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Forstdirektor Christian Weigel: Bodenproben sollen Entscheidungshilfe für künftige Neuanpflanzungen geben

Löcher im Wald: Nicht "Kyrill", sondern Bodenkartierung

Rinteln (who). "Rätselhaft" bis "unheimlich" finden Wanderer die Löcher mitten im Wald im Taubenberg und an der Paschenburg. Sie sind rechteckig ausgeschachtet und mit einem rotweißen Band trassiert - womit klar ist: Das ist nicht das Wurzelloch eines umgekippten Baumes.

Die Löcher entlang der Waldwege haben keinen mysteriösen Hinterg

Eine Erklärung, was es mit diesen "Löchern" mitten im Wald auf sich hat, gab jetzt Forstdirektor Christian Weigel, Leiter des Forstamtes Hessisch Oldendorf: "Die Ausschachtungen sind vorgenommen worden für Standortkartierungen in den Staatsforsten." Es soll nämlich ein Bodengüte-Kataster erarbeitet werden. "Wir wollen herausfinden und festhalten, was in den verschiedenen Lagen unserer Forsten gut oder weniger gut wächst und darauf unsere Kulturenplanungen abstimmen", erläuterte Weigel. Insgesamt gibt es rund um Rinteln 400 Testgrabungen, die einen Aufschluss über Bodentypen wie Sand, Kies, Schluff, Ton oder Lehm geben sollen. "Grundsätzlich kann man auf den Böden unseres Forstamtes alles pflanzen, wenn nur die Wurzeln nach unten zeigen", kommentierte Weigel humorvoll, dennoch bilde die Kartierung eine solide Basis für den langfristigen Umbau der heimischen Wälder nach ökologischen Gesichtspunkten. Denn mit den Proben werden auch die biologischen, physikalischen und chemischen Eigenschaften des Waldbodens, seine Güte, Tiefgründigkeit und sein Wasserhaushalt erkundet, um genaue Angaben über die komplexe Bodenfruchtbarkeit zu bekommen. Wichtig für das Pflanzenwachstum ist eine ausreichende Menge von Calcium, Magnesium, Kalium und Natrium. Weitere Prüfungen richten sich auf die Feststellung des pH-Wertes, der den Grad der Versauerung des Bodens anzeigt in der Folge von Lufteinträge durch Verkehrs- und Industrieabgase mit Ammoniak, Stickoxid, Kohlenmonoxid und Schwefeloxide sowie durch die Ausscheidung von Kohlensäure durch Wurzeln und Mikroorganismen. Inzwischen sind die Kontroll-Aushebungen abgeschlossen und die Standortdaten werden beim Niedersächsischem Forstplanungsamt Wolfenbüttel ausgewertet. Diese Informationen, zusammen mit Aussagen über das Lokalklima, helfen dem Förster, optimale Entscheidungen für künftige Anpflanzungen zu treffen. "Wenn beispielsweise durch den Borkenkäfer und Stürme wie ?Kyrill' Kahlflächen entstehen, müssen diese Gebiete wieder aufgeforstet werden, und zwar mit Baumarten, die auf den jeweiligen Standort passen. Ist ein Boden zum Beispiel im Untergrund sehr reich an Kalk oder anderem basenreichen Gestein, bietet er nach heutiger Erkenntnis gute Wachstumsbedingungen für Edellaubhölzer wie Esche, Kirsche und Bergahorn. Zusammen mit der Buche sind das die Bäume, die hier nach heutiger Kenntnis ökologisch am Besten angepasst sind. Ein solcher Boden bietet die Gewähr, für die Entwicklung eines gesunden Waldbestandes". Auf der anderen Seite sollen die Untersuchungen und die Kartierung auch die weniger versorgten Standorte aufzeigen, die aufgrund ihrer Hängigkeit und der Lage eventuell zur Trockenheit neigen. Diese eigenen sich eher für einen Douglasien- Buchenbestand. Auf Böden mit Staunässe durch zuviel gespeichertes Regenwasser können vorzugsweise Stieleichen gepflanzt werden. "Damit soll", so Weigel "wieder ein Wald entstehen, der nachfolgenden Generationen Erholung und saubere Luft schenken wird".



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