. Ob das noch Jazz ist? „Ich weiß es nicht. Jazz ist mein Background, und das Album atmet sicher den freiheitlichen Geist dieser Musik. Aber: Darf man das?, darf man das nicht?, was sagt die Jazztheorie? – diese Fragen haben mich noch nie umgetrieben. Mich interessiert nur: Ist die Musik intensiv? Dann packt sie mich. Und diese neue Richtung hat mich auf einen Schlag unfassbar elektrisiert“, so der Sänger.

Mit „6” verlässt Nils Wülker die musikalische Linie der Vorgängeralben, ohne seine eigene zu verlieren oder gar zu verleugnen. Die Aufnahmen sind das Ergebnis einer organischen Entwicklung: „Ich habe zuletzt live einfach großen Gefallen daran gefunden, es richtig krachen zu lassen, und der Band ging es genauso.“ Viele alte Titel bekamen ein neues Gewand verpasst, und als für eine Doppeltournee mit Stacey Kent das Programm gekürzt werden musste, blieben plötzlich nur noch die rockigen Nummern übrig. Keine Frage: Für das neue Album musste etwas anderes her, roher und direkter als bisher.

Aus einer Laune heraus erweiterte Wülker seine private Instrumentensammlung um Gitarre und Bass, spaßeshalber und um sich auszuprobieren. „Es war amüsant, musikalisch mal wieder totaler Anfänger zu sein, das Spielkind herauszulassen und sich so neue Inspiration zu holen.“ Ein kurzzeitiger Perspektivenwechsel, untermalt von Miles Davis genauso wie von John Mayer, Phoenix oder Death Cab for Cutie im CD-Player, der immer neuen sanften Mädchenstimmen im Jazz langsam überdrüssig. Und ganz konsequent fallen die neuen Stücke deutlich gitarrenlastiger aus, als es bisher der Fall war. Auf den letzten Alben übernahm Sting-Gitarrist Dominic Miller die sporadisch anfallenden Gitarrenparts; nun gibt es mit Arne Jansen ein neues Mitglied in der Nils Wülker Group, sowohl auf dem Album als auf der Bühne. Die Hamelner Fans dürfen sich freuen. „Ich wollte einen sehr kompakten Band-Sound”, sagt Wülker, „das, was eine gute Rockband ausmacht. Und zum Stil der neuen Titel gehörte für mich deutlich mehr Gitarre.“

Nils Wülker gilt seit geraumer Zeit als der Songwriter unter den Jazzern, und mit „6” geht er noch einen großen und entschiedenen Schritt weiter in diese Richtung.

Nils Wülker: Einer der Stars der deutschen Jazz-Szene kommt am Samstag, 13. März, nach Hameln. Mit im Gepäck hat er Stücke seines neuen, etwas anderen Albums.




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