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Die Stadt arbeitet ihr Konzept ab – und die Kosten steigen und steigen

Millionenprojekt Brandschutz

Bad Münder. Die Liste der Brandschutzmängel an öffentlichen Gebäuden der Stadt wird länger und länger. Rund 1,43 Millionen Euro, so die aktuelle Einschätzung der Stadt, muss Bad Münder zur Erfüllung der Auflagen der Bauaufsicht des Landkreises bereitstellen, Erhöhungen nicht ausgeschlossen. Eine Summe, die jetzt im Bauausschuss für fassungsloses Kopfschütteln sorgte.

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Dass nach Bekanntwerden der ersten Beanstandungen Ende 2013 weitere Arbeiten erforderlich sein würden, war Politik und Verwaltung recht früh klar – das Ausmaß allerdings überraschte selbst die Baufachleute: Kaum ein öffentliches Gebäude, das nicht betroffen ist, an dem nicht nachgebessert werden muss. Als die ersten Mängellisten publik wurden, ging die Verwaltung in die Offensive und entwickelte ein Konzept. Vertreter der Verwaltung, der Bauaufsicht und ein externer Bandschutzsachverständiger starteten gemeinsame Begehungen. Kosten in Höhe von rund 800 000 Euro Kosten waren im Mai 2014 nach den ersten Begutachtungen noch erwartet worden, zwischenzeitlich ist die Summe weiter angestiegen. Dass der Endstand noch nicht erreicht ist, ließen Vertreter der Verwaltung bei der Vorstellung des jüngsten Maßnahmenkataloges bereits durchblitzen: Die ersten Inaugenscheinnahmen zur Kostenermittlung fanden ohne die Bauaufsicht statt – erfahrungsgemäß fallen sie nach einem Rundgang der Brandschutzbeauftragten des Landkreises nicht geringer aus. 200 000 Euro hat die Verwaltung zunächst einmal für den Hauptsitz Steinhof eingeplant, 255 000 für den Verwaltungssitz Obertorstraße 1 und 3. Sowohl Steinhof als auch Rathaus unterliegen dem Denkmalschutz, Brandschutzauflagen und denkmalpflegerische Vorgaben müssen abgestimmt werden. Im Gegensatz zu den Grundschulen befindet sich die Auseinandersetzung mit Brandschutzaspekten in diesen Objekten aber noch in einer vergleichsweise frühen Phase.

Zentrale Punkte der Präsentation waren die Planungen für die Grundschulen Eimbeckhausen und Bakede. Arbeiten fallen in beiden Einrichtungen nicht zu knapp an: Um in Eimbeckhausen zusätzliche Fluchtwege im Kellergeschoss zu schaffen, muss außen Boden abgetragen werden, anschließend steht die Installation von Leitern an. Für das Gros der Besucher der Schule wird aber eine andere Maßnahme sehr viel deutlicher für das Thema Brandschutz stehen: Bislang führt der erste Fluchtweg aus den Klassenräumen im leicht erhöhten Erdgeschoss über die Aula ins Freie. Dieser Fluchtweg kann nur beibehalten werden, wenn die Klassenräume durch eine neu einzuziehende Leichtbauwand und Rauchschutztüren von der Aula abgetrennt werden. „Die Alternative wäre das komplette Freihalten der Aula von allem Brennbaren. Dann müsste alles raus – die Bühne, Stühle, Bilder“, erklärt Dirk Hitzemann, Fachdienstleiter der Stadtverwaltung. Zusätzliche Rauchschutztüren, Ersatz für die derzeit verbauten doppelflügligen Brandschutztüren, weitere Brandschutzwände werden notwendig.

Ein Rand-Problem, das derzeit in vielen Grundschulen bewegt wird: der Spagat zwischen den Vorgaben verschiedener Behörden. Hitzemann erläuterte ihn am Beispiel der Garderobe der Schüler. „Bis vor einem Jahr hat das Gesundheitsamt nicht zugelassen, Jacken der Kinder in den Klassenräumen unterzubringen. Der Brandschutz hat allerdings gefordert: Die Jacken dürfen nicht mehr auf dem Flur hängen. Derzeit lässt das Gesundheitsamt Jacken in Klassenzimmern wieder zu“, erläuterte Hitzemann. Eine Stahlschrank-Lösung, wie sie im Landkreis Schaumburg praktiziert werde, werde vom Landkreis Hameln-Pyrmont derzeit nicht zugelassen.

225 000 Euro veranschlagt die Verwaltung derzeit für die Ertüchtigung der Grundschule Eimbeckhausen, mit 153 000 Euro schlagen die Maßnahmen an der Grundschule Bakede zu Buche. Hinzu kommen weitere Arbeiten an Kindergärten – einige sind bereits festgezurrt, andere werden noch mit der Bauaufsicht beraten. Und nicht immer ist die Verwaltung dabei vor unliebsamen Überraschungen gefeit: An der Kita Arche Noah wurde aus einer Maßnahme für erwartete Kosten in Höhe von 6000 Euro ein 30 000-Euro-Projekt, weil kleine, an die Gruppenräumen angrenzende Räume alle eine Tür nach außen erhalten müssen. An der Grundschule Flegessen standen nach Abschluss der Arbeiten weitere Maßnahmen an. Warum? „Die Bauaufsicht hat bei der Prüfung des Bauantrages ihr Recht auf weitergehende Forderungen in Anspruch genommen“, erklärte Hitzemann nüchtern.

„Erschreckt“ reagierte Uwe Nötzel für die SPD auf die Vorstellung, dankte wie Thomas Konior für die CDU für die bisherige Arbeit der Verwaltung. Angesichts der Dimension der Forderungen, die zusätzlich zu den ohnehin großen Aufgaben der Stadt gestemmt werden müssten, sei die Erfüllung der Brandschutzauflagen „eine ziemlich harte Nummer.“

„Was jahrzehntelang in Ordnung war, ist es jetzt nicht mehr. Ich halte die Forderungen nach wie vor für vollkommen überzogen und überbewertet und komme damit nicht gut klar“, räumte Ingo Nagel (CDU) ein. Er habe es akzeptiert, „schließlich kommt man nicht dagegen an.“jhr



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