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Bündnis ruft am 1. März zur Demonstration "gegen Opfermythen" auf

Linke nehmen Miegel ins Visier

Bad Nenndorf (rwe). Die Kurstadt rückt erneut in das Zentrum extremer Propaganda. Am Sonnabend, 1. März, kommt diese aber von der linken Seite und nimmt die Ehrenbürgerin der Stadt ins Visier. Ein "Bündnis gegen Agnes-Miegel-Verherrlichung" hat zu einer Demonstration aufgerufen unter dem Motto "Mit dem Agnes-Miegel-Kult brechen! Gegen Opfermythen und Revisionismus". Diese ist für 14 bis 20 Uhr anmeldet.

Die Polizei ist gewarnt, macht sich auf einen Großeinsatz gefasst. Von einer Gegenbewegung aus der rechtsextremistischen Szene, in der Miegel noch immer verehrt wird, ist bisher aber nichts bekannt. Die Agnes-Miegel-Gesellschaft steht bei ihrem Treffen in diesem Jahr unter einer Art Polizeischutz. Denn anlässlich der traditionellen Zusammenkunft der 1969 gegründeten Miegel-Gesellschaft im "Hotel Hannover" sammeln sich die Vertreter linker Gruppen am Bahnhof und marschieren durch die Stadt zum Agnes-Miegel-Platz, auf dem sie eine erste Kundgebung planen. Danach kehren sie um, gehen zurück, und nehmen am Wincklerbad vorbei Kurs vor dem Haus Kassel. Vor der Touristinformation in der Kurhausstraße kommt es dann wenige Meter vom Tagungsort der Miegel-Anhänger zur zweiten Anfrage. "Wir haben die Route danach ein wenig geändert", sagt Pressesprecher Klaus Heimann vom Landkreis, der die Demonstration genehmigt hat. Ursprünglich wollten die Veranstalter ihren Protestweg direkt am Hotel Hannover vorbei durch die Fußgängerzone fortsetzen, doch dem schoben die Behörden einen Riegel vor. Zurück geht es durch d ie Kurhausstraße in Richtung Bahnhof. Mit der veränderten Route können die Organisatoren gut leben. "Wir kommen in friedlicher Absicht und wollen die Veranstaltung der Agnes-Miegel-Gesellschaft nicht blockieren", sagt Bündnis-Sprecher Martin Angenfort auf Anfrage. 150 bis 200 Sympathisanten aus dem linken Spektrum erwartet er am Sonnabend. Die ersten Vorboten hatten Angenfort& Co. bereits vergangene Woche ausgesandt. In der Nacht auf Freitag verschnürten Bündnis-Angehörige das Agnes-Miegel-Denkmal im Kurpark. "Mit dieser symbolischen Aktion wollen wir unserer Ablehnung gegen die in Bad Nenndorf begangene Verherrlichung der Dichterin Agnes Miegel Ausdruck verleihen", so Angenfort. Aufmerksam geworden auf die 1954 verliehene Ehrenbürgerschaft Miegels, die von 1948 bis zu ihrem Tod 1964 in Nenndorf lebte, waren die Veranstalter vor allem durch die Demonstrationen der Rechtsextremisten in den vergangenen beiden Jahren. Angenfort: "Es ist an der Zeit, eine Diskussion über Agnes Miegel anzuregen." Er lässt sich nicht davon beeindrucken, dass der Protest auch die Neonazis auf den Plan rufen könnte. "Es wäre ja ein deutliches Zeichen, wenn die sich für Miegel einsetzen." Bis gestern ist beim Landkreis von der rechtsextremen Seite aber keine Anmeldung für einen Gegenprotest eingegangen, dieser wäre aber auch spontan möglich. Deshalb dürfte die Polizei am Sonnabend wieder mit einem Großaufgebot aufmarschieren. Aber nicht nur die Agnes-Miegel-Tage haben die Veranstalter zu der Demonstration ermutigt, sondern auch Proteste in anderen Städten. So fordern die Linken in Wilhelmshaven und Düsseldorf, dortige Miegel-Schulen umzubenennen, in Erlangen streiten die Grünen dafür, eine Straße umzutaufen und stattdessen einer Verfolgten des Nazi-Regimes zu widmen. Bad Nenndorfs Stadtdirektor Bernd Reese hofft, dass die Demonstration friedlich bleibt und die Kurstadt ohne großen Imageschaden davon kommt. Ob sich aus dem Protest eine Debatte um die Ehrenbürgerschaft entwickeln könnte, kommentiert er nur kurz. "Die Diskussion hat doch schon längst begonnen." Die Veranstalter der Demonstration werfen Miegel vor, diese sei eine Anhängerin des Nationalsozialismus gewesen, 1933 in die nazistische "Deutsche Akademie der Dichtung" eingetreten, 1937 in die "NS-Frauen schaft" und 1940 in die NSDAP. "Sie erhielt in dieser Zeit zahlreiche Auszeichnungen des NS-Regimes, darunter das Ehrenzeichen der Hitlerjugend, so Angenfort. Weitere Berichterstattung morgen.



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