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Löffel für die Sahnewolke

Krankenhagen (who). Völker und Stämme haben ihre Eigenheiten. Bei den Ostfriesen gehört dazu unter anderem eine spezielle Kultur des Tee-Trinkens. Diese lebt vom Schwarzen Tee, der, bedingt durch die Küstenlage des Landes und durch seine Seefahrer, aus Asien importiert wurde. Unabhängig davon, wie der Tee in seinen Ursprungsländern genossen wurde, haben die Ostfriesen ihren eigenen Umgang mit dem belebenden Getränk entwickelt. Ein wesentliches Werkzeug dafür ist unser heutiges Fundstück. Doch davon später, weil es erst ganz zum Schluss der ostfriesischen Teezeremonie zum Einsatz kommt.

Durch diesen Löffel bekommt der Ostfriesen-Tee einen Schuss Sahne. Foto: who

Die meisten Binnenlandbewohner machen es heute in der Regel ähnlich wie die Ostfriesen, aber eben nicht genau so wie sie. Also: Der Tee wird, portioniert, in einem Metallbehälter oder in der modernen Version in Baumwoll- beziehungsweise Filterpapiersäckchen, in eine Teekanne und nur in Ausnahmefällen in eine Tasse gehängt. Darüber wird kochend heißes Wasser gegossen, an welches der Tee sein Aroma und seine Wirkstoffe abgibt. Je länger er „zieht“ (aber bitte nicht über sechs Minuten), desto beruhigender seine Wirkung und je kürzer (unter drei Minuten), desto anregender, sagt man. So kennen es auch Binnenlandbewohner seit vielen Generationen. Dass schwarzer Tee erst durch Kandiszucker beziehungsweise „Kluntjes“ zu richtigem Ostfriesentee wird, ist heute sogar bis nach Bayern hinunter bekannt. Aber dass der Trank erst durch einen Schuss fetter Sahne „geadelt“ wird, erschließt sich nur jenen Nordseeurlaubern, die ihre Nasen nicht nur lange genug in den Küstenwind gehalten, sondern sie auch unter Anleitung kundiger Eingeborener ausgiebig über dem Teetassen-Rand erwärmt haben. Und glücklich, wem auch das eigentliche Geheimnis offenbart wird, denn die Sahne darf keinesfalls einfach nur in den bis dahin goldgelben Trank hineingeschüttet werden. Dazu bedarf es vielmehr eines speziellen Löffels – womit wir bei unserem Fundstück sind. Mittels des Löffelchens wird nämlich die Portion Sahne ganz vorsichtig ins Gebräu geträufelt und weder gerührt noch geschüttelt. Und die kleine weiße Wolke, die anschließend aufsteigt, sich in der Tasse ausbreitet und die Fantasie anregt, die ist es, die normalen schwarzen Tee erst zu echtem Ostfriesentee macht.

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