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Ehemaliges Lehrerpaar unterstützt Flüchtlinge in Lindhorst beim Deutschlernen

Mit Händen und Füßen

Lindhorst. Ohne Sprache ist es kaum möglich, sich in einem fremden Land zurecht zu finden. Deshalb treffen sich jeden Donnerstag Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern zum Deutschunterricht im Gemeindesaal der evangelischen Kirche in Lindhorst. Da die Asylbewerber, solange sie nicht offiziell anerkannt sind, keinen Anspruch auf einen professionellen Sprachkurs haben, ist hier das Ehrenamt gefragt. Margitta und Otto Siebörger, beide Lehrer im Ruhestand, nehmen sich seit Jahresbeginn jede Woche Zeit, um den Flüchtlingen beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen.

90 Minuten lang werden Wörter den richtigen Bildern zugeordnet, Adjektive auswendig gelernt und Vokabeln für das Alltagsleben besprochen. Wenn es sein muss, auch mit Händen und Füßen oder großen Gesten. Und wenn die Kommunikation doch mal hängt, gehen die ehemaligen Lehrer just nach draußen, um sich auf die Suche nach dem Gegenstand zu machen, dessen Begriff noch niemand der Teilnehmer kennt. „Ich bin gleich zurück“, sagt Margitta Siebörger, um wenige Minuten später mit einem Stein wiederzukommen, den sie schwungvoll auf dem Tisch platziert. „Das ist ein Stein“, wirft sie humorvoll in die Runde. „Wir lachen auch oft zusammen“, sagt die Lindhorsterin.

Die Stimmung im Gemeindesaal ist locker. Acht Männer und Frauen sitzen am großen Tisch – Georgier, Roma und Menschen aus anderen Ländern helfen sich gegenseitig bei den Arbeitsblättern. Einige haben ihre Kinder mitgebracht, für die es jede Menge Spielzeug gibt. Ein junger Serbe spricht schon sehr gut Deutsch und übersetzt gelegentlich für die anderen im Sprachkurs. Dabei konnte er zu Beginn des Kurses weder lesen noch schreiben, erzählt Siebörger. Und genau darin besteht auch die große Herausforderung des Unterrichtens, sagt Margitta Siebörger. Jeder sei auf einem anderen Level und komme mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in den Kurs. Viele Materialien, die die ehemalige Lehrerin noch aus Grundschulzeiten hat, seien für den Anfang schlichtweg zu schwierig, da sie schon viel Grammatik beinhalten. „Hier geht es zuerst darum, sich im Alltag zurechtzufinden“, erklärt die ehemalige Lehrerin. Deshalb lernen die Asylbewerber zu Beginn viele Begriffe kennen, die zum Beispiel beim Einkaufen und im Haushalt wichtig sind.

Anstoß für den ehrenamtlichen Sprachkurs sei der große Bedarf der Asylbewerber gewesen, die sich im Gemeindebüro gemeldet hatten, weil ihnen wichtige Dinge wie Bettwäsche fehlten, sagt Siebörger. Daraufhin fand sich ein Kreis von Ehrenamtlichen zusammen, der eifrig Sachspenden sammelte. „Und irgendwann kam dann der Wunsch der Flüchtlinge auf: Wir müssen Deutsch lernen“, berichtet die Rentnerin. kil




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