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Drei Oldtimerfreunde sind verrückt auf "Holder" / Einachsschlepper tuckern noch wie am ersten Tag

Mit fünf Litern Diesel einen Tag lang pflügen

Wendthagen (mw). Alte Einachsschlepper der deutschen Traditionsmarke "Holder" begeistern drei Schaumburger Oldtimerfreunde. Denn außer einem kuriosen Erscheinungsbild bieten die Vehikel ihren Eigentümern auch noch einen praktischen Nutzwert.

"Die Motoren sind 40 bis 60 Jahre alt und laufen wie ein Uhrwerk", schwärmt der Landmaschinenmechaniker Pascal Wulf von den Zwei-Takt-Dieseln der "Holder"-Einachsschlepper. Gerade mal 9,5 PS leisten die 500 bis 600 Kubikzentimeter großen Motoren, die es auf eine Drehzahl von rund 2000 Umdrehungen pro Minute bringen. Gestartet werden die Mitte des vergangenen Jahrhunderts gebauten Aggregate von Hand: "Man nimmt die Kurbel, dreht ihn an - und fertig", erklärt der 20-Jährige. Erst viel spätere Modelle hätten einen elektrischen Anlasser. Einen praktischen Nutzwert erhalten die "Holder" nach Auskunft von Wulf erst durch die unterschiedlichen Geräte, die an die mit einer langen Lenkstange ausgerüsteten Einachser angebaut werden können. Angefangen von einer Art Hinterteil, das außer einer zweiten Achse auch eine Sitzmöglichkeit aufweist, über einen Pflug oder eine Egge, bis hin zu einem Anhänger - manches davon Marke Eigenbau. Eine TÜV-Abnahme benötige man für die nicht zulassungspflichtigen "Holder" übrigens nicht. Zu Wulfs Fuhrpark gehören zwei Einachsschlepper vom Typ ED10 (Baujahr 1949 und 1950) sowie ein ED2 (Baujahr 1955). Besonders stolz ist er zudem auf seinen passenden restaurierten Anhänger, mit dem auch Mist gestreut werden kann. Während Wulf seine Oldtimer hauptsächlich auf - der langsamen Fahrgeschwindigkeit geschuldet - nahegelegenen Ausstellungen zeigt, setzt der Krebshäger Dennis Dreyer seine beiden "Holder" E11 (10 PS, Baujahr 1964 und 1966) noch regelmäßig in der nebenberuflich betriebenen Landwirtschaft und dem Gartenbau ein. Toll sei vor allem deren - im Vergleich zu herkömmlichen Traktoren - geringe Größe und deren sparsamer Verbrauch, zeigt sich der hauptberuflich als Straßenwärter arbeitende 22-Jährige begeistert. "Man kommt überall hin. Und mit fünf Litern Diesel kann ich den ganzen Tag pflügen." Die Pflege kommt aber auch bei Dreyer nicht zu kurz. Die Maschinen würden zwar mal dreckig, aber danach mache er gleich wieder sauber, betont er. "Da geht kein Weg dran vorbei." Zum einen wolle er ja noch lange Freude an seinen "Holdern" haben, zum anderen habe er es aber auch so von seinem Opa gelernt. In die heutige Währung umgerechnet habe etwa der "Holder" Baujahr 1966 seinerzeit rund 3360 Euro gekostet, erzählt Dreyer. Um dieses Geld zusammen zu bekommen, habe sein Großvater damals sogar noch zwei Schweine verkaufen müssen. Ein Erbstück nennt auch Otto Köster aus Krebshagen sein Eigen. Seinem Onkel habe der mit einer Mähvorrichtung ausgestattete "Holder" E12 (12 PS, Baujahr 1962) früher gehört, berichtet der Rentner. Er selbst habe damit in jungen Jahren aber ebenfalls noch Getreide und Gras gemäht. "Den verkaufe ich nicht", sagt Köster bestimmt. Allein schon aus Spaß, aber auch um nachfolgenden Generationen zeigen zu können, mit was für Maschinen damals gearbeitet wurde. Außerdem: "Der frisst doch kein Brot, damit kriegt man keinen Streit und er springt sofort an", flachst Köster, und führt augenzwinkernd noch einen weiteren Grund an, warum er sich von dem Vehikel nicht trennen mag: "Weil man verrückt ist."




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