weather-image
26°
Cellist bietet Reizvolles von Bach / Pastor Schultheiß steuert Hesse bei

Maarten Jansen brilliert in Petzen

Petzen. Man trifft immer mal wieder auf Konzerte, an denen nichts, aber auch gar nichts auszusetzen ist. Ein solcher Glücksfall ereignete sich in der Petzer Kirche St. Cosmas und St. Domian. Dort gab es in der Reihe "Klassik aus Holland" ein erfreuliches Wiedersehen mit dem Cellisten Maarten Jansen.

Saubere Höhen, kraftvolle Bässe: Maarten Jansen besticht beim Ki

Autor:

Dietlind Beinßen

Der 34-Jährige begabte Spross einer in St. Cosmas und St. Domian wohlbekannten Künstlerfamilie startete sein reizvolles Programm mit Bachs fünfter Suite BWV 1011. Dabei bestach der volle und satte Ton seines Instrumentes, die Höhen klangen sauber, die Bässe kraftvoll. Trotz der bemerkenswerten Fülle wirkte Jansens Interpretationsstil keineswegs schwerfällig. Die virtuose Gigue meisterte er mit Bravour und die langsamen Sätze wie etwa die Sarabande mit beeindruckender Intensität, die er mit sparsamer Verwendung von Vibratoeffekten zu erzielen wusste. Einen Gipfel spieltechnischer Raffinesse hieß es für den sympathischen Niederländer dann in einer effektvollen Suite des Spaniers Gaspar Cassado zu erklimmen, denn der 1966 verstorbene Komponist hat in sein Werk etliche an kniffligen und das Können des Solisten herausfordernde Probleme eingebracht. Jansen schaffte den "Aufstieg" scheinbar mühelos. Zu schöner, weitgespannter Kantabilität fand der Gast anschließend beim Vortrag von Max Regers 1914 geschaffenen Preludia der 2. und 3. Suite, deren Brillanz um ihrer selbst willen ausgespart blieb. An ihre Stelle rückten ausgetüftelte Klangfarben und changierende Ausdrucksmomente sowie Flexibilität als Bestandteile einer geistig gelenkten, sich temperamentvoll entladenden Musizierfreude. Gleiche Vorzüge gelten für das "Allegro molto vivace" vom cellobewanderten "Draufgänger" Zoltan Kodaly, dessen rhythmus-geprägter, blut- und glutvoller musikalischer Sinnlichkeit der Experte inspiriert gerecht wurde. Das Publikum zeigte sich sehr angetan und erhoffte eine Zugabe. Doch nach der ersten Verbeugungstour veließ Maarten Jansen das Gotteshaus und ward selbst von Heinz Schultheiß nicht mehr gesehen. Der Pastor hatte es sichübrigens wiederum nicht nehmen lassen, Passendes von Hermann Hesse beizusteuern, um dem Instrumentalisten zwischen den einzelnen Darbietungen Verschnaufpausen zu gönnen. Nachzutragen wäre noch, dass das sonnige Wetter dieser Tage jede Grillparty zum Erfolg machte - die schaumburger Kulturperipherie litt derweil ein bisschen unter Besuchermangel.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare