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Volksbanken unterstützen Ernährungsaktion der Landfrauen

Mit Blaubär gegen dicke Kinder

Bückeburg (rc). Für viele Kinder ist es das erste Mal, dass sie etwas über Essen, Kochen, gesunde Lebensmittel und gesunde Ernährung erfahren. Für einige Kinder ist es das einzige Mal in der Woche, dass sie eine warme Mahlzeit erhalten oder aber das Frühstück. Diese Erfahrung haben die 23 Landfrauen gemacht, die sich in dem Projekt "Kochen mit Kindern" des Kreisverbands Schaum burg der Landfrauen engagieren. Seit vier Jahren gibt es dieses Projekt, 46 Mal waren die Frauen an diversen Grundschulen im Landkreis im Einsatz. Dritte und vierte Klassen sind die Zielgruppe.

Elisabeth Brunkhorst (v.l.) mit Rosemarie Schweer, Joachim Schor

Jetzt erfuhr das Projekt eine weitere finanzielle Unterstützung. 7000 Euro übergaben Jutta Bergmann von der VR-Stiftung der Volksbanken, Juliane Djouimai von der Volksbank Hameln-Stadthagen und Joachim Schorling von der Volksbank in Schaumburg an die Vorsitzende des Landfrauen-Kreisverbandes, Rosemarie Schweer, und Projektleiterin Elisabeth Brunkhorst."Das Projekt hat grundsätzliche Bedeutung", stellte Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier fest, nachdem ihn die Landfrauen eingehend informiert hatten. Und die Frauen hatten einiges Erschreckendes zu erzählen. Das Wissen um Kochen, Lebensmittel und gesunde Ernährung sei in vielen Familien verloren gegangen. Mütter und Väter könnten ihren Kindern nicht vermitteln, wie gekocht wird - weil sie selber nicht kochen können. Fast-Food und Tiefkühlkost auf dem Teller statt frischem Gemüse und Kartoffeln seien die Konsequenz. Und dicke Kinder, die zudem zu wenig Bewegung haben, eine weitere. Und so beschreiten die Landfrauen den umgekehrten Weg. Die Kinder erfahren an einem Tag in vier bis fünf Unterrichtsstunden alles Wissenswerte über das Kochen: angefangen bei einem bisschen Theorie, Fingerwaschen - wegen der Hygiene! -, schnippeln, schneiden, schälen oder kochen. Die Kinder sind mit Begeisterung dabei, naschen und schmecken. "Das ist schon ein unwahrscheinliches Gewusel, wenn man mit 25 Kindern kocht", gab eine Landfrau - begeistert lachend - zu. Dann wird gemeinsam gegessen - und Geschmack genossen: "Oft ist es mucksmäuschenstill dabei." Und dann geht es ans Abräumen und Abwaschen. Auch das will gelernt sein. Denn: "Viele Kinder erfahren zuhause nicht, dass auch das zum Kochen und Essen gehört." Wert legen die Landfrauen auch darauf, dass den Kindern vermittelt wird, woher die Lebensmittel kommen und zu welcher Jahreszeit sie wachsen. "Wenn sie aus der Region kommen, hilft das den Landwirten der Region und nutzt der Umwelt, wenn die Lebensmittel nicht erst durch halb Europa gekarrt worden sind." Was gekocht wird, haben die Landfrauen in zwei kleinen Rezeptheftchen zusammengefasst. Rezepte heißen dort "Käpt'n Blaubärs Milch mix", "Baron Münchhausens Kanonenkugeln" oder Kullerkäsesuppe. Die Heftchen werden jedem Kind mitgegeben. "Vielleicht schaffen sie es so mit ihrer Begeisterung, die Eltern zum Kochen zu bringen." "Es ist schon vieles verloren gegangen. Wir Landfrauen sind gefragt weiterzugeben, was wir an Wissen haben", schilderte Rosemarie Schweer die Beweggründe. Vorher über Lebensmittel und Ernährung aufzuklären, sei wesentlich günstiger, als "wenn das Kind erst in den Brunnen gefallen ist". Übrigens: Die Erfahrungen der Landfrauen auch aus anderen Regionen hat der Niedersächsische Landfrauenverband in einen Antrag an den Niedersächsischen Landtag münden lassen. Dort wird gefordert, wieder das Unterrichtsfach Hauswirtschaft an Niedersachsens Schulen einzuführen.

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