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Wasserhähne in Schule aufgedreht

Mildes Urteil für jugendlichen Unheilstifter

Stadthagen (menz). Von Zerstörungswut schwer betroffen gewesen ist im vergangenen Oktober das Gebäude der ehemalige Orientierungsstufe in Stadthagen. Nach einem Einbruch freitagabends strömte tagelang Wasser aus den geöffneten Hähnen und verursachte einen Schaden in Höhe von 230 000 Euro. Das Amtsgericht Stadthagen hat jetzt bekannt gegeben, dass das Jugendschöffengericht einen 17-Jährigen als Verursacher verurteilt hat. Eine bereits früher verhängte zweijährige Jugendstrafe wurde um sechs Monate aufgestockt.

Als "relativ moderat" stufte die Vorsitzende Richterin Amtsgerichtsdirektorin Gudrun van Lessen das Urteil ein. Das Strafmaß berücksichtige das ausgesprochen positive Verhalten des jungen Mannes in der Strafhaft. Vor diesem Hintergrund war es nur ein kleiner Schönheitsfehler, dass der Stadthäger den Vorwurf bestritten hatte. Gudrun van Lessen sah das im Zusammenhang mit dem immens hohen Schaden und eventuellen Schadensersatzforderungen. Auch ohne Geständnis waren die Richter überzeugt, dass der damals 16-Jährige die Hähne aufgedreht hatte. Kurz nach der Entdeckung des Schadens, gleich bei der ersten Vernehmung durch die Polizei, hat sich der junge Mann um Kopf und Kragen geredet. Er habe in dem Gespräch Details angesprochen, die zu dem Zeitpunkt nur der Täter wissen konnte, resümierte die Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes die Urteilsbegründung. Der Jugendliche ist der Einzige, der wegen des Wasserschadens zur Verantwortung gezogen wurde. Ein möglicher Mittäter wurde bereits abgeschoben. Nicht nur im Gebäude der OS haben sich junge Leute in der fraglichen Nacht ausgetobt, eine Spur der Verwüstung zog sich durch die ganze Stadthäger Innenstadt. Nach Trinkgelagen waren Grüppchen meist jugendlicher Randalierer in wechselnden Zusammensetzungen unterwegs gewesen. Von Vandalismus betroffen war auch die Grundschule Am Stadtturm. Dort war der 17-Jährige an einer Brandstiftung beteiligt und ist dafür bereits im März verurteilt worden. Das war dann die siebte Vorstrafe wegen Delikten "quer durch das Strafgesetzbuch", wie die Vorsitzende Richterin im Gespräch kommentierte. Der türkische Junge kommt aus schwierigen Verhältnissen mit einer kranken, auch psychisch desolaten Mutter und einem häufig abwesenden Vater. Die Eltern seien "nie in der Lage gewesen, die Jungs in den Griff zu kriegen", schilderte van Lessen. Auch das Engagement des Jugendamtes seit fast zehn Jahrensei "bisher nicht so erfolgreich", resümierte sie. Wie der 17-Jährige, sitzen auch seine beiden älteren Brüder in Haft. ",Sehr hoch" angerechnet werde dem Jugendlichen vor diesem Hintergrund das Verhalten im Strafvollzug. Erkennbar sei die "hohe Motivation zur Veränderung". Der 17-Jährige hat damit hohe Hürden überwunden und die Aufnahme in ein spezielles Anti-Gewaltprogramm erreicht. Die Teilnehmer von "Abschied von Hass und Gewalt" seien ",handverlesen", erläuterte Gudrun van Lessen den Stellenwert. Gefangene, die lediglich der Monotonie des Knastalltags entfliehen wollten, seien von vornherein ausgeschlossen.

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