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Liebgewonnenes Ritual und Kult-Klassiker

Bad Münder. „Dinner for one“, erstmals 1963 im NDR-Fernsehen gezeigt, ist Silvester-Kult und liebgewordenes Ritual. Die Idee freilich, den Klassiker in einem Gottesdienst zu zeigen, dürfte neu sein. Beim Filmgottesdienst an Silvester war die Petri-Pauli-Kirche deshalb auch rappelvoll.

Rundum gelungen: „Dinner for One“ im Filmgottesdienst. Foto: HZS

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Christoph Huppert Reporter

18 Mal umrundet Freddie Frinton als Butler James den Tisch, 11 Mal stolpert er über den Tigerkopf, bis er nach 14 Gläsern diverser Alkoholika verschmitzt grinsend lallt: „Well, I´ll do my very best.“ „Dinner for One“ oder „Der 90. Geburtstag“ ist laut Guinnessbuch der Rekorde der am häufigsten wiederholte Fernsehsketch. Die Idee freilich, den Klassiker in einem Gottesdienst zu zeigen, dürfte neu sein. Beim Filmgottesdienst an Silvester war die Petri-Pauli-Kirche deshalb auch rappelvoll. Gottesdienst, Predigt, Gemeindegesang, alles rankte sich um den knapp halbstündigen Film. Um dessen Aufführungsrechte hatten sich Pastor Dietmar Adler und sein Team direkt bei der Agentin der Witwe des 1968 verstorbenen Freddie Frinton bemüht. Mit Erfolg.

Das Ergebnis: ein Gottesdienst der ganz besonderen, etwas anderen Art. Mit deutsch-englischen Kirchenliedtexten zum Mitsingen, von Kantor Dean Schrammar am Keyboard begleitet, mit Erläuterungen und Interpretationsansätzen zum Film samt dialogischer Predigt.

„Ja, wir freuen uns, dass die Gemeinde so gut mitgegangen ist“, so Dietmar Adler hinterher. Humor gehöre auch in die Kirche. „Wir lachen ja letztlich auch über uns, denn wir stolpern wie James immer wieder, und trinken auch manchmal ein bisschen zuviel.“

Für Adler liegen die Bezüge des Sketches zu christlichen Inhalten auf der Hand: „Wir brauchen Rituale, und die gehören auch zur Kirche. Wir teilen das Jahr danach ein, ja unser ganzes Leben. Und auch die Tatsache, dass im Sketch die Toten imaginär mitfeiern dürfen, ist zutiefst in unserem Glauben verankert. Sie sind nicht tot, sondern leben mit uns weiter, bei Gott geborgen.“

Die frische und lebendige Gottesdienstgestaltung kam an. Das Lachen der Besucher, die Begeisterung der Kinder mischte sich mit dem Lachen, das von der Leinwand herunterschallte. Auch die Mitglieder der katholischen Gemeinde waren rundum begeistert. „Grandios, super, richtig toll“, kommentierte etwa Maria Ballmaier den evangelischen Silvestergottesdienst. „Tolle Gestaltung und vor allem ein tolles Team“, lobte die Pastoralratsvorsitzende der katholischen St. Johannes Baptist-Gemeinde. „Mit dem Zusammenklang von Abendmahl und Dinner for One haben wir kein Problem“, ergänzte ihr Ehemann Matthias. „Im Gegenteil, Dinner for One, Dinner für viele.“

„Ich gestehe, dass ich Silvester noch nie in der Kirche war“, so Peggy Zawilla, die Chefin des Didel-Dadel-Dum-Jugendtheaters aus Beber. „Aber das war einfach herrlich. Ein wundervolles Stückchen Komödie, exzellent in den Gottesdienst eingepasst.“

Und Grundschul-Musiklehrer Matthias Brodtmann stellte fest: „Ich finde die Idee total klasse. Was mir besonders gut gefallen hat, war das Zusammenspiel zwischen englischen und deutschen Texten, die auf die Leinwand projiziert und mitgesungen werden konnten. Toller Einfall.“

Die Reihe der Filmgottesdienste in der Petri-Pauli-Kirche ist nicht neu. Doch der Sketchklassiker könnte sich auch hier zu einem Ritual entwickeln. Neben dem fröhlichen „Cheerio Miss Sophie“ wurde deren Bitte „Same procedure as every year“ bei der Premiere rundum positiv beantwortet.



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