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Mit dem Pilzlehrer im Wald unterwegs

Im Herbst wachsen Parasol, Champignons, Steinpilze, Birkenpilze und Rotkappen. Die Letztgenannten sind roh giftig, müssen also beim Verzehr gar sein, erklärt Dieter Honstraß, Pilzlehrer und geprüfter Pilz-Sachverständiger. In diesem Jahr sprießt ein tödlich giftiger Pilz häufig aus dem Boden, warnt er: Es ist der Pantherpilz. Besonders gefährlich mache ihn seine Ähnlichkeit mit dem Perlpilz, der essbar ist.

Autor:

Monika Dietz

Ob der gefundene Pilz giftig ist oder nicht, lässt sich für einen Laien nicht gleich erkennen. „Ich kann jedem Sammler nur ans Herz legen, an weiterbildenden Veranstaltungen zur Pilzkunde teilzunehmen“, rät Honstraß.

Zur Ausrüstung gehört lediglich ein luftiger Korb. Plastiktüten oder -eimer sind nicht geeignet, weil dort die Pilze relativ schnell verderben. Sogar ungiftige Exemplare beginnen, darin Gifte zu produzieren. Ein Messer zum Abschneiden sei auch nicht notwendig, erklärt Honstraß. Besser sei es, den Pilz am Ansatz herauszudrehen. „Denn bestimmte Pilze kann man nur an der Stiel-Basis erkennen.“ Wer sich zum ersten Mal auf die Suche machen möchte, sollte sich einem Pilzkenner anschließen, der erfahren ist und auch Lehrkurse besucht hat.

„Selbstüberschätzung ist das Schlimmste“, warnt Michael Exner von der „Pilzgruppe des Fördervereins Wisentgehege“. Und der schlechteste Pilzberater sei die eigene Fresssucht. Falls doch etwas auf eine Pilzvergiftung hindeutet, sollten Erwachsene sofort das Verspeiste erbrechen und anschließend ins Krankenhaus, rät Honstraß. Mit Kindern fahre man am besten gleich in die Klinik. Die Vergiftung beginne, sobald die Pilze im Magen angelangt sind. Wichtig sei es, Reste der Mahlzeit, Pilzabfälle und auch Erbrochenes mitzunehmen.

6 Bilder

Wozu Pilze im Wald suchen, wenn es sie im Supermarkt zu kaufen gibt? „Ich plädiere dafür, selbst zu sammeln“, sagt Honstraß, der eine mobile Pilzschule hat und in Deutschland sowie in Europa tätig ist. Was der Verbraucher im Handel kaufen könne, sei häufig frisch, aber auch immer wieder ungenießbar. Wenn Pfifferlinge oder Champignons in Kunststoffschälchen mit Plastikfolie liegen und ohne Kühlung sind, herrschten Temperaturen und Feuchtigkeit wie bei einer Gewächshaus-Atmosphäre. Der Inhalt werde von Schimmelpilzen befallen, diese Zersetzungsprodukte seien giftig. Würden diese, oft schon faulig riechenden Pilze gegessen, erleide man eine sogenannte Sekundärvergiftung.

„Für mich ist es reizvoll, Pilze zu suchen, die schwer zu finden sind“, sagt Dieter Honstraß. Dazu gehören auch Trüffeln, die in der Küche als Gewürz verwendet werden. Doch Trüffeln wachsen nicht nur an verborgenen Stellen im Wald, jeder Hobby-Gärtner kann sie auch im eigenen Garten anbauen, versichert der Pilzlehrer.

Dies gelinge mit sogenannten Trüffelbäumchen, die im Gartenbedarfshandel erhältlich sind. Linden, Eichen, Rot- und Hainbuchen oder Haselsträucher werden mit einem Impfstoff aus Trüffeln mykorrhiziert, das heißt, ihre Baumwurzeln werden mit den Trüffeln künstlich besiedelt. Diese sind sogenannte Symbiosepartner der Bäume, denn sie versorgen sie mit Nährstoffen. Als Gegenleistung erhalten sie Vitamine und Zuckerverbindungen, die in den Blättern der Bäume produziert werden, so Honstraß.

Bisher stammen die Trüffeln meist aus Spanien, Frankreich oder Italien. Doch Honstraß möchte, dass auch deutsche Trüffeln auf den Markt kommen. Allerdings nicht aus dem Wald, sondern von Plantagen, so, wie es bereits bei 90 Prozent der Weltproduktion der Fall ist. In Deutschland gebe es rund 300 Sorten des Gewürzpilzes, erzählt Honstraß, davon seien etwa 20 Arten gesetzlich geschützt.

„Ein Laie kann das ganz schwer auseinanderhalten“, so der Pilzlehrer. Nur diese Arten gelten als gefährdet, deshalb sei das Sammeln dieser Trüffelarten in Deutschland verboten.

Honstraß hat beim Niedersächsischen Umweltministerium einen Antrag gestellt, gesetzlich geschützte Trüffeln zur Bestandsvermehrung und Erhaltung der Art entnehmen zu dürfen. Damit will er erstmals den Anbau von deutschen Trüffeln auf Plantagen, und damit im eigenen Garten, ermöglichen.

Auch am Deister schlummern Trüffeln drei bis zehn Zentimeter unter der Erde, sagt der Pilzlehrer. Es sind unter anderem die Arten Sommer- und Burgundertrüffel. Noch hat Honstraß nicht die Genehmigung des Ministeriums. Bis zur ersten Ernte unterm Plantagenbaum vergehen vier bis sechs Jahre. Doch gut Ding will Weile haben.

Kontakt Dieter Honstraß: Internet: www.pilzschule.de, E-Mail: info@pilzschule.de, Pilzhotline: (01 76) 26 19 00 33. Lehrmaterial von Dieter Honstraß: www.pilzlehrfilm.de

In Wäldern und auf Wiesen locken wieder allerlei Pilze zum Sammeln. Doch Vorsicht ist geboten. Denn ein giftiger Pilz kann das Leben kosten. Ein Pilz-Sachverständiger klärt auf – und gibt Tipps für die eigene Trüffelplantage im Garten.

Alle Risspilze wie dieser sind hochgiftig. Sie waren auch die Todesursache von gefräßigen Elchen im vergangenen Jahr im Wisentgehege Springe.

In diesem Jahr findet man häufig den tödlich giftigen Pantherpilz (li.). Besonders gefährlich macht ihn seine Ähnlichkeit mit dem Perlpilz (re.), der essbar ist. Fotos: Honstraß (2)/

mod

Die klassische Pilzform mit Stiel und Schirm hat der essbare Parasol. Eine Verwechslung wäre mit dem Garten-Giftschirmling möglich.

So sieht ein Sommertrüffel (li.) aus. Dieter Honstraß hat ihn aus Frankreich bestellt.

Der Glimmertintling tritt gruppenweise auf und ist nur jung und dann eingeschränkt essbar: „Alkoholgenuss vor, während oder nach dem Essen verursacht unangenehme Beschwerden, Todesgefahr besteht aber nicht“, sagt der Pilzexperte.




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