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75-jähriger Hamelner fährt 4000 Kilometer durch die USA

Mit dem Fahrrad unterwegs auf der Route 66

Durch endlose Weiten geht es kilometerlang nur geradeaus an einsamen Landschaften vorbei: Den Traum vieler Motorradfahrer hat sich der 75-jährige Hamelner Kim Nazemi in diesem Jahr erfüllt. Mit dem Fahrrad fuhr er die legendäre Route 66 entlang – durch acht Bundesstaaten, von Chicago bis nach Santa Monica. „Ich wusste, dass die Route 66 eine Traumstrecke für Motorradfahrer ist, aber ich habe keinen Führerschein. Außerdem ist es mit dem Motorrad schon in fünf Tagen vorbei", meint der Geophysiker, der mit 18 Jahren von Teheran nach Deutschland kam. Der Dewezet schildert er seine Eindrücke von der Reise.

Michael Zimmermann

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Michael Zimmermann Gastautor zur Autorenseite
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Durch endlose Weiten geht es kilometerlang nur geradeaus an einsamen Landschaften vorbei: Den Traum vieler Motorradfahrer hat sich der 75-jährige Hamelner Kim Nazemi in diesem Jahr erfüllt. Mit dem Fahrrad fuhr er die legendäre Route 66 entlang – durch acht Bundesstaaten, von Chicago bis nach Santa Monica. „Ich wusste, dass die Route 66 eine Traumstrecke für Motorradfahrer ist, aber ich habe keinen Führerschein. Außerdem ist es mit dem Motorrad schon in fünf Tagen vorbei", meint der Geophysiker, der mit 18 Jahren von Teheran nach Deutschland kam. Der Dewezet schildert er seine Eindrücke von der Reise.

Die Tour

Der Langstreckenläufer will die Strecke eigentlich zu Fuß bezwingen. Weil die Gelenke Probleme machen, weicht er aufs Fahrrad aus. Zwei Jahre plant er die Reise, berechnet jede Etappe exakt. Statt nach 41 Tagen kommt er sogar schon zwei Tage früher ans Ziel. Sein Fahrrad kauft er für gut 300 Euro beim Discounter. Bis auf etliche Reifenschäden hält es die 4000 Kilometer lange Strecke durch.

Die körperliche Anstrengung

Nach dem ersten Tag kann er sich kaum bewegen. „Nach 30 Meilen legte ich mich auf den Rasen und konnte vor lauter Krämpfen nicht mehr aufstehen. Da habe ich mich schon gefragt, wie ich jetzt noch 4000 Kilometer fahren soll. Wenn ich jung gewesen wäre, hätte ich gesagt, jetzt ist Schluss, lass es sein.“ Die Ausdauer und Erfahrung seiner Marathonläufe hilft ihm, durchzuhalten. „Ich weiß ja, dass die Schmerzen nach dem zweiten Tag auch wieder weggehen.“

6 Bilder

Die Menschen

Noch immer schwärmt er von den Menschen, die ihm auf seiner Tour begegneten. Durch die Reise fühlt er sich mit dem Volk verbunden: „Ich kannte das Land schon vorher, aber nicht so intensiv. Ich bin richtig in die Wohnzimmer reingegangen und habe so viel Hilfe von den Menschen erlebt.“ Wildfremde Leute laden ihn wie selbstverständlich ins Haus ein, andere schenken ihm Lebensmittel. Die Verwandten warnen ihn vor der Reise vor drohenden Gefahren. „Aber ein so sicheres Land habe ich noch nicht gesehen. Irgendwann habe ich nicht mal mehr mein Fahrrad angeschlossen.“

Die Landschaft

Im Bundesstaat Missouri geht es immer auf und ab, alles ist grün, „wie im Weserbergland“. Ab der texanischen Grenze wird die Landschaft karger und einsamer. Weit und breit gibt es nur Rinder, weite Felder und Steinwüste. „Aus Oklahoma war ich gewohnt, dass alle zehn, 20 Meilen ein Restaurant oder Supermarkt kommt. Hier gab es Hunderte Kilometer lang nichts.“

Der schönste Moment

San Bernardino, knapp 100 Kilometer vor Santa Monica. Nach dem Anstieg im kalifornischen Hochgebirge hat er das Ziel schon vor Augen: „Jetzt kommst du nach Los Angeles, da kannst Du essen. Das war der Moment, in dem ich mich gefreut habe, wieder normal zu leben.“

Der Unfall

In Albuquerque endet die Traumreise beinahe tragisch: Beim Spurwechsel auf der sechsspurigen Stadtautobahn erwischt ihn ein Auto: „Ich hörte von hinten nur noch das laute Quietschen der Bremsen.“ Rund 20 Meter schiebt der Wagen ihn vor sich her, bevor er stehen bleibt. „Da habe ich nur gedacht, jetzt ist es vorbei, jetzt bist du weg.“ Wie durch ein Wunder übersteht er den Unfall lediglich mit Schürfwunden und blauen Flecken – das Fahrrad erwischt es da schon schlimmer. Obwohl er auf dem Highway nichts zu suchen hat, drückt die Polizei ein Auge zu und bringt ihn und das Rad zu einer Fahrradwerkstatt. Die beiden kaputten Räder werden ausgewechselt, und schon zwei Stunden später sitzt Kim wieder im Sattel.

Die Zukunftspläne

Am liebsten möchte Kim Nazemi als nächstes durch Südamerika fahren: „Ich war sehr oft in Chile, Argentinien und Kolumbien. Da war ich so begeistert von den Ländern – vielleicht mache ich das.

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