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Minnie ist gestorben

Schacht-Wiemer

Autor:

Elisabeth

Eines Morgens liegt sie tot in ihrem Käfig, unsere Meerschweinchendame. Sie ist alt geworden für ein Meerschweinchen, sechs oder sieben Jahre. Als kleines Tier kam sie zu uns, braunweiß gescheckt, und seitdem lebt sie mit einem Artgenossen auf unserem großen Flur. Ich muss daran denken, wie unsere Kinder sie sich ausgesucht haben. Sie war Gefährtin für zahlreiche Unternehmungen, wurde im Puppenwagen ausgefahren; Picknicks auf der Wiese wurden mit ihr veranstaltet. Und sicher wurde manch ein trostsuchendes Wort in ihr kleines Ohr geflüstert, war sie ein wärmespendendes Wesen in trüben Stunden. Manches, was andere nicht wissen sollten, wurde ihr anvertraut. Und ihr weiches Fell schaffte eine Nähe, die manchmal gebraucht wurde. Nun ist sie gestorben und eine Leere entsteht. Die Endgültigkeit des Todes trifft die Kinder. Besonders unsere Tochter trauert. Und so legen wir Minnie in einen Schuhkarton und begraben sie im Garten. Dort, wo schon zwei Artgenossen begraben sind, und unsere zwei Katzen, aber auch manch ein namenloses Wesen, das wir tot im Garten gefunden haben. Als wir Minnie beerdigen, legt unsere Tochter noch einen letzten Löwenzahn auf den Karton, dann werfen wir Erde drauf und sprechen ein Gebet. Ich glaube, in so einer Situation gibt es keinen Trost. Trauern und Weinen sind wichtig. Jeder tut das auf seine Art, eher für sich oder er vertraut sich einem anderen Menschen an. Nähe anzubieten ist wichtig: Ich lege dir die Hand auf die Schulter, streichele dir den Rücken. Ich nehme dich wahr, ahne, was in dir vorgeht. Wir führen Gespräche, über das, was wir mit Minnie erlebt haben. Und versuchen, das Vertrauen darauf zu vermitteln, dass Gott alle Geschöpfe liebt und sie festhält. An Kindern bewundere ich ihre Fähigkeit zu echtem Mitgefühl. Es ist Mitgefühl auch oder vielleicht gerade zu unseren kleinen Mitgeschöpfen. Ich halte es für unsere größte und beste menschliche Eigenschaft. Unsere Tochter achtet auch auf kleinste Wesen. "Achtung, da ist ein Regenwurm. Nicht drauftreten!" Es werden Käfer gerettet, die mitten auf der Straße sitzen. Und manch eine Spinne darf in unserer Wohnung überwintern. "Wer im Geringsten treu ist, ist auch im Großen treu," sagt Jesus. Elisabeth ist Pastorin der Kirchengemeinde Exten-Hohenrode.




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