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Manche Diebe kommen mit dem Lastzug

Kamine oder Holzöfen hatten über viele Jahre eher Luxus-Charakter. Steigende Energiepreise haben das geändert. Für manchen Hauseigentümer oder Mieter wurde das Heizen mit Holz zur wirtschaftlichen Alternative zu teuren Brennstoffen wie Erdgas und Öl. Und nicht zuletzt wird auch das Thema Holzklau, das seit der Nachkriegszeit so gut wie keine Rolle mehr gespielt hat, wieder aktuell.

Autor:

Werner Hoppe

Der Diebstahl habe auch im Bereich des Forstamtes Hessisch Oldendorf in den letzten Jahren zugenommen, berichtet Dr. Michael Behrndt, bis 2005 sei Diebstahl kein Problem gewesen. Als Dezernent des Niedersächsischen Forstamtes Hessisch Oldendorf ist Behrndt zuständig für die Holzvermarktung. Er stellt fest: „Nicht nur Brennholz, sondern auch Industrie-Stammholz ist ein Thema für Diebe.“

Unter anderem erinnert er sich an einen Fall aus jüngerer Vergangenheit: Der Selbstwerber – also ein Kunde der Forstverwaltung, der auf eigene Rechnung Holz sammelt und gegebenenfalls auch weiter verkauft – hatte in schweißtreibender Arbeit Holz in handliche Längen gesägt und fein säuberlich am Waldweg zum Abtransport gestapelt. Als er schließlich mit seinem Fuhrwerk anrückte, waren 16 Raummeter Wintervorrat an Brennstoff verschwunden.

Es scheine, dass manchmal gezielt geklaut wird, wogegen bei anderen Gelegenheiten Diebe aus Zeitgründen hastig „irgendetwas aufladen“, um ihr Auftragskontingent zu erfüllen, berichtet Behrndt. Gemessen an der Menge sei dies momentan zwar „nicht das ganz große Problem“ für die Forstverwaltung. Den Ärger haben jedoch andere: Der Diebstahl treffe vor allem „private Abnehmer, die ihr Holz bereits bezahlt haben“.

Holzklau ist beileibe kein Kavaliersdelikt – angesichts eines Verkaufspreises von etwa 2500 Euro ab Waldweg für beispielsweise eine Wagenladung Nadelstammholz mit 25 Festmetern, wie Behrndt vorrechnet. Solche Mengen bewege man zudem nicht mit dem Pkw-Anhänger. Profi-Diebe seien professionell ausgerüstet und häufig sogar unterwegs mit Lkw-Zügen mit Ladekran. „Viel passiert in der Nacht“, weiß Dr. Behrndt. Und da die schwarzen Schafe nicht auf den ersten Blick von den weißen Schafen zu unterscheiden seien, „lassen wir Förster uns grundsätzlich die Ladepapiere zeigen, wenn wir im Wald Transportfahrzeugen begegnen“. Allein, dass ein professioneller Holzlaster – wenn auch nach Einbruch der Dunkelheit – im Wald angetroffen werde, sei kein Indiz für finstere Machenschaften. Dennoch: Es sei im Kreise der Revierleiter zu hören, dass gelegentlich auf dem Markt ganze Wagenladungen „günstig“ angeboten werden. „Fakt ist, dass Holz verschwindet“, mahnt Dr. Behrndt und rät Selbstwerbern, die ihr Holz zum Abtransport bereitgestellt haben: „So schnell wie möglich abfahren.“ Behrndt will nicht ausschließen, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Teil zur Zunahme bei den Diebstählen beiträgt. In der letzten Zeit sei allerdings „nicht so viel Aktivität von Dieben spürbar“.

Dennoch: Bei sprunghaft steigenden Preisen für Heizöl und Gas können auch bislang brave Ofenheizer zu Langfingern werden und die Schwelle zur vermeintlich kostenlosen Selbstbedienung überschreiten. Nur kostenlos beziehungsweise ungeschoren kommt nicht davon, wer erwischt wird. Die Brennholzpreise und erst recht die für Stammholz haben seit etwa 2010 deutlich angezogen. Die Forstverwaltung berechnet zurzeit rund 60 Euro für den Festmeter.

Insgesamt habe die Ofenheizung an Stellenwert gewonnen, beobachtet auch Behrndt. Im Zusammenhang mit technologisch-bauphysikalischen Verbesserungen habe sich bei Brennholzkunden und auch bei denjenigen, die den vermeintlichen „Kauf zum Nulltarif“ bevorzugen, die Wahl der Holzsorten gewandelt. Denn für moderne gut gedämmte Häuser wird im Gegensatz zu früher weniger das energieträchtige Eichenholz nachgefragt. Und so haben auch Langfinger umgestellt auf Fichte und vor allem Buche. Eiche bleibt bei den „Besitzern alter Hütten“, wie Behrndt sagt, beliebt.

Was aber lässt sich tun, um Langfingern das Handwerk zu legen? Das Forstamt Hessisch Oldendorf setzt hauptsächlich auf Gemeinsinn und auf die Mithilfe aller Beteiligten, erläutert Behrndt. So seien die Forstbediensteten grundsätzlich zur Aufmerksamkeit angehalten „zum Schutz der Holzkäufer“. In dieser Hinsicht bestehe von jeher eine enge Verbindung mit Jägern, die von sich aus Fahrzeugkennzeichen aufschreiben und ihre Beobachtungen der Forstverwaltung mitteilen würden.

Punktuell würden auch versteckte Überwachungskameras eingesetzt. Dies sei allerdings kostspielig und erfordere erheblichen logistischen Aufwand. Auch die Bestückung des Holzes mit Mikrochips für die Satellitenortung, wie sie andernorts bereits erprobt werde, sei aus gleichen Gründen für das Forstamt Hessisch Oldenorf kein Thema.

In der Regel beschränke sich die Sicherung auf farbliche Markierungen aus der Sprühdose. Aber nicht jeder Stamm und jedes Stück Holz könne gekennzeichnet werden und deshalb sortierten gewiefte Diebe markiertes Holz kurzerhand aus. Der Kunde sei also letztlich gefordert, selber ein Auge auf sein Holz zu haben und es zu bergen, ehe Diebe zuschlagen können. Großabnehmer wie die Papierfabrik in Alfeld würden überdies „kein Holz abnehmen, wenn sie nicht wissen, wo es herkommt“.

Doch Diebe hin oder her, für den redlichen Brennholzkunden zählt meist vor allem die eine Frage: „Wo kriege ich’s her?“ Die örtlichen Revierleiter seien zuständig für die Vermarktung, gibt der Fachmann Auskunft. Im Zweifelsfall helfe ein Anruf beim Forstamt in Hessisch Oldendorf weiter. Helfen können auch die örtlichen privaten Vermarkter wie Forstunternehmen oder der Bundesverband Brennholzhandel und -produktion. Dessen Vorsitzender Klaus Egly hat seinen Wohnsitz in Coppenbrügge. Der Verband ist im Internet unter www.bundesverband-brennholz.de zu finden.

Beim Forstamt Hessisch Oldendorf schaltet sich Dr. Michael Behrndt persönlich ein, wenn es um „größere Mengen ab 200 Festmeter“ geht. Und zeitweise gibt es sogar regelrechte Sternstunden für Selbstwerber, wenn die Forstverwaltung entlang öffentlicher Straßen aus Gründen der Verkehrssicherung „Lichtraumprofile erweitert“ und auf breiten Streifen Bäume fällt. Wer schnell ist, ausgerüstet mit Transportfahrzeug und Werkzeug samt Motorsägenführerschein, der kann direkt im Gefolge der Holzfällerrotten Schnäppchen machen: Die Forstverwaltung gibt zum Beispiel passables Kronenholz günstiger ab, wenn die Käufer Bruchholz und Äste aus den Straßengräben entsorgen.

Aktuell muss Behrndt jedoch Hoffnungen auf dieses Schnäppchen-Holz enttäuschen: Entsprechende Arbeiten stehen zurzeit nicht an. Dafür beginne aber die neue Einschlagsaison. Zur Freude der Ofenheizer, denn die Brennholzkontingente der Forstverwaltungen sind zurzeit so gut wie erschöpft. Mit dem frischen Einschlag rollt der Nachschub. Dabei wird Brennholz und Industrieholz von den staatlichen Waldarbeitern gleich am Waldweg bereitgestellt. Das ist bequem für die Kunden – vorausgesetzt, keine Holzdiebe kommen ihnen zuvor.

Brennholz ist gefragt wie seit Jahrzehnten nicht – auch bei Kriminellen. Mit professioneller Ausrüstung rücken sie in den Wäldern an, um Holzstapel kurzerhand abzuräumen. Die Forstverwaltung versucht sogar mit Überwachungskameras, ihnen das Handwerk zu legen.




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