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Musik im Kerzenschein: "Trio kali gari" erobert die Herzen der Zuhörer im Sturm

Mit den Liedern wird das Leben selbst gefeiert

Rehren. Am Ende wurde es zu einem Triumph. Mit stehenden Ovationen bedachten die rund 80 Zuhörer in der Rehrener Kapelle ein Trio, das sie nur durch den jiddischen Klassiker "Bei mir bist du scheen" zu Beifallsstürmen hingerissen hatten. Denn das "Trio kali gari" hatte schon nach dem ersten Lied das Publikum auf seiner Seite.

Vom Leben und vom Lieben, vom Feiern und Trauern erzählt das "Tr

Autor:

Frank Westermann

S änger und Akkordeonist Thomas Denker, die gertenschlanke Teufelsgeigerin Karin Christoph und der Jazzbassist Reinhard Röhrs hatten das Konzert mit einem Lied eröffnet, wie es vielleicht auf einem Geburtstag oder einer Hochzeit gespielt wurde: Frisch, fröhlich, frech - doch unter der kristallklaren Oberfläche zeigte sich, was hier noch gefeiert wurde: das Leben selbst. Ein Lied, das symbolisch zeigte, was die Zuhörer erwarten würde. Überwiegend heiter wurde die Klezmer-Musik dargeboten. Klezmer ist im Ursprung die Musik osteuropäischer Juden, die umherziehende Sänger auf Festen aller Art darboten. Und da die Sprache ihren Ursprung im Mittelhochddeutschen hatte, ehe sie mit den Juden nach Osteuropa wanderte, waren die Texte in Ansätzen durchaus verständlich. Die Röcke fliegen, wenn die Musik spielt, die Blumen neigen sich im Takt, sogar das Wasser hebt sich in den Teichen: "Trio kali gari" nahm die Zuhörer mit auf einen musikalische Zeitreise - wer die Augen schloss, sah sich unvermittelt an einer Festtafel in einem Shtetl sitzen. Dass man es dabei nicht übertreiben sollte mit dem Feiern, zeigte ein nettes Trinklied: Nur noch einmal, so bittet ein Mann, solle Gott dafür sorgen, dass er ein paar Münzen für den nächsten Schluck Alkohol habe, nur einmal, dann sei aber wirklich Schluss. Heraus aus dem Dorf, hinein in die Stadt. Denn die Sehnsucht der osteuropäischen Juden war nicht ihr Shtetl, sondern wurde von der Stadt Odessa verkörpert. Während der Shtetl die Enge und Vorbestimmtheit des engen Dorfes symbolisierte, stand Odessa für das wilde, freie Leben in der großen und weiten Stadt. "Trio kali gari" räumte den Ton gewordenen Träumen im Konzert einen entsprechend großen Platz ein. Erzählt wird von den Sehnsüchten, Wünschen und Visionen, die Menschen eben bewegen. Die Klezmer-Kultur wurde von den Nazis fast vollständig vernichtet, die traumatischen Erfahrungen wurden aber nach 1945 in vielen Liedern verarbeitet: "Was wird bleiben? Bleiben wird der Wind" sang das Trio wehmütig-klagend. Das Lied, so erklärte Sänger Denker, erinnerte nicht nur daran, wie viele Flüchtlinge heute noch auf der Erde eine neueHeimat suchen würden, sondern sei auch ein Dank an jene, die den Flüchtlingen Schutz und Heimat bieten würden. Am Schluss eines ebenso schönen wie nachdenklich stimmenden Konzertes bestimmten wieder die fetzigen Aspekte und Elemente der Lieder aus Ungarn, Rumänien, Russland und anderen osteuropäischen Ländern das Programm. Wiederholung erwünscht. Wenn das "Trio kali gari" den bisherigen Besuchsrhythmus beibehält, würden sie erst 2013 wieder das Auetal besuchen. Und das dauert uns wirklich viel zu lange.

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