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Für die Hamelner SPD-Fraktion ist an der Zügigkeit des Schulzentrums Nord nicht zu rütteln

„Milchmädchenrechnung“ des Oberbürgermeisters?

Hameln. „Wir als SPD sind in unserer Auffassung bestätigt, dass die Stufigkeit am Schulzentrum Nord nicht herabgesetzt werden kann“, sagt Schulausschussvorsitzender Kurt Meyer-Bergmann (SPD) nach einem Gespräch mit den Schulleitungen von IGS und Albert-Einstein-Gymnasium. Das Gremium war auf Einladung der Pädagogen zu einer nicht öffentlichen Sitzung zusammen gekommen, „um herauszufinden, welche Notwendigkeiten für das Schulzentrum Nord“ bestehen, wie Meyer-Bergmann erklärt. Das Treffen hinter verschlossenen Türen sollte als Vorbereitung der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtentwicklung sowie Kindertagesstätten. Schulen und Sport am morgigen Mittwoch um 18 Uhr in der Mensa des Schiller-Gymnasiums dienen, wie der Sozialdemokrat erläuterte. Über Inhalte wollte sich der Schulausschussvorsitzende eben so wenig äußern wie Oberstudiendirektor Wolfgang Weber als Leiter des Einstein-Gymnasiums. Beide verwiesen darauf, dass es sich um ein Hintergrundgespräch genadelt habe, über das Vertraulichkeit vereinbart worden sei.

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Autor:

Hans-Joachim Weiß und Frank Henke

Gudrun Kruppe, Leiterin der Integrierten Gesamtschule, macht jedoch im Dewezet-Gespräch deutlich, was sie von Kostenwarnung und Sparappell aus dem Rathaus hält: „Ich bin es langsam leid. Das wäre die vierte Planung für das Schulzentrum Nord in vier Jahren.“ Beim Raumprogramm hätten die Schulen bereits „recht viele Zugeständnisse gemacht“. Würde jetzt weiter gestrichen, „dann wären wir wieder bei Wanderklassen wie in den 1960er Jahren“, sagt Kruppe – und auf den eigenen Klassenraum wird in einer IGS besonderer Wert gelegt.

Auch von einer gemeinsamen Oberstufe für Gesamtschule und Gymnasium hält die IGS-Leiterin nichts: „Wir haben einen Antrag auf eine eigene Oberstufe gestellt.“ Bestandteile des IGS-Konzeptes – etwa Tischgruppen und Projektarbeit – sollten auch in der Oberstufe fortgeführt werden. Ein „Zusammenwachsen“ der Schulformen, von dem oft die Rede ist, fände andernorts statt, sagt Kruppe: im Ganztagsbereich, in der gemeinsam genutzten Sporthalle, der Schülerbücherei, in der Mensa.

„Wir werden uns am Mittwoch mit diversen Änderungsanträgen zum Schulzentrum Nord befassen müssen, um die Kuh vom Eis zu kriegen“, kündig Meyer-Bergmann jedoch an. Bei dem Vorschlag der Verwaltung, die Stufigkeit zu reduzieren, seien die unterschiedlichen Klassenteiler in Sekundarstufe I und Sekundarstufe II nicht berücksichtigt worden. „Während in der Sekundarstufe I bis zu 30 Kinder unterrichtet werden können, dürfen es in den Kursen der Sekundarstufe II nur 20 Kinder sein“, erläutert der Vorsitzende des Schulausschusses und rechnet vor: „Bei einer vierzügigen IGS wären das 120 Schüler. Wenn 50 Prozent davon in die Sekundarstufe II gehen sollen, sind das 60 Schüler. Und dann das AEG dazu mit drei Zügen, was 90 Schüler bedeute. Bei einem Schwund von zehn Prozent, den Schulleiter Weber glaubhaft vermitteln konnte, bedeutet das: 80 plus 60 gleich 140 und damit sieben Züge.“ Deshalb lasse sich die Zügigkeit am Schulzentrum Nord nicht reduzieren, bekräftigt Meyer-Bergmann und spricht von einer Milchmädchenrechnung, die Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) bei seinem Vorschlag auf Reduzierung der Zügigkeit zwecks Kostensenkung aufgemacht habe.

„… dann muss

Schwarz-Grün das auch verantworten“

„Es geht nicht darum, nicht zu sparen. Nur die Zügigkeit ist unantastbar“, meint Meyer-Bergmann. Schließlich habe sich die Politik entschieden, bei der Wahl der Schulform den Elternwillen oben an zu stellen. „Bei einer Reduzierung der Zügigkeit ist das nicht mehr haltbar“, sagt der Sozialdemokrat und fügt hinzu: „Sollte sich die schwarz-grüne Mehrheitsgruppe anders entscheiden, muss sie das auch verantworten.“

Für den SPD-Politiker ist das Schulzentrum zu einem hochsensiblen Thema geworden, zumal eine Investition in die Bildung erklärtes Ziel des Rates sei. Mit großem Interesse sieht Meyer-Bergmann – unter Verweis auf das Hintergrundgespräch mit den Schulleitungen – der gemeinsamen Ausschusssitzung entgegen: „Ich bin gespannt, ob sich die Mehrheitsgruppe von ihrer bisherigen Meinung verabschieden wird.“

Ob das passieren wird, ist offen. „Wir gehen vorsichtig damit um, denn es geht um eine verbindliche Regelung und mögliche Einschnitte,“ sagt Walter Kinast, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Schwarz-Grün ginge es jetzt darum, eine Kostenaufstellung zu bekommen, um zu erfahren, was eine Verringerung der Zügigkeit für finanzielle Auswirkungen hat. Deshalb werde die Gruppe morgen einen entsprechenden Antrag einbringen. „Und dann muss das Ganze auch pädagogisch betrachtet werden“, betont Kinast und ergänzt: „Wir wollen die Zahlen schwarz auf weiß auf dem Tisch haben, denn erst dann können wir wissend entscheiden.“



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