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Das Kulturzentrum in der Diskussion – doch mit Klasse-April

Mit dem Blasebalg der Hölle blüht die Sumpfblume auf

Hameln. Sie steht in der Diskussion: Der Sumpfblume soll das Wasser abgegraben werden als Folge der kommunalen Finanznot. Keiner will das aus tiefstem Herzen, aber man muss sparen, heißt es. Dass über das Wohl und Wehe dieser Einrichtung schon seit 30 Jahren, also seit den allerersten Tagen, politisch diskutiert wird, kennen die Sumpfe-Macher zur Genüge, das ist für sie nicht neu. Doch nie soll die finanzielle Not so groß gewesen sein wie zurzeit. Rein botanisch betrachtet wird von einer Sumpfblume wenig übrig bleiben, wenn man ihr den Nährboden entzieht. Auf das Hamelner Kulturzentrum gemünzt sieht das nicht anders aus: Kultur kostet Geld, und wenn die öffentliche Hand keines hat, wird’s schwierig mit der Umsetzung. Ungeachtet der Diskussionen auf Stadt-, Landkreis- und Landesebene und ungeachtet der weiterhin schwammig formulierten Zielvorstellungen von Politik, Verwaltung und Geschäftsführung – so etwas hat 26 Buchstaben und nennt sich Entscheidungsfindungsphase – soll hier und jetzt nur das in den Fokus gerückt werden, um das es geht: die Kultur. Und da sieht’s im Monat April wirklich nicht übel aus. Noch blüht sie, die Sumpfblume an der Weser!

Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Es ist vier Jahre her, da taten sich eine Hand voll Musiker zusammen, um eine Band zu gründen. Sie nannten sie Van Canto. Schlagzeug. Stimmen. Mehr gibt’s nicht bei Van Canto. Das ist A-cappella-Musik mit Drummer. So entstanden fesselnde Kompositionen wie „The Mission“ oder „Speed of Light“ und Neuinterpretationen von klassischen Metal-Songs wie „Battery“, „Kings of metal“ und „Fear of the dark“. Wahrscheinlich, nein, ganz sicher sogar ist Van Canto die einzige A-cappella-Metal-Gruppe weltweit! Wer kommt denn sonst auf so eine Idee…?

Magic Circle Festival, Wacken Open Air – Van Canto ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Und stetig wächst die Fangemeinde. Die deutschen Vokal-Akrobaten – die Sängerin kommt sogar aus dem heimischen Weserbergland – haben einen weltweiten Vertrag mit dem österreichischen Label unterschrieben und arbeiten momentan gemeinsam mit Charlie Bauerfeind in den Blind Guardian Studios unter Hochdruck am neuen Album, das in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. In der Sumpfblume gibt’s schon mal Auszüge daraus zu hören. Termin: Freitag, 9. April, 20.30 Uhr.

Und noch so ein Ding, das ohne Kulturzentrum keine Chance zum Erblühen hätte: die „Akkordeonale 2010“. Fernab des verstaubten Schifferklavier-Images spielen verschiedene Musiker am Freitag, 16. April, ab 20.30 Uhr, und es ist nur die logische Folge aus der verdammt gut gelungenen Premiere im vergangenen Jahr. Die erste Akkordeonale war ein furioser Erfolg.

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Servais Haanen, niederländischer Akkordeonist, präsentiert auch diesmal wieder ein bunt gemischtes internationales Programm. Mit dem Wind im Blasebalg nehmen die Künstler ihre Zuhörer mit auf Entdeckungsreise, von den Niederlanden über Frankreich, Finnland und Bulgarien bis nach Kolumbien. Das Festival gleicht einer Momentaufnahme, wenn vor gespannten Augen und Ohren fünf Harmonika-Lungen loslegen und in der Begegnung unterschiedlichster Stile, umrahmt von Cello und Perkussion, etwas ganz Neues, Einmaliges kreieren. Es ist ein Fest der Klänge.

Es gibt übrigens noch ganz andere Begriffe für das Akkordeon. Schifferklavier ist ja schon genannt worden, aber wer spricht in diesem Zusammenhang eigentlich von Schweineorgel, wenn er Akkordeon meint? Auch Quetschkommode ist ein gern verwendetes Synonym für dieses außergewöhnlich vielseitige Musikinstrument. „Blasebalg der Hölle“ oder „Asthmatischer Wurm“ sind seltener gebräuchlich, machen das Instrument aber fast noch interessanter. Wer mal wieder was mit seinen Freunden unternehmen will, der kann doch mit ihnen auf die Piste gehen und sagen: „Kommt, jetzt gehen wir zum asthmatischen Wurm.“

Toni Mahoni. Achtziger-Kult-Nacht. „HouseMusic“-Party mit international erfolgreichen DJs, Kino-Abende. Party-Nächte. – Was teuer bezahlte Marketingstrategen in Diensten von Städten und Gemeinden nicht auf die Reihe kriegen, macht die Sumpfblume seit 30 Jahren. Natürlich auch mit Zuschüssen. Aber ist das bei städtischen Veranstaltungen anders? Keiner werfe den ersten Stein.Samstag, 3. April, 22 Uhr: Ü-30 Party – für alle, die die Sumpfe aus ihren Anfängen kennen…Sonntag, 4. April, 22 Uhr:Vibration Party 10 – für alle, die auf Drum’n’Bass, UK Garage, Old Skool, Elektro, Minimal & House stehen; eine der legendärsten Partyreihen im Hamelner RaumFreitag, 9. April, 20.30 Uhr: Van Canto – seit 2006 fegt die Band wie frischer Wind durch die Szene, indem sie a capella mit Begleitung eines Schlagzeugers spielt.Samstag,10. April, 22 Uhr: Alternative Challenge mit Indie, Pop & AlternativeSonntag, 11. April, 12 Uhr: Flohmarkt auf der Weserpromenade, organisiert von der SumpfeMittwoch, 14. April, 20 Uhr: Toni Mahoni und Band – ein feinsinniger, feuilletonistischer Kommentar zum Zeitgeschehen irgendwo zwischen Tom Waits und Helge Schneider; eine einmalige Mischung aus musikalischem Genie und seltener MenschenkenntnisFreitag, 16. April, 20.30 Uhr: Akkordeonale 2010 – der Blasebalg bläst sich ganz schön auf…; fünf Musiker spielenSamstag, 17. April, 22 Uhr: 80er Kult NachtFreitag, 23. April, 20.30 Uhr: Hameln Rockt! Vol. 11 – Konzert mit Mal mit Talkin’ Wire (Record Release Party), Burdocks und anschließender PartySamstag,24. April, 22 Uhr: I Love HouseMusic-PartyFreitag, 30. April, 20.30 Uhr: Pro Pain, Absolute Power Tour 2010

Johanna Juhola quetscht die Kommode: Die Akkordeonale 2010 ist nicht nur ein Höhepunkt im Sumpfe-Kalender April, sondern im Jahreskalender des Kulturzentrums. Auch gut: Toni Mahoni (rechts). Er spielt Musik, irgendwo zwischen Tom Waits und Helge Schneider. Bild rechts unten: Van Canto macht Metal-Musik nur mit Stimmen und Schlagzeug. Ungewöhnlich – und ungewöhnlich gut.




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