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Samstag Wrestling-Abend in Engern / Jugendliche trainieren jetzt in Hauptschulturnhalle Rinteln

"Man ist einfach schneller als der Schmerz"

Ahe (cok). "Wir waren total glücklich, dass es hier so einen Verein gibt! Wir konnten es gar nicht glauben!" Christopher aus Ahe und seine Freunde lieben das Wrestling über alles, und der Verein von dem er spricht, ist die Wrestling-Gruppe in der TSG Ahe-Kohlenstädt, vor vier Jahren gegründet von einer Gruppe Jugendlicher, die sich mit Begeisterung und großer Disziplin einer ungewöhnlichen Sportart hingeben.

"Einen Lehrer hatten wir eigentlich nie", sagt Demian Hoyer, viele Techniken habe man sich bei Kämpfen von Profis und auf Videos angeeignet. Wrestling, in Deutschland oft auch "Catchen" genannt, das ist eigentlich eine Form des Ringens, allerdings so sehr mit spielerischen Showelementen durchsetzt, dass es fast schon etwas von einem akrobatischen Theaterspiel an sich hat. Zwei Kämpfer, von denen meistens einer ein Guter, ein "Face" ist und der andere böse, ein "Heel", treten im Ring gegeneinander an und erzählen mit ihren dramatisch inszenierten Kampfrunden die alte und immer wieder neue Geschichte vom Kampf des Guten gegen das Böse. Genau das ist es, was die insgesamt sieben Jungs und seit neuesten auch zwei Mädchen so fasziniert. "Man will unbedingt die Reaktionen vom Publikum", erklärt Christian Specht, "man will, dass die Leute Partei ergreifen und sich mitreißen lassen." Für ihn, der eine enge weiße Ringerhose trägt und hochgeschnürte Kampfsportschuhe, ist es keine Frage, dass er ein "Heel" ist, der die Zuschauer mit seinen Schauspielertricks so richtig schön wütend macht. "Das ist viel leichter, als wenn man die Rolle des Guten spielt", sagt er. "Man braucht nur eine versöhnlich dargebotene Hand verächtlich auszuschlagen oder vor dem Publikum auf den Boden zu spucken, schon hagelt es Buhh-Rufe. Ich mache einfach all die Dinge, die mich selbst zur Weißglut bringen würden." Wenn die Jungs jetzt an ihrem neuen Trainingsort, der Sporthalle der Hauptschule Rinteln, ihr gemeinsames Training durchziehen, dann geht es in erster Linie ums Grundhandwerk des Wrestlings: Von oben einem anderen in die Arme zu springen und mit ihm zusammen umzufallen, ohne sich zu verletzen; einenÜberschlag zu machen und danach mit viel Lärm platt auf den Bauch zu landen; den anderen hochzuheben und um die eigene Körpermitte zu schleudern, lauter Choreografien, die im perfekten Zusammenspiel beherrscht werden müssen. "Aber es ist ein echter Kampf", betont Demian. "Man kämpft zwar, obwohl es ja Gegner sind, als Team, und doch ist es so, dass der Bessere gewinnt!" Um Schmerzen kommt man dabei nicht herum. "Die gehören dazu! Manchmal denkt man: O nein, ich will mich nicht auf die Matte schmeißen, das tut weh! Aber man will es eben doch! Und man härtet extrem ab!" Im echten Kampf, da merkt man gar nicht, wo überall man sich blaue Flecken und Schrammen holt, Adrenalinstöße und das Anfeuern des Publikums überspielen alles. "Dann ist man einfach schneller als der Schmerz! Aber man verletzt sich auch nicht häufiger als in anderen Sportarten." Er und Christian, die beidenÄltesten, wollen wirklich Profi-Wrestler werden, Im April ziehen sie weg in eine gemeinsame WG und lernen den Beruf des Physiotherapeuten. "Das passt doch sehr gut zusammen!" Was beide ärgert: Dass sie, weil sie noch Jugendliche sind, oft nicht ernst genommen werden. "Viele denken, wir wollen einfach nur ein paar Tricks lernen, um dann in Hinterhöfen "Backyard-Wrestling zu machen", sagt Christian. "Nee, das wollen wir nicht. Dieses wilde Wrestling das sorgt für den eher schlechten Ruf der Sportart."




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