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Kirchenvorstand missbilligt Werbemethoden für Blatt-Abo / Werbeagentur weist Vorwürfe zurück

Machen Drücker Druck? Kirche distanziert sich

Rolfshagen/Kathrinhagen (rnk). Der Besucher, der vor gut zwei Wochen bei Pastorin Dr. Heike Köhler klingelte, machte durchaus einen guten Eindruck. Weil die "Evangelische Zeitung" (EZ), die christliche Wochenzeitung für Niedersachsen, wie viele andere Zeitungen auch, unter bröckelnden Abonnentenzahlen leide, solle in den verbundenen Kirchengemeinden Kathrinhagen und Rolfshagen eine Werbekampagne gestartet werden. Und ob die Pastorin durch ihre Unterschrift bestätigen könne, dass es sich um eine seriöse kirchliche Zeitung handelt? Köhler hatte keine Einwände und unterschrieb. Jetzt haben sich die verbundenen Kirchengemeinden von den Methoden, mit denen geworben wurde, ausdrücklich distanziert.

Denn bei ihr, so sagt Köhler, habe sehr oft das Telefon geklingelt. Am anderen Ende hätten sich Kirchenmitglieder über die rüden Werbemethoden beklagt. Vor allem hätten die Werber, so erzählt Dr. Köhler, wohl stets den Eindruck erweckt, man komme im Auftrag der Pastorin. Um der Seelsorgerin einen Gefallen zu tun, solle die Zeitung abonniert werden. Damit nicht genug: Die Pastorin erwarte sogar, dass die Zeitung abonniert wird, hätten die Werber durchblicken lassen. "Das stimmt natürlich nicht", erklärt die Seelsorgerin. Sie habe natürlich nichts davon, wenn jemand die "Evangelische Zeitung" abonniert. Das sei eine Entscheidung, die jeder selber zu treffen habe. Kurzum: Die Pastorin ist stocksauer. "Es steht einer Zeitung nicht an - und einer evangelischen schon gar nicht-, mit diesen Methoden zu werben." Daher hat die Kirchengemeinde jetzt eine Presseerklärung herausgegeben: "Diese Werbekampagne wird nicht im Auftrag des verbundenen Pfarramtes durchgeführt, sie läuft im Auftrag der Evangelischen Zeitung selbst. Die Kirchengemeinden unterstützen zwar den Erhalt der Evangelischen Zeitung, missbilligen aber ausdrücklich die Methoden, mit denen Abonnenten geworden werden", heißt es dort. Wie Pastorin Köhler erklärte, habe sie sich bereits bei der Zeitung über die rüden Werbemethoden beschwert. Das sei richtig, hieß es dazu gestern bei der "Evangelischen Zeitung". Man habe die Beschwerde weitergegeben: an die zuständige Werbeagentur in Hildesheim. Dort sei ebenfalls reagiert worden, erklärt Wolfgang Schmidt, Vertriebsleiter der zuständigen Werbeagentur. "Wir haben unsere Gruppe abgezogen." Den Vorwurf, seine Männer hätten mit unzulässigen Methoden geworben, weist Schmidt allerdings zurück: Seit 29 Jahren würde er ausschließlich für die "Evangelische Zeitung" werben, zwei seiner Mitarbeiter seien seit 23 Jahren dabei. Aus seiner Erfahrung heraus gebe es zumeist Ärger, wenn der Ehemann abends nachHause kommt und dann erfährt, dass seine Frau tagsüber ein Zeitungsabonnement abgeschlossen hat: "Und dann sind die sauer und rufen natürlich beim Pastor an." Unnötiger Wirbel, wie Schmidt findet: "Eine Postkarte reicht - und das Abo ist schon wieder gekündigt." Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen: Einen so genannten Ratenlieferungsvertrag über ein Zeitungs- oder Zeitschriftenabonnement, der an der Haustür abgeschlossen wurde, können Verbraucher immer widerrufen, heißt es auf ihrer Internetseite. Grundsätzlich sei es so, erklärt Schmidt: "Ärger gibt es zwei Mal im Jahr, dann drei Jahre lang nicht, dann wieder drei Mal im Monat." Es sei bewährte Praxis seiner Agentur, dann den Werbebereich zu verlassen und zu klären, woran es gelegen hat. "Und das machen wir auch diesmal wieder so", erklärt der 66-Jährige.

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