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Der Gellerser Wilhelm Konrad Fischer schrieb „Als Martin noch ein Knabe war“

Martinslied entstand in Hämelschenburg

Von Alexander Tacke
Am 11. November, dem Martinstag, ziehen vielerorts wieder viele Kinder singend von Tür zu Tür. Damit erinnern sie an den heiligen Martin, der der Legende nach im Jahr 334 als römischer Offizier seinen Mantel mit einem frierenden Bettler im französischen Amiens teilte. Da er in ihm Jesus erkannte, entschloss er sich, das Soldatenleben aufzugeben, um den Armen zu helfen. Martin ließ sich taufen und zum Priester weihen, gründete 361 das erste Kloster Galliens in Liguge und wurde 371 zum Bischof von Tours gewählt.

Das Küsterhaus an der Hämelschenburger Straße.

Von Alexander Tacke

Am 11. November, dem Martinstag, ziehen vielerorts wieder viele Kinder singend von Tür zu Tür. Damit erinnern sie an den heiligen Martin, der der Legende nach im Jahr 334 als römischer Offizier seinen Mantel mit einem frierenden Bettler im französischen Amiens teilte. Da er in ihm Jesus erkannte, entschloss er sich, das Soldatenleben aufzugeben, um den Armen zu helfen. Martin ließ sich taufen und zum Priester weihen, gründete 361 das erste Kloster Galliens in Liguge und wurde 371 zum Bischof von Tours gewählt.

Während diese Legende den meisten noch bekannt sein dürfte, sieht es mit der Entstehungsgeschichte des Liedes „Als Martin noch ein Knabe war“, das am 11. November wieder erklingt, schon anders aus. Geschrieben wurde es von dem Gellerser Wilhelm Konrad Fischer, der als 21-Jähriger am 11. Juli 1830 in Hämelschenburg die Stelle als Schullehrer, Küster und Organist antrat. Dort lebte er mit seiner Frau, seinen 15 Kindern und drei Zöglingen mehr als 50 Jahre im heutigen Küsterhaus an der Hämelschenburger Straße. Dies geht aus Fischers niedergeschriebenen Erinnerungen aus dem Jahre 1877 hervor, die im Hämelschenburger Gutsarchiv lagern und von denen der frühere Hämelschenburger Pastor Adolf Kleine einst eine Abschrift anfertigte.

Über die Beweggründe Fischers, „Als Martin noch ein Knabe war“ zu schreiben, kann man dort lesen: „Es war nämlich hier wie in vielen Orten das Martinisingen Sitte, wobei sich die Kinder eines rohen und zum Teil unflätigen Liedes bedienten. Es war mir höchst anstößig, wenn ich die Kinder dies Lied singen hörte, namentlich wenn sie auf den hiesigen Gutshof zogen oder vor die Pfarre und ließen dann dies unpassende Lied ertönen:

Marten, Marten, gaud Mann, der’t am besten daun kann, Äppel und die Beeren nöte gaht wohl nie. Leiwe Fräu, giff ösch wat, lat ösch nicht tau lange stahn. Dat Himmelriek ist uppedahn, da schöll wi alle henningahn mit alle use Gästen. Dei leiwe Gott ist der beste!“

Was dann eigentlich noch folgte, könne man nicht mit Anstand schreiben, meinte Fischer. Er selbst sagte sich daher, die Leute müssten von ihm erwarten, dass er die Kinder anständig singen lehre. So suchte er nach passenden Liedern, fand aber keine geeigneten und schrieb schließlich jenes Lied, „wodurch denn auch das frühere unpassende ganz verdrängt ist“. Es war der Wunsch Fischers an die nachfolgenden Pastoren, „solange sie kein besseres Lied haben, dasselbe hier in der Gemeinde zu erhalten“. Während die erste Strophe noch geläufig ist, sind die zweite und dritte Strophe recht unbekannt. Deshalb hier alle Strophen:

„Als Martin noch ein Knabe war, hat er gesungen manches Jahr vor fremder Leute Türen. Er sang so schön, er sang so zart, so ganz nach frommer Kinder Art, das sollt ein Herz wohl rühren.

Wir bitten, liebe Leute, auch nach guter Sitt und altem Brauch; drum wollt ihr uns was schenken. Und wenn ihr reichlich uns beschenkt, mit schönen Äpfeln uns bedenkt, wird Gott es euch vergelten.

Drum hört auf unsern Bittgesang und nehmt von uns den schönsten Dank für eure milden Gaben. Wir wünschen Luthers Glauben euch, so werdet ihr im Himmelreich das ew’ge Leben haben.“



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