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Frühstück bei Stefanie: Radio-Comedy wird Kultserie

„Milch und Zucker nehmt ihr selber, ne?!“

Ein kleines, wenig feines Steh-Bistro hält den ganzen Norden auf Trab. Mit „Frühstück bei Stefanie“ haben die beiden Autoren Andreas Altenburg und Harald Wehmeier ein tolles Refugium für die echten Helden des Alltags geschaffen. Da ist die gescheiterte Existenz Udo, der Besserwisser Herr Ahlers, der alte Sack Opa Gehrke und die bezaubernd blonde Steffi. Dass der Hype um diese Comicserie im Hörfunk von NDR2 so groß ist, liegt wohl daran, dass Steffis Bistro ganz nah dran ist an der Realität. Darauf ’n Mettbrötchen.

Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Weserbergland / Waterkant. Positives Teilchen mit sechs Buchstaben?

Wenn Opa Gehrke die Steffi nicht hätte, dann wäre ihm die ganze Welt ein (Kreuzwort-)Rätsel. So aber knackt der alte Knacker, Jahrgang 1916, auch die härtesten Nüsse und daddelt jeden Tag aufs Neue in Steffis Bistro. Zwischen ihm und Zarah Leander sei übrigens nie was gelaufen, sagt er. Darauf ’n Mettbrötchen? „Nee, muss ich erst noch schmiern“, sagt Steffi. Na ja, eine kleine Wartezeit ist hier nicht weiter schlimm, denn die Steffi hat mit ihrem Steh-Bistro irgendwo in Norddeutschland ja schließlich ein Refugium für die wahren Helden des Alltags geschaffen, wo keine Langeweile aufkommt…

Da ist der oberlehrerhafte Frührentner Georg Ahlers („Ja, dat tut ja nix zur Sache“), der schwerhörig im Buchstabensalat suchende Opa Gehrke, der arbeitslose Lebenskünstler Udo, der noch bei seiner Mutter lebt („Das kannst haben.“) und, ja, und sie selbst, die Steffi, diese liebe, nette Seele, die für jeden ein offenes Ohr hat.

4 Bilder

Ach ja, und Rocky natürlich, die komisch-knurrige Mischung, die bei ihr, Steffi, auf’m Tresen sitzt. Schwein gehabt hat der Hund, denn immerhin hat die dralle Deern ihn vor acht Jahren aus dem Malaga-Urlaub mit nach Hause genommen. Da war er noch ganz abgemagert, heute ist der Rocky so kugelrund wie ein überdimensionierter Deichschafsköttel, dessen Fellfarbe auch stark daran erinnert.

Frühstück bei Stefanie. Da muss man erstmal drauf kommen. Die allseits viel zu fröhlich dudelnden Radiosender im Norden behaupten ja alle unabhängig voneinander, den besten Verkehrsservice mit dem allermeisten Musikprogramm und den spitzenmäßigsten Wetter über den Äther zu knistern und haben allesamt niemals recht damit, nein, sie gehen den meisten Hörern mit ihren mindestens viertelstündlich verkündeten Superlativen eigentlich nur derbe auf den Sack (pardon: das war jetzt frei nach Udos Schnauze interpretiert). Mit „Frühstück bei Stefanie“ kommt der Sender NDR2 seiner Idealvorstellung vom gesamten zuhörenden Norden aber schon recht nahe. Tatsächlich ist Steffi in Bussen und Bahnen auf dem Weg zur Arbeit, in Sitzungen und Konferenzen, an Hotelbars und Kneipentresen, in Schulen und Krankenhäusern, auf Wochenmärkten und weißgott noch wo in aller Munde. Die Autoren Andreas Altenburg und Harald Wehmeier haben zwar schon „Neues aus Stenkelfeld“, „Der NDR 2 Münte“ und „Detzer & Nelling“ erfolgreich am Trommelfell ihrer Hörerschaft positionieren Können, doch selten war der Hype um eine Comedy-Radiosendung so groß wie zurzeit. 7.17 Uhr, und der Tag ist dein Freund: Steffi brüht ’n Kaffe auf.

Woran das liegt, ist nur zu vermuten. Allein an der Tatsache, dass Steffi klassische Musik von Tina Turner mag (…), kann’s jedenfalls nicht liegen. Nein, in Steffis Bistro steckt mehr drin. Der Alltag, das skurrile Leben zwischen Latte Macchiato, Mettbrötchen und Mumpitz. Da ist Udo als gescheiterte Existenz, die gerne sauniert, um mal neue Dinge zu entdecken und den Realschulabschluss dank eines gelungenen Labskaus im Fach Hauswirtschaft gerade noch auf die Reihe gekriegt hat. Da ist Herr Ahlers mit unumstößlichen Stammtischparolen wie „Tiere klingen ja nach Land unterschiedlich. Der polnische Hahn kräht kukuryko und der englische cook-a-doodle-doodle-do“. Da sucht Opa Gehrke, Stehpinkler wie einst Heinz Rühmann (sagt er jedenfalls…), nach den Buchstaben, die für ihn die Welt bedeuten. Und da ist die liebe Steffi, die ihren Job als Umpackerin bei Spar als Karrieresprungbrett in die Selbstständigkeit genutzt hat. Respekt! Wäre die Welt so wie in ihrem Mikrokosmos, sie, die Welt, wäre kein bisschen besser, nur origineller. Was Udo dazu sagt? „Also, von dem her…“

Wohl vor allem dem Umstand, dass Altenburg und Wehmeier ihren Protagonisten keine Flachwitze in den Mund legen, sondern sie so palavern lassen, wie es in Wahrheit auch das Volk tut, ist es zu verdanken, dass die Comedy zur Kult-Comedy geworden ist. So war es nicht weiter verwunderlich, dass Opa Gehrkes Rätselspaß zum Wörterrätsel für Hunderttausende Hörer werden ließ und mittlerweile sogar Gaststars wie Til Schweiger und Sky Du Mont involviert wurden. Und es war ebenso wenig überraschend, dass schließlich das erste Doppelalbum „Frühstück bei Stefanie“ veröffentlicht wurde; logischerweise ein paar Wochen vor Weihnachten. Steffi is‘ ja nich’ doof…

Zurück zur Eingangsfrage. Opa Gehrke, auch unter dem Spitznamen „Franz, die Lunte“ bekannt, sucht ja immer noch nach sechs Buchstaben für ein positives Teilchen. Die richtige Antwort lautet: Bikini. Frohe Weihnachten allerseits.

Und ach ja: „Milch und Zucker nehmt ihr selber, ne?!“

Andreas Altenburg und Harald Wehmeier, die Väter und Sprecher von Steffi, Opa Gehrke, Udo und Herr Ahlers.Foto: NDR




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