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Krankenhäuser-Geschäftsbericht 2011: „Wirtschaftliche Sanierung nicht erfolgreich fortgesetzt“

Minus steigt um fast zwei Millionen Euro

Landkreis (ab). Die Krankenhäuser Stadthagen und Rinteln hängen unverändert im Defizit fest. Die vertraulichen Zahlen für das Geschäftsjahr 2011, die dieser Zeitung vorliegen, belegen: In Stadthagen hat sich das Defizit gegenüber dem Vorjahr erhöht, in Rinteln stagniert es auf besorgniserregendem Niveau. Das schlechte Ergebnis für 2011 erschwert die Planung des Gesamtklinikums Schaumburger Land, das 2015 in Vehlen eröffnet werden soll. Politischer Wille ist eigentlich, dass die Defizite in Stadthagen und Rinteln schrumpfen, um dem Gesamtklinikum einen unbelasteten Start zu sichern.

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Die Krankenhausprojektgesellschaft Schaumburg (KPG) hat zwei Aufgaben: Sie soll den Neubau des Gesamtklinikums planen, und sie soll bis zur Eröffnung die Alt-Standorte Stadthagen, Rinteln (Landkreis) und Bückeburg-Bethel (Diakonie) aus den roten Zahlen holen. KPG-Teilhaber sind „proDiako“ (52 Prozent), Stiftung Krankenhaus Bethel (24 Prozent) und Landkreis Schaumburg (24 Prozent), die später auch das Gesamtklinikum Schaumburger Land betreiben wollen.

Geschäftsführer der Krankenhausprojektgesellschaft ist seit dem 15. März 2012 der erfahrene Gesundheitsmanager Ralph Freiherr von Follenius. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, einen „Lagebericht“ für das Geschäftsjahr 2011 zu erstellen. Geschäftsführer von Follenius findet darin deutliche Worte für das Ergebnis, das Stadthagen und Rinteln hinlegen. Das mag ihm deswegen nicht so schwer gefallen sein, weil er am Zustandekommen dieser Zahlen noch nicht beteiligt war.

Einer der wichtigsten Sätze des Lageberichts findet sich auf Blatt 3: „Im Berichtszeitraum konnte die wirtschaftliche Sanierung“ der Krankenhäuser Stadthagen und Rinteln „nicht erfolgreich fortgesetzt werden.“ Auf Blatt 4 folgt: „Die Belegungs- und Leistungsentwicklung ist im Klinikum Schaumburg als nicht zufriedenstellend zu bezeichnen.“ (Mit „Klinikum Schaumburg“ sind die kreiseigenen Krankenhäuser Stadthagen und Rinteln gemeint, die inzwischen als „Eigenbetrieb“ firmieren.) Das Krankenhaus Stadthagen weist für das Geschäftsjahr 2011 ein Minus in Höhe von 1,9 Millionen Euro aus, in Rinteln sind es 4,0 Millionen Euro. Die Gesamtsumme – 5,9 Millionen Euro – ist um 1,2 Millionen Euro „röter“ als im Vorjahr (2010), obwohl die Krankenhausprojektgesellschaft die Zahl doch „schwärzen“ sollte. Wer mit sehr spitzem Bleistift in dem 2011er Geschäftsbericht herumfuhrwerkt, gelangt sogar zu dem Erkenntnis, dass selbst die schlechten Zahlen geschönt sind.

Hintergrund: Das Klinikum Schaumburg hat im Geschäftsjahr 2011 eine Rückstellung in Höhe von 1,3 Millionen Euro aufgelöst. Sie war gebildet worden, um Zahlungen an Krankenkassen abzufedern, die dann aber doch nicht fällig wurden. Dies ist ein Einmal-Effekt, der der Krankenhausprojektgesellschaft ab dem Geschäftsjahr 2012 nicht mehr zur Verfügung steht.

Auch wenn das Defizit des Klinikums Schaumburg 2011 wieder auf 5,9 Millionen Euro angestiegen ist, gehört zur Wahrheit, dass die Krankenhausprojektgesellschaft in den Jahren 2009 und 2010 beim Defizitsenken durchaus erfolgreich gewesen war. Schließlich hatte das Minus im Jahr 2008 noch bei 7,3 Millionen Euro gelegen.

Hohe Krankenhaus-Defizite belasten den Kreishaushalt seit Jahrzehnten. Beispiel Krankenhaus Stadthagen: Für die Jahre 1990 bis 2010 türmt sich nach Angaben des Landkreises ein Defizit in Höhe von 13,1 Millionen Euro auf. Beispiel Krankenhaus Rinteln: Hier sind es schwindelerregende 37,2 Millionen Euro. Diese dicken Defizite, die der Kreispolitik jeden finanziellen Spielraum nehmen, waren der Grund dafür, dass der Kreistag im Dezember 2008 beschlossen hat: „proDiako“ baut ein Gesamtklinikum, das die Krankenhäuser in Stadthagen, Rinteln und Bückeburg ersetzt.

Ralph Freiherr von Follenius, Geschäftsführer der Krankenhausprojektgesellschaft, sucht in seinem Lagebericht nach Gründen für den unguten Trend des Jahres 2011. „Die Nachfrage nach Leistungen des Klinikums Schaumburg entwickelte sich insgesamt rückläufig“, notiert der KPG-Mann. Es sei nicht gelungen, die Leistungen in Stadthagen und Rinteln auszubauen.

Als Beispiel nennt von Follenius die Geriatrie, deren Angebote eigentlich auf Rinteln konzentriert werden sollten. „Eine Übertragung (dieses Konzepts, Anm. d. Red.) auf die übrigen Standorte konnte nicht realisiert werden“, schreibt Ralph von Follenius. Das ist eine wohltönende Umschreibung des Umstands, dass sich die „übrigen Standorte“ dagegen sperren, Patienten ins malade Rinteln abzugeben. So kann das Geriatrie-Ergebnis für Rinteln nur mau ausfallen. Geschäftsführer von Follenius schreibt, dass sich „die Nachfrage dieser Leistung deutlich unter der Erwartung“ entwickelt hat.

Das Krankenhaus Rinteln leidet seit Jahren unter strukturellen Schwächen. Nahebei greift private Konkurrenz Patienten ab, außerdem sorgt hohe Fluktuation im Ärzte-Team für Unruhe. Von Follenius muss deswegen in seinem Lagebericht feststellen, dass der „Negativtrend nicht aufgehalten werden“ konnte, weil die Rintelner „Fallzahlen weiter sehr rückläufig“ sind.

Eine der Ursachen für das schwache 2011er Ergebnis des Klinikums Schaumburg ist nicht von der Geschäftsführung zu verantworten – und in der Rückschau besonders traurig. Christian Hegelmaier, der allseits geschätzte Chef der Chirurgie, konnte wegen einer schweren Krankheit zwischen Mai und November 2011 nicht arbeiten; inzwischen ist er dieser Krankheit erlegen. Sein Tod ist in erster Linie ein großer menschlicher Verlust für die Krankenhausmitarbeiter.

Aber im heutigen Gesundheitswesen lässt sich die Krankheit des ausgezeichneten Chirurgen Hegelmaier auch wirtschaftlich darstellen; sein Ausfall dürfte die Einnahmen des Krankenhauses Stadthagen 2011 um mindestens eine Million Euro gemindert haben.



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