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Listen für Wahl der Kirchenvorstände sind längst nicht voll

BAD MÜNDER. Margret Luther hört auf – aber sie hofft, dass viele andere anfangen. Anfangen, sich in ihrer Kirchengemeinde stärker zu engagieren, Verantwortung im Kirchenvorstand zu übernehmen. Noch bis zum 22. Januar haben Interessierte Gelegenheit, sich auf die Bewerberlisten für die Wahl am 11. März setzen zu lassen.

Nach 30 Jahren soll Schluss sein: Margret Luther wird nicht wieder für den Kirchenvorstand kandidieren. Foto: Rathmann
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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Alle sechs Jahre werden die Mitglieder der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden an die Urnen gebeten, um neue Kirchenvorstände zu wählen. Die Kirchenvorstandswahlen werden auf diese Weise zu einer Art kirchlicher Kommunalwahlen, denn die Mitglieder entscheiden, wer aus ihrer eigenen Gemeinde künftig ihre Interessen, das christliche Miteinander vor Ort, als Kirchenvorsteherin und Kirchenvorsteher mitgestalten sollen.

30 Jahre lang wird zum Ende der aktuellen Wahlperiode Margret Luther das Leben in der Petri-Pauli-Gemeinde maßgeblich mitgestaltet haben, alleine zwölf Jahre als Vorsitzende des Kirchenvorstandes, zuvor sechs Jahre als stellvertretende Vorsitzende. Eine lange Zeit, die es ihr sehr wohl erlaubt, die Entwicklung in der größten Gemeinde im Stadtgebiet einzuordnen – und Luther kommt zu dem Schluss, dass es aktuell deutlich schwerer fällt, Gemeindemitglieder für eine Mitarbeit im Kirchenvorstand zu begeistern und sie zur Kandidatur zu bewegen. „Vor sechs Jahren ging das noch deutlich einfacher. Damals haben wir uns entschlossen, die Zahl der Kirchenvorstandsmitglieder auf zehn zu erhöhen und so die Arbeit breiter zu verteilen“, sagt sie. Sieben Mitglieder wurden von der Gemeinde gewählt, drei weitere vom Kirchenvorstand berufen.

Bereits kurz nach den Sommerferien im vergangenen Jahr habe sie mit ihren Mitstreitern begonnen, potenzielle Kandidaten anzusprechen und für eine Mitarbeit im Vorstand zu werben, zumal sich abzeichnete, dass nicht nur sie selbst, sondern auch weitere amtierende Mitglieder nicht erneut kandidieren werden. Die Reaktionen waren verhalten, sagt Luther – mit viel Mühe hätten nun elf Bewerber gefunden werden können.

Die Schwierigkeiten in Bad Münders größter Gemeinde sind symptomatisch – auch in anderen Gemeinden tun sich die Vorsitzenden der Kirchenvorstände schwer, Gemeindemitglieder zur aktiven Mitarbeit im Vorstand zu bewegen.

In Hachmühlen machte kürzlich beim Neujahrsempfang der Gemeinde Ralf Flügge-Kranz seiner Enttäuschung Luft und prognostizierte, dass es in sechs Jahren vermutlich nur noch gemeinsam mit der benachbarten Gemeinde Flegessen gelingen werde, einen Kirchenvorstand zu stellen. Nach zahlreichen Absagen hatte er in diesem Jahr sogar überlegt, einen drastischen Schritt zu gehen, um der Gemeinde die Situation plastisch vor Augen zu führen: „Bei weniger als vier Kandidaten hätte ich die Wahl ausfallen lassen. Dann wäre ein Kirchenvorstand von oben eingesetzt worden“, sagt er. Aktuell aber stehen vier Kandidaten auf der Bewerberliste in Hachmühlen. Eigentlich zu wenig angesichts der guten Arbeit, die der amtierende Vorstand nach Auffassung des Vorsitzenden in den vergangenen Jahren geleistet hat. „Wir haben neue Impulse gesetzt, etwas bewegt, einen eigenen Beratungsprozess initiiert, um uns gut aufzustellen.“ Aktivitäten, die in der rund 800 Mitglieder starken Gemeinde durchaus wahrgenommen wurden. Und doch: „Niemand will mehr Verpflichtungen eingehen. Die Leute sind einfach nicht mehr bereit, sich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen. Und die, die es sind, haben oftmals schon mehrere ehrenamtliche Verpflichtungen“, sagt Flügge-Kranz.

Bereits beim Neujahrsempfang im vergangenen Jahr habe er auf die in diesem Jahr anstehende Wahl hingewiesen und darum gebeten, dass sich Interessierte melden. „Die Reaktion war ein echter Tiefschlag. Niemand hat sich gemeldet.“ Dennoch hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich – quasi auf den letzten Metern – doch noch Interessierte melden. „Es ist eine erfüllende ehrenamtliche Arbeit, sie gibt viel zurück.“

Und auch in der St. Magnus-Gemeinde in Beber, zu der auch Schmarrie und Rohrsen gehören, treibt die Kirchenvorstandsvorsitzende Ursula Buschhorn die Sorge um, dass sich nicht ausreichend viele Kandidaten für eine Wahl, bei der die Gemeindemitglieder auch tatsächlich die Wahl haben, finden. „Wir haben reichlich Gespräche geführt, aber immer wieder hört man, dass sich die Leute nicht verpflichten möchten. Mithelfen ja, aber nicht verpflichten.“ Seit zwölf Jahren hat sie den Vorsitz inne, größer sei die Bereitschaft zur Kandidatur, so ihre Feststellung, in der Gemeinde in den vergangenen Jahren nicht geworden. Auch sie hofft, dass es bis zur Schließung der Kandidatenlisten noch gelingen wird, weitere Bewerber zu finden.



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