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Ausflugstipp: das Bergbau-Museum Hof Gümmer in Lindhorst / Sonderausstellung „Bergbau auf Briefmarken“

Milliarden-Mark-Gutscheine für die Arbeit der Bergleute

Lindhorst. Schwarz auf rosa Papier ist zu lesen: „Aktie über Eintausend Mark — Der Inhaber dieser Aktie ist mit einem Betrage von Eintausend Mark Deutscher Reichswährung bei unserer Gesellschaft als Aktionär beteiligt.“ Das Wertpapier des Steinkohlenbergwerks Rehburg-Stadt Aktiengesellschaft, gezeichnet im Dezember 1922 in Berlin, war im Jahr darauf nicht einmal die Druckerschwärze wert. Nach Wirtschaftskrise und Inflation ging es um ganz andere Summen. Am 26. Oktober 1923 gab das Gesamtbergamt Obernkirchen eine Kassenanweisung über „Zwanzig Milliarden Mark“ heraus — und zwar an einen einzigen Bergmann.

Autor:

Karlheinz Poll

Aktie und Milliarden-Gutschein sind Exponate einer Sonderausstellung, die derzeit im Bergbau-Museum Hof Gümmer in Lindhorst gezeigt wird. Museumsleiter Gunter Ludewig ist bekannt dafür, das von ihm betreute Museum auf Dauer interessant zu halten. Regelmäßige Sonderausstellungen locken Besucher an, die schon ein- oder mehrmals im Hof Gümmer vorbeigeschaut haben. Zurzeit präsentiert Ludwig eine persönliche Sammlung, die sich mit Bergbau in Verbindung mit Briefmarken, Aktien, Notgeld und Ansichtskarten befasst. Auf mehreren Schautafeln, die von den Briefmarkenfreunden in Rodenberg und Umgebung zur Verfügung gestellt wurden, werden — zumindest für Philatelisten — wahre Kostbarkeiten gezeigt: Briefe, Postkarten und Briefmarkenserien.

Im Oktober 1957 gab die Deutsche Bundespost zugunsten der freien Wohlfahrtspflege einen Satz von vier Sonderbriefmarken mit Zuschlag heraus. Unter dem Titel „Helfer der Menschheit“ sind Motive zu sehen, die Bergleute bei der Arbeit zeigen: jeweils ein Bergmann mit Grubenlampe (7 + 3 Pfennig), mit Presslufthammer (10 + 5 Pfennig), mit Kohlenhobel (20 + 10 Pfennig) und als sogenannter Anschläger am Förderschacht (40 + 10 Pfennig). Die Serie wurde im Jahr 1957 auch vom neuen Bundesland Saarland herausgegeben.

Farbige Ansichtskarten zeigen Bergwerke im Schaumburger Raum und Umgebung. Auf einer Luftaufnahme aus dem Jahre 1973 ist das noch in Betrieb befindliche Kalibergwerk Sigmundshall in Bokeloh zu sehen. Links ist der im Volksmund bezeichnete „Kalimandcharo“ zu erkennen. Die Abraumhalde, der „Weiße Berg“, ist heute bedeutend höher. Im Hintergrund der Postkarte liegt das Steinhuder Meer mit dem Wilhelmstein. Auf einer weiteren Postkarte, die aus fünf, zeichnerisch dargestellten Sehenswürdigkeiten aus Bantorf besteht und 1919 abgestempelt wurde, ist neben Gasthaus Schröder, Bahnhof, Schule und Kirche die Zeche „Antonie“ abgebildet. Auf einer handkolorierten Karte aus dem Jahre 1919 ist das Alkaliwerk Ronnenberg mit „Direktions-Wohnung“ gedruckt. Eine weitere Postkarten zeigt fossile Baumstümpfe, die beim Braunkohlenabbau zutage traten. Ein Brief, herausgegeben vom Club der Briefmarkenfreunde Barsinghausen, wurde anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Kohlebergwerks am Deister im Jahre 1957 aufgelegt.

4 Bilder
Ansichtskarte aus Bantorf mit der Zeche „Antonie“ (links unten) aus dem Jahre 1919.

Mehrere Exponate beschäftigen sich mit der Inflation 1923. Die wirtschaftliche Krise wird deutlich durch immer höhere Währungsbeträge, Kassenanweisungen, Gutscheine und Notgeld. Vom Kohlenbergwerk Meißen bei Minden werden im Oktober 1923 gezeichnete Gutscheine über 10, 20 und 50 Milliarden Mark ausgestellt. Ein Gutschein der Staatlichen Gemeinschafts-Berginspektion am Rammelsberge, Goslar trägt die Summe Fünfhundert Mark. Dass das Geld von der „Werkskasse dem Vorzeiger dieses Gutscheines innerhalb der nächsten vier Wochen“ tatsächlich ausgehändigt worden ist, beweist der nachträgliche Stempelaufdruck „Gezahlt“. Ein Gutschein weist sogar den unvorstellbar hohen Betrag von einer Billion Mark auf. Bei der damaligen hohen Inflationsrate wird das Geld am nächsten Tag nicht mehr viel wert gewesen sein. Zum Teil farbenprächtige Notgeldscheine mit Bergbaumotiven wurden von den Städten Freiberg in Sachsen und Herne/Ruhrgebiet und von der Gemeinde Hohndorf bei Chemnitz gedruckt. Ein besonders farbig angelegter 50-Pfennig-Schein zeigt die Zechenanlage von Sigmundshall in Bokeloh. Die Sonderausstellung ist während der Museumszeiten anzuschauen. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Spende ist willkommen.

Das Bergbau-Museum in Lindhorst gehört zu den ältesten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Mit dem Museum soll der schwere Beruf der Bergleute in Erinnerung bleiben. Bekanntlich ist gerade im Schaumburger Land viel Bergbau betrieben worden, in den Schachtanlagen Georgschacht in Stadthagen, in Beckedorf, Auhagen und Lüdersfeld, in den Stollen Düdinghausen und in Obernkirchen, wo das Bergamt ansässig war und es eine Brikettfabrik gab. Das vorher landwirtschaftlich geprägte Lindhorst wurde von Bergleuten besiedelt. Wohnten 1939 noch 1000 Menschen im Dorf, so verdoppelte sich die Zahl im Jahre 1950. Im Herbst 1958 waren knapp 3000 Menschen im Bergbau in der Region beschäftigt. Zwei Jahre später wurden die Schachtanlagen dichtgemacht. Lindhorst bot sich als Sitz des Kultur- und Fördervereins Schaumburg-Bergbau geradezu an. In den neunziger Jahren eröffnete der Verein die Bergbau-Museums-Stube in Vornhagen; vor einigen Jahren wurde der Hof Gümmer das neue, deutlich vergrößerte Domizil des Bergbau-Museums. Gunter Ludewig zeigt seine Exponate auf vier Ebenen auf einer Fläche von rund 120 Quadratmetern. Auf großes Interesse der Besucher stößt der Stollennachbau, in dem neben lebensgroßen Figuren bergmännisches Gezäh, sprich Werkzeug, im Original zu sehen ist, darunter eine mit Pressluft betriebene Bohrmaschine, ein Grubenwagen sowie etliche Grubenlampen. Etwas Besonderes für das kleine Museum ist der Teil einer Original-Waschkaue. Das Museum ist vollgestopft von Gebrauchsgegenständen aus dem Bergbau. Gunter Ludewig, der selbst als Bergmann tätig war, geht auf in der Aufgabe, den Besuchern den Beruf des Kohlehauers zu erläutern. Er führt gern selbst durch das Museum, das er Stück für Stück zusammengetragen hat.

Nach dem Besuch des Museums bietet sich ein Aufenthalt im angeschlossenen Café „Zum Pferdestall“ an. In den oberen Museumsräumen werden regelmäßig Sonderausstellungen durchgeführt. Für die Zeit nach der derzeitigen Sonderschau „Bergbau auf Briefmarken“ ist eine weitere Ausstellung bereits in Planung. Die soll sich mit den „Schmieden in Lindhorst“ befassen. Für die Schau sucht Ludewig noch Exponate.

Wer irgendwelche Gegenstände aus Schmieden besitzt und sie zumindest leihweise zur Verfügung stellen möchte, sollte sich beim Museumsleiter unter Tel. 05725/5243 melden. Im Internet ist das Museum unter www.bergbau-museums-stube.de zu erreichen.




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