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Samtgemeinde Nenndorf im Verzug

Marode Kanäle: Landkreis verliert die Geduld

Samtgemeinde Nenndorf (rwe). Im Abwasserbereich kommen weitere Kosten auf die Samtgemeinde Nenndorf zu. Das Kanalnetz in Waltringhausen, Riehe und Kreuzriehe ist an vielen Stellen marode. Der Politik sitzt dabei die Zeit im Nacken. Denn der Landkreis hat Nenndorf bereits mehrfach angemahnt, Abwasser in die Gewässer einzuleiten. Deshalb empfiehlt der Wirtschaftsausschuss, für 170 000 Euro ein Pumpwerk zu bauen, das bei starkem Regen das Abwasser aus Waltringhausen am Maschstraße abzweigt und durch eine Druckleitung in die Bad Nenndorfer Kläranlage bringt.

Die Einwohner in Waltringhausen, Riehe und Kreuzriehe kennen das Pro blem schon lange. Bei starkem Regen laufen die Abwasserkanäle voll, die Brühe staut sich zurück, tritt zum Teil auf die Straße. Mittlerweile hat die Samtgemeinde dies auch schriftlich. Das Ingenieurbüro "i-consult" aus Barsinghausen stellte fest: Die Kanalisation in dem Bereich ist veraltet und überlastet. Gründe gibt es viele: das Wachstum der Ortsteile, das geringe Gefälle in Richtung der Haster Kläranlage, zugesetzte Kanäle und der nicht ausreichende Querschnitt der Transportleitung in Kreuzriehe. Größtes Handicap ist aber der marode Zustand der Rohre. Saugt sich der Boden voll, drückt das Grundwasser in die Kanäle. Von 300 Prozent "Fremdwasseranteil" sprach "i-consult"-Chef Juan Manuel Aguirre. Wo sich die undichten Stellen genau befinden, das ist noch nicht bekannt. Der Diplom-Ingenieurbüro rät dazu, das gesamte Netz in den Ortsteilen zu kontrollieren und durch den Bau eines Pumpwerkes zumindest Zeit zu gewinnen. Dann ließen sich die Kanäle Stück für Stück vornehmen. Doch Zeit hat die Samtgemeinde nicht mehr. Nenndorf ist im Verzug. Der Landkreis moniert den Zustand offenbar seit Jahren. Die Kläranlagen seien überlastet, heißt es in einem Schreiben vom Februar. Danach gelangte bereits mehrfach Abwasser in die Gewässer. Die Grenzwerte seien dabei um mehr als 100 Prozent überschritten worden. Die Einleitung von unbehandeltem Abwasser erfülle einen Straftatbestand, warnt die Untere Wasserbehörde. Die Geduld im Kreishaus stößt mittlerweile an ihre Grenzen. Mindestens seit 2002 sei das Problem im Nenndorfer Rathaus bekannt, offenbar die Maßnahmen nicht ausreichend, das Fremdwasser in den Kanälen zu reduzieren, so die Kritik. Auch der Vorschlag, über das geplante Pumpwerk in Waltringhausen nun bei starkem Regen das Wasser aus Waltringhausen umzuleiten und dadurch die Situation in Riehe und Kreuzriehe zu entschärfen, stellt den Landkreis nicht zufrieden. Dieser möchte wissen, ob die Anlage in Bad Nenndorf die zusätzlichen Mengen aufnehmen kann und verlangt einen Zeitplan. "Eine ledigliche Planung ist in Anbetracht der Dringlichkeit einer Verbesserung der Abwasseranlagen nicht mehr ausreichend." Nenndorf müsse die Ursachen in Angriff nehmen, das Eindringen des Fremdwassers verhindern. Bis Jahresende will der Kreis ein Gesamtkonzept sehen. Den Mitgliedern im Wirtschaftsausschuss reicht das nicht. Sie folgten einstimmig einem Antrag des Ratsherrn Heinz-Joachim Gresel (SPD), das bis zum 30. September und damit rechtzeitig zu den Haushaltsberatungen ein Lösungsvorschlag auf dem Tisch liegen soll. "Wir sind im Verzug und können gar nicht länger warten", wehrte er sich gegen den Einwand der Verwaltung, so schnell lasse sich kein fertiges Konzept erstellen. "Wir haben keine Zeit mehr", bedauerte auch Parteifreund Fritz Varwig, dass die Samtgemeindeihre Aufgabe über Jahre vernachlässigt habe. "Das passiere aber auch andernorts." Horst Schlüter (SPD) forderte, "umgehend zu handeln" und Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese nannte die Situation "brenzlig". Auch wenn der Landkreis eine andere Lösung erwarte, schlug er vor, das Pumpwerk zu bauen Das soll aber nur bei starken Regenereignissen anspringen. Von durchschnittlich zehn Fällen im Jahr sprach Aguirre. Nach seinen Worten kann die Kläranlage in Bad Nenndorf die zusätzliche Abwasser zu verarbeiten. Er war eher skeptisch, ob sich alle Verästelungen der Kanäle bis Ende September prüfen ließen. Allerdings wäre es möglich, einen qualifizierten Überblick zu bekommen. Der Wirtschaftsausschuss sprach sich dafür aus, die 170 000 Euro zu investieren. Dazu kämen dieses Jahr weitere 45 000 Euro, um das 15,5 Kilometer lange Netz zu untersuchen. Auf 2,80 Euro pro Meter bezifferte Bauamtsmitarbeiter Olaf Scharrer die Kosten dafür.

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