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Musenkuss nach 52 Jahren: Ihr erstes Bild hat sie in der Nacht "gesehen"

Maya Stange erzeugt "Bilder" mit einer ureigenen Handschrift

Bückeburg (bus). Gelegentlich dauert es eine geraume Weile, bis einen die Muse busserlt. Speziell Urania, die unter den Töchtern des Zeus für die Abteilung Himmels- und Sternenkunde zuständig ist, lässt sich bisweilen einige Zeit, bevor sie - häufig im Schlepptau der Volkshochschule - zum entscheidenden Kuss ansetzt. Die Begegnung zwischen Urania und Maya Stange lässt (ohne Mittun der VHS) eine außergewöhnliche Intensität vermuten. Ihr erstes Bild habe sie in der Nacht "gesehen", bedeutet die Künstlerin.

Bis zu dieser Nacht hatte das Schicksal 52 aufregende Jahre zwischen die Geburt der ausgebildeten Lehrerin in Tiflis (Georgien) und einem relativ beschaulichen Leben als dreifache Mutter in Bückeburg gelegt. Seit der nächtlichen Erscheinung kommt dem Begriff Beschaulichkeit in der Wohnung an der Röntgenstraße eine Doppelbedeutung zu - hier gibt es jetzt etwas zu beschauen. In nur drei Monaten ist eine Serie von 20 Werken entstanden, die eine in der Tat ureigene und außergewöhnliche Handschrift tragen. "Ich habe immer verrückte Ideen", sagt die Schöpferin. Stange "malt", obwohl ihre Arbeiten zumeistüber einen Rahmen verfügen, keine Bilder im herkömmlichen Sinn. "Ich erarbeite die Werke mit meinen Händen", erläutert sie. Die Resultate stellen sich dem Betrachter als zumeist üppig arrangierte Fantasieszenarien dar, deren Geschehen reliefartig über den Bildgrund hinausragen. "Eine Mischung von Skulptur und Malerei", beschreibt Stange ihre Kreationen. Als häufig verwendete Grundmaterialien leisten Holz, Stoff und Gips gute Dienste, als gestalterische Zutaten erscheinen Dinge des täglichen Gebrauchs ebenso wie Objekte aus der Schmuckschatulle und der Natur. Die Zutaten kommen - zumeist in intensiver Nachtarbeit zusammengefügt - schließlich als "versteinerte Baumfrau", "verlorener Salomo-Schatz", "Hochzeit in Weiß" oder "achtarmiger Buddha" daher, dem Messer und Gabeln die Gliedmaße ersetzen. Besteckteile und Hochzeitsbild verdeutlichen, dass die Künstlerin keineswegs "abgehoben" agiert. Vieles, und nicht zuletzt die Liebe, gehe ja bekanntlich durch den Magen, gibt Stange auf dem Weg in die Küche zu verstehen, in der ein weiteres Exponat auf den Besucher wartet. "Ich habe mich immer für Kunst interessiert und auch versucht zu malen", erklärt sie, "meine Hände wollen etwas tun." Dass es mit der "normalen Malerei" nicht so recht hat klappen wollen, mag sich im Nachhinein vielleicht als Vorteil erweisen. "Wenn die Leute meine Bilder verstehen und sie ihnen gefallen, kann ich vielleicht berühmt werden", gibt Maya Stange einen weiteren Traum preis. Dann hätte sich das Warten auf den Musenkuss gelohnt.




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