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Aktuelles Interview mit Marc Siegesmund Trainer beim Oberligisten SG Hohnhorst/Haste

"Manchmal kommt man sich wie ein Plattenspieler vor!"

Handball (hga). 18 Punkte warten in der Oberliga noch auf ihre Vergabe, dann wird der Niedersachsenmeister der Saison 2007/08 fest stehen. Der Meistertitel war lange nicht so hart umkämpft wie in der laufenden Saison, und mitten drin statt nur dabei ist - als Überraschungsmannschaft - die SG Hohnhorst-Haste. Als mit dem Tabellenführer HG Rosdorf-Grone punktgleicher Tabellenzweiter kann die SG den Titel aus eigener Kraft erringen. Die Spielpause über Ostern ist eine gute Gelegenheit, um vor der entscheidenden Schlussphase eine Zwischenbilanz zu ziehen, zu diesem Zweck sprach unsere Zeitung mit SG-Coach Marc Siegesmund.

Reiben Sie sich eigentlich noch manchmal beim Blick auf die Tabelle die Augen? Nein, aber ich freue mich, wenn ich Haste oben in der Tabelle sehe. Meine Spieler haben sich diese Position ja erarbeitet. Es ist keine Eintagsfliege, sie haben bewiesen, dass sie zu Recht nach ganz oben gehören. Es sind aber noch neun Spiele zu absolvieren, mit ein bisschen Glück im Handgepäck können wir die schweren Spiele für uns entscheiden und dann ist alles möglich. Die Saisonvorbereitung lief alles andere als glatt, ließ nichts Gutes ahnen, Sie selbst waren skeptisch. Was ist passiert, woher kommt der Leistungsschub? In der Vorbereitung war ich mit der Einstellung und der Leistungsbereitschaftüberhaupt nicht zufrieden. Ohne diese Eigenschaften gewinnt man im Handball keinen Blumentopf. In elf Vorbereitungsspielen hatte ich aus unterschiedlichsten Gründen nie die komplette Mannschaft zur Verfügung. Als die Liga begann, haben meine Spieler den Schalter umgelegt und sich richtig in die Aufgaben rein gekniet. Ich hätte es schon in der Vorbereitung gern so gehabt, damit wir uns schon ein gewisses Spielniveau und die Routine hätten erarbeiten können. Im Nachhinein ist es aber so wesentlich angenehmer, gut spielen konnte die Mannschaft schon die ganze Zeit, es fehlte nur das Salz in der Suppe. Lange Zeit wurde - auch von Ihnen - die mangelnde Geschlossenheit und der hier und da fehlende Siegeswille kritisiert. Wie kam es vor allem im mannschaftlichen Bereich zur positiven Verbesserung? Das hin zu bekommen, ist mein Job, durch permanentes Ansprechen und abarbeiten im Training geht es auch irgendwann in die Köpfe der Spieler. Man kommt sich dann schon manchmal wie ein Plattenspieler vor. Jeder hat verstanden, dass die Mannschaft durch den Zusammenhalt noch stärker wird und auch die Wechselspieler einen großen Beitrag zum Sieg leisten können. Jeder Einzelne ist ein Rad im Getriebe und hat seine Aufgabe. Ist der Mannschaft bewusst, welche großartige Chance sie jetzt in Händen hat? Eindeutig ja! Da bin ich mir absolut sicher. Sie haben nicht die letzten Monate gerackert, Verletzungen in Kauf genommen und sich rein gekniet, um die letzten Spiele zu verschenken und die Möglichkeit des Aufstiegs aus der Hand zu geben. Man sieht es auch, wie motiviert sie im Training und Spiel zu Werke gehen. Das Restprogramm der SG ist von der Schwierigkeit mit dem Restprogramm der HG Rosdorf-Grone vergleichbar. Worauf liegen jetzt die Prioritäten beim Training? Besondere Maßnahmen ergreife ich nicht. Die verletzten Spieler bekommen die Möglichkeit, sich auszukurieren. Bei den anderen hält man die Fitness und Routine hoch, ohne sie zu viel mit dem Handball zu beschäftigen. Wichtig ist, dass die zum Ende der Saison noch immer heiß auf den Ball sind und nicht den Spaß verlieren, das wäre tödlich. Ansonsten bereiten wir uns punktuell und seriös auf jeden Gegner vor und behalten die Ruhe und den Kopf oben. Das Saisonziel war mit "irgendwo zwischen Platz vier und sechs" definiert. Geben Sie jetzt auch offiziell das Ziel "Meisterschaft" aus? Warum nicht? Wir sind so nah dran, also Volldampf voraus! Ich bin bei der Zielsetzung vom Leistungsstand vor der Saison ausgegangen, und da die Jungs sich sehr gut entwickelt haben, traue ich ihnen mit ein bisschen Glück die Meisterschaft zu. Zum Schluss etwas ganz anderes: Der HVN hat zur Saison 2008/09 die Pflichtteilnahme am Landespokal für Verbandsmannschaften abgeschafft. Begrüßen Sie diesen Schritt? Ja, durchaus. Da kann sich jeder Verein endlich frei entscheiden. Keiner fand den Pokal so richtig gut, weil unterklassige Gegner, hohe Fahrtkosten und meist kaum Zuschauer die Attraktivität des Wettbewerbs einschränken. Wenn man unter die letzten vier Teams kam, durfte man im DHB-Pokal ran, wo eventuell eine Bundesligamannschaft wartet. Die Chancen sind aber nicht sehr groß, da spiele ich lieber Lotto. Was für eine Zukunft geben Sie dem - bei vielen Oberligisten unbeliebtem - Pokalwettbewerb? Ich denke, es wird sich gegenüber den letzten Jahren einiges ändern. Der Pokal hat eine Zukunft, wenn die Vereine ihn ernst nehmen. Die Freiwilligkeit ist ein erster guter Schritt in diese Richtung. Die Teams, die teilnehmen, werden dann mit vollem Engagement, um den Sieg spielen und nicht schon vorher hoffen, dass sie die Pokalniederlage ereilt, um einige freie Wochenenden zu haben.




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