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Grünen-Fraktionschef Gerhard Fiedler verlässt Bad Münder

Lob und Anerkennung selbst vom politischen Gegenüber

Bad Münder (bdi). Er hat seinen Ratskollegen die Leviten gelesen, sie zornig ermahnt und auch unpopuläre Entscheidungen eisern und mit geradem Rücken verteidigt – nun steht er mit gesenktem Blick vor seinen eigenen Gästen. Es sei ihm ein bisschen peinlich, dass um seinen Abschied soviel Aufhebens gemacht werde, sagt Gerhard Fiedler. Personenkult sei bei den Grünen schließlich verpönt – aber bedanken müsse er sich doch bei diesem seinem letzten Auftritt auf der politischen Bühne Bad Münders.

„Unser Gerhard“ titeln seine Mitstreiter in einer Erinnerungsurkunde – Kerstin Rieke-Herbold überreicht sie Ge

Fiedler wird in den nächsten Monaten nach Lilienthal in der Nähe von Bremen umziehen um somit sein weiteres Leben in der Nähe seines Sohnes verbringen. „Das Teufelsmoor wird dann den Süntel ersetzen“, fügt der Rentner hinzu. Der Abschied vom Süntel fällt ihm schwer: „Die Landschaft hier hat mir sehr gefallen.“ Zum Abschied von langjährigen Weggefährten hat er an den Ort geladen, an dem er sonst die Position der Grünen, denen er als Fraktionschef im Rat vorsteht, vertritt: die Ziegenbuche. Seiner Einladung sind viele gefolgt – Freunde, aber auch politische Gegner. Oder, wie Fiedler sie selbst nennt: „Menschen mit anderen Schwerpunkten.“ Eine Formulierung, die Charakterzüge hervorhebt, die auch seine Gäste bei ihm schätzten: Fairness und Gerechtigkeit. Seine Parteikollegin Kerstin Rieke-Herbold formuliert es treffend: „Er ist einer, der Ungerechtigkeit überhaupt nicht ertragen kann.“ Neben diesen Eigenschaften stellt der SPD-Ratsherr Swen Fischer, der viele Jahre im Stadtrat mit Fiedler gestritten, diskutiert aber auch kooperiert hat, ebenso die Gradlinigkeit und Hartnäckigkeit des Grünen-Politikers heraus. Komplettiert wird Fiedlers Charakterisierung schlussendlich durch Hans-Ulrich Siegmund (CDU), der noch die Gründlichkeit hervorbebt: „Für jede Sitzung warst Du gut vorbereitet.“

Insgesamt hat Fiedler 16 Jahre kommunale Politik in Bad Münder mitgestaltet. Damals steckte die Politik der Grünen noch in den „Anfangsschuhen“, wie es Fiedlers Vorgänger, Thomas Schröder, formulierte: „Da waren so ein, zwei zugereiste Ökospinner – eigentlich ein hoffnungsloser Fall.“ Eine Zeit, auf die Fiedler aber gerne zurückschaut: „Es hat mir so viel Spaß gemacht“, sagt der gebürtige Thüringer, der nach 37 Jahren in Bad Münder seine Zelte abbricht.

In den eineinhalb Dekaden seines politischen Wirkens hat er mit seinen Mitstreitern einiges erreicht: Dazu zählt er die Einsetzung der Gleichstellungsbeauftragten, aber auch die Abwehr des „Deisterparks“. Mit der Unterzeichnung des Zukunftsvertrages sei „das Projekt im Grunde endgültig zu den Akten gelegt“. Sein Abschied komme also eigentlich zu einem guten Zeitpunkt.

Dennoch herrscht allgemeines Bedauern im Saal, das auch Fiedler nicht einfach beiseite fegen kann: „Ich war immer um einen fairen Umgang miteinander bemüht. Ob ich das immer geschafft habe? Das weiß ich nicht. Hat man denn selber immer Recht? Es wäre vermessen, wenn man so denken würde.“ Wer den Platz des 73-Jährigen in Zukunft einnehmen wird, entscheiden die Wahlen im September – offiziell entlassen wird er als Stadtrat erst im November. „Dann bin ich aber schon längst weg“, verabschiedet sich Fiedler.



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