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Job-Center: 900 000 Euro zur Verfügung

Mehr tun für psychisch kranke Arbeitslose

Landkreis (jl). "Wenn die Kunden integriert werden wollen, gibt es nichts, was unmöglich ist." Die Kunden, von denen Jörg Lüking vom Job-Center Schaumburg spricht, sind Menschen mit Behinderungen. Um diese in Arbeit zu bringen, steht Lüking und Kollegen ein kreisweites großes Netz zur Verfügung. An dessen Verfeinerung wird weiterhin gearbeitet. So möchte das Job-Center nach den Worten seines Geschäftsführers Michael Stemme künftig mehr für psychisch Kranke tun.

Das Job-Center betreut laut Stemme rund 10 000 erwerbsfähige Hilfsbedürftige, davon rund 17 Prozent mit gesundheitlichen Einschränkungen und etwa vier Prozent mit schweren Behinderungen. "Das beginnt beim kleinen Rückenfehler und reicht bis zum Rollstuhlfahrer", umriss Lüking den Personenkreis, für den er als Koordinator gemeinsam mit seinem Teamverantwortlich ist. Arbeitsbeschaffung für Menschen mit Behinderungen war Lükings Metier schon vor der Gründung des Job-Centers, damals unter dem Dach der Agentur für Arbeit. Deshalb hat das Job-Center nicht bei Null angefangen als es galt, Hartz-IV-Empfängern bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu helfen. Vor allem sei das "Netzwerk in Schaumburg sehr gut ausgebaut", lobte Stemme. Das heißt, es gibt eine Menge Hilfen, auf die das Job-Center jetzt zurückgreifen kann. Wichtige Partner sind das Integrationsamt (früher Versorgungsamt), das Reha-Team der Agentur für Arbeit, die "Integra" in Lüdersfeld, die "TIB-Consult" als Hausnachbar in Stadthagen, seit kurzem "unser Baby", so Lüking, ein Projekt der "Siga" mit 48 Plätzen - und ganz neu: Das Bruchhof-Projekt der Hof-Windheim gGmbH aus Probst hagen (wir berichteten). Diese Partner wählt das Job-Center je nach individueller Problemlage, um Kunden mit Behinderungen "an den Markt" zu bringen. Dabei geht es auf Grund der Handicaps der Kunden in der Regel nicht um Vollzeitstellen, sondern um ein paar Stunden Arbeit, die vor allem das Selbstwertgefühl der Arbeitslosen stärken. Um dieses aufzubauen, um einen Kunden mit Behinderungüberhaupt fit für Ausbildung oder Arbeit zu machen, arbeitet das Job-Center unter anderem sehr eng mit dem sozialpsychiatrischen Dienst des Kreisgesundheitsamtes sowie anderen Betreuungseinrichtungen zusammen. Wenn es sein müsse, so Lüking, geschehe dies in Einzelfällen Schritt für Schritt durch alle möglichen Hilfestellungen. Das eng geknüpfte Netz in Schaumburg gebe so Menschen Chancen, "die sonst keine hätten", betonte Stemme. Lüking berichtet von einem schwer behinderten, hoch motivierten Kunden, der vier Stationen im "Netz" durchlaufen hat und jetzt als Bürokraft in einem Betrieb arbeitet. In diesem Fall habe die Familie eine große Rolle gespielt. "Wenn die mitzieht, geht eine ganz Menge", unterstrich Lüking. Solche Betriebe können laut Stemme bis zu drei Jahren Eingliederungszuschüsse bekommen. Grundsätzlich ist die Vermittlung von Menschen mit Handicaps nach Lükings Erfahrung "Champions League, weil viele Firmen nicht wollen". Über die genannten Partner fänden sich aber immer wieder Wege zum Markt. Dieser Weg soll, wie erwähnt, verstärkt psychisch Kranken gebahnt werden, weil deren Zahl steige. Das Projekt Bruchhof hat deshalb für das Job-Center besondere Bedeutung. Zum Schluss: 900 000 Euro stehen im Haushalt des Job-Centers für diese Bemühungen zur Verfügung.

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