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An Bord der 2008 renovierten „Club Med 2“ lässt sich zwischen Nizza und Korsika vieles entdecken

Mit dem Fünfmaster über das Mittelmeer

Nizza/Korsika. 150 Augenpaare warten gebannt. In der einen Hand ein Glas gekühlten Champagner, in der anderen einen Fotoapparat. Der Blick geht immer wieder schräg nach oben, die kahlen Masten fest im Visier. Dann ist er da – der Moment, auf den alle gewartet haben.

Autor:

Kirstin von Geyso-Hagelberg

Erst ganz leise, dann rasch kraftvoller werdend, erklingen die ersten Töne von „Conquest of Paradise“ über Deck E. Mit der Filmmusik von Christoph Kolumbus rollen sich lautlos die Segel aus. 2500 Quadratmeter Segelfläche verteilen sich auf fünf 50 Meter hohe Masten. Die „Club Med 2“ setzt sich sanft in Bewegung. Langsam wiegt sich das Schiff aus dem Hafen, hinaus aufs offene Meer – Kurs Richtung Korsika. Es ist der Augenblick dieser Segelkreuzfahrt, den viele lange in Erinnerung behalten.

Auch für Julien Tregoures ist die Vorabendstimmung an Bord ein besonderer Moment. „Was ist schon eine Kreuzfahrt ohne ein bisschen Windkraft“, schmunzelt er. Der Navigationsoffizier weiß, wovon er spricht. Denn schließlich hat er ein Jahr lang auf der Fähre zwischen England und Frankreich gearbeitet. Ganz ohne Segel. „Und auf Dauer sehr langweilig“, fügt er hinzu. Das ist nun anders. Denn seit zwei Monaten berechnet er die Routen des Segelkreuzfahrtschiffes „Club Med 2“. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Auf einer Landkarte zeichnet er jede Route von Hand ein, notiert stündlich die Lage des Schiffes.

Der nächste Morgen. Das Schiff hat sein erstes Ziel erreicht und liegt vor Korsika. Sonnenstrahlen lassen das Meer glitzern. Weiß und silberfarben blitzt es zwischen den Schaumkronen hervor. Am Horizont kämpft die Sonne gegen den Dunst der Berge. In der Bucht von Ile de Rousse leuchten der helle Sandstrand und das Türkis des Wassers um die Wette. Einladend. Das finden auch Pierre und Fabienne. Nach dem Frühstück auf der Sonnenterrasse packen sie Badehose und Handtuch in ihre Sporttasche und reihen sich ein in die Schlange, die von Bord geht. Mit dem Tenderboot direkt an die Küste.

3 Bilder
Navigationsoffizier Julien Tregoures beim Einzeichnen der Route.

Die Auszeit vom Schiff lockt nicht nur sie. An diesem Morgen sind die Plätze auf dem Beiboot früh besetzt. Vielleicht ein Bad im Mittelmeer, vielleicht einen Café au Lait in einem der Hafencafés, bevor das Schiff wieder die Segel hisst.

Die „Club Med 2“ ist ein Fünfmaster. 370 Passagiere passen an Bord des 2008 renovierten Schiffes. Dazu kommen etwa 200 Mitarbeiter. Eine entspannte Atmosphäre. Dafür sorgen die 60 sogenannten „Gentils Organisateurs“, kurz G.O.s, die „freundlichen Offiziere“. „Jeder hat hier natürlich seine Funktion“, sagt Hsien Ming lächelnd. Sie ist seit sechs Monaten an Bord und arbeitet auf dem Sport-Deck. Immer wenn es Wellengang und Hafenordnung zulassen, fährt sie das Aqua-Deck aus. Ob Wasserski, Windsurfen oder Schnorcheln – das Team um Hsien Ming erklärt, begleitet und motiviert die Wassersportbegeisterten. „Darüber hinaus suchen wir gezielt den Kontakt zu den Gästen“, fügt sie hinzu. Locker mischen sich die Mitarbeiter der Crew zwischen die Passagiere. Hier ein Plausch, dort ein Small Talk und morgen ein gemeinsames Abendessen. Den Namen der Gäste kennen die G.O.s spätestens nach zwei Tagen.

Es geht familiär zu an Bord. Auch tagsüber. Die Teakholzliegen am Pool um Deck E füllen sich langsam. Aus den Lautsprechern erklingt dezente Loungemusik. Trotz fester Verankerung dreht sich das Schiff mit den Wellen um die eigene Achse. Eine leichte Brise weht über das Deck. Die ersten Passagiere bringen sich und ihren Fotoapparat wieder in Stellung, schauen auf die Uhr. Sechs Uhr abends und der Wind steht günstig. Der Kapitän wirft den Motor an und gibt den Befehl zum Segelsetzen. Julien drückt auf einen Knopf, die Segel rollen sich langsam aus. „Bei entsprechender Windstärke und Windrichtung können wir so die Geschwindigkeit des Motors um ein bis zwei Knoten reduzieren“, erklärt er. „Aber eigentlich sind die Segel ja ein bisschen Show für die Passagiere.“ Er schmunzelt und sein Blick geht nach oben.

Und da ist er wieder: der Augenblick. Die Abendsonne taucht Deck E in warmes Licht. Die ersten Töne von „Conquest of Paradise“ erklingen. Champagnergläser werden geleert und der eine oder andere wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Gesicht.

Hsien Ming ist „Gentils Organisateurs“ an Bord der „Club Med 2“. Auf dem Sport-Deck hilft sie Gästen beim Schnorcheln. Fotos: Geyso-Hagelberg

„Eigentlich sind die Segel ja ein bisschen Show für die Passagiere“, sagt der Navigationsoffizier. Schön sehen sie gesetzt trotzdem aus.




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