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Nabuäußert Bedenken: Weniger Lebensmittel und Mais als Stromspender? / Mischkulturen sinnvoller

Mais-Monokulturen durch Biogasanlagen?

Obernkirchen (sig). Die Warnungen der Wissenschaftler vor der zunehmenden Umweltverschmutzung und dem dadurch verursachten Klimawandel haben in deröffentlichen Meinung Wirkung gezeigt. Sehr aktuell war deshalb die Stellungnahme eines Umweltexperten im Rahmen einer Veranstaltung des Nabu Obernkirchen im Schießsportzentrum der Bergstadt. Ihm geht es um ein rechtzeitiges Umdenken bei der Herstellung von Biomasse.

Uwe Baumert ließ keinen Zweifel daran, dass regenerative Energien ein Herzensanliegen der Naturschützer sind und bleiben. Er machte aber deutlich, dass die schnelle Zunahme von Biogasanlagen kritisch begleitet werden müsse. Als einen Knackpunkt bezeichnete er den in Niedersachsen massiv anwachsenden Maisanbau.Diese Entwicklung gilt auch für das Schaumburger Land. Anfänglich hat der Naturschutzbund erwartet, dass in erster Linie Mähgut von extensiv genutzten Feldern, Reste von Stroh und Holz sowie die Riesenmengen von Gülle aus der Tierhaltung für die Erzeugung regenerativer Energie verwendet würden. Die Erfahrung habe jedoch gezeigt, so Baumert, dass Gülle "out" sei und an seine Stelle der Mais trete. Er bringe die größere Menge an Methan, damit eine höhere Stromausbeute und mehr Gewinn. Im Einzugsgebiet der Biogasanlagen wird, wie der Nabu festgestellt hat, auf Grünland und stillgelegten Flächen bevorzugt Mais angebaut. Dieser Trend zur Monokultur verursache eine höhere Bodenerosion und Belastung des Grundwassers, erklärte Uwe Baumert bei seinem Vortrag in Obernkirchen. Er sprach sogar von der Gefahr des steigenden Zugriffs auf Naturschutzräume. Besonders kritischäußerte sich der Referent zu der Entwicklung, dass die von den Landwirten als zusätzliches Standbein errichteten Biogasanlagen zunehmend von den größeren Objekten überrundet würden, die Investorengesellschaften erbauen lassen. Ihr einziges Bestreben sei ein höchstmöglicher Profit und eine schnelle Amortisation, beklagte er. Die Folge seien dauerhafte Monokulturen - Mais für Biogas und Raps für die Herstellung von Kraftstoff. Wenn sich die Förderrichtlinien nicht ändern, könnte der Mais eines Tages an die 30 Prozent der gesamten Ackerflächen bedecken. Das würde nach Auffassung des Nabu zur Vernichtung kompletter Ökosysteme und zur Entwicklung von kompletten "Maiswäldern" führen. Bereits heute würden die in Südamerika entwickelten Sorten eine Höhe von 5,50 Metern erreichen. Bei einer solchen Verwertung würde auch bald die Hemmschwelle wegfallen, gentechnisch veränderte Sorten anzubauen. In welchem Tempo sich der Maisanbau in Deutschland entwickelt hat, zeigt die Tatsache, dass heute bereits 30 Mal so viele Flächen dafür verwendet werden wie in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Baumert sprach die Befürchtung aus, dass der von den Biogasanlagen ausgesandte Lockruf die heimische Produktion an Lebensmitteln einschränke und in Gefahr bringen könnte. Als Alternativen zum Mais nannte er Mischkulturen mit Sonnenblumen, Leindotter oder Luzerne. Die angestrebte Energiewende dürfe jedenfalls nicht auf Kosten der Natur- und Umweltverträglichkeit erfolgen.

Trägt diese moderne Biogasanlage in Vehlen zur Verbreitung von Monokulturen bei? Foto/Repro: sig



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