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Zwischen Kokerei und Kunstprojekt – Das Ruhrgebiet spielt Metropole und bietet unzählige niveauvolle Attraktionen

Licht im Schacht: Der Pott als glanzvolle Kulturhauptstadt

Von Julia Marre

Gigantischer Turm: Gasometer Oberhausen.

Als Kulturhauptstadt Europas feiert sich das Ruhrgebiet ein Jahr lang selbst. Zeit also, um dem Pott einmal einen Besuch abzustatten. Keine Frage, Deutschlands größter Ballungsraum ist derzeit in aller Munde. „Ich habe gehört, dass das Ruhrgebiet das New York Europas ist“, sagte kürzlich etwa der britische Schauspieler Sir Christopher Lee. Ganz unrecht hat er damit nicht: Immerhin passiert auf nordrhein-westfälischem Boden derzeit so viel und so viel Niveauvolles an Tanz, Theater, Musik und Mystischem,Lichtkunst, Literatur, Show und Sehenswertem, wie wohl noch nie zuvor. Na gut, dass es im Ruhrgebiet voll ist, ist nichts Neues – wie Kabarettist Hagen Rether so schön verlauten lässt: „Essen ist Kulturhauptstadt. Die wollen jetzt für eine Aktion die A 40 dichtmachen. Die kenn’ ich gar nicht anders.“

Doch wohin bloß inmitten all der Attraktionen? Was ist besonders sehenswert? Und was auch noch zu besichtigen, wenn die Heerscharen von Besuchern das Feld wieder geräumt haben? Ein Streifzug:

Zentrum für Lichtkunst in Unna

Als junge Kunstgattung gilt die Lichtkunst. In den 1960er Jahren entstanden, nutzt sie künstliches Licht als Gestaltungsmedium. Schwebende Neonröhren, Licht als Wasserfall: Das zeigt das Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna, das weltweit erste und einzige Museum, das sich nur der Lichtkunst widmet. Ende Mai 2001 in der ehemaligen Lindenbrauerei eröffnet, gibt es hier eine faszinierende Präsentationsfläche. Ganze 52 Meter hoch ragt der Schornstein der Brauerei in den Himmel – und unter der Erde warten 2400 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf die Besucher: labyrinthische Gänge, Kühlräume und Gärbecken der einstigen Braustätte.

Groß angelegtes Projekt: „2-3 Straßen“ in Duisburg.
  • Groß angelegtes Projekt: „2-3 Straßen“ in Duisburg.
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Grandiose Einblicke: die Villa Hügel in Essen.  Foto: Candida Hö
  • Grandiose Einblicke: die Villa Hügel in Essen. Foto: Candida Höfer

Villa Hügel in Essen

Von 1870 bis 1873 erbaute Alfred Krupp die Villa Hügel – als Wohnhaus für sich und seine Familie. Doch auch Kaiser und Könige, Politiker und Regierungschefs aus aller Welt empfing der erfolgreiche Industrieunternehmer in seinen Räumen. Im Jahr 1953 fand hier die erste bedeutende Kunstausstellung statt. 1984 gründete Berthold Beitz die Kulturstiftung Ruhr mit Sitz in der Villa. Er gab ihr den Auftrag, „dem kulturellen Leben im Ruhrgebiet neue Impulse zu geben“. Sie setzt bis heute die Tradition der großen Ausstellungen auf Villa Hügel fort. Zudem ist im Nebengebäude das Krupp-Museum zur Firmengeschichte untergebracht; zu besichtigen ist auch die Wohnkultur der Krupps zur Gründerzeit.

Zeche Zollverein Essen

Das berühmteste Bergwerk der Welt ist der perfekte Startpunkt für jeden „Ruhrlaub“. Ehemalige Bergleute führen durch das heutige Unesco-Welterbe, bewundern lässt sich im nagelneuen Ruhrmuseum die multimediale Aufbereitung des Mythos Ruhrgebiet. Im Kasino in der alten Kompressorhalle wird Bergmannskost auf Sterneniveau serviert. Auf einer 60 Meter langen, frei schwebenden Rolltreppe fährt man anschließend zur 24-Meter-Ebene der ehemaligen Kohlenwäsche in die zentrale Besucherinfo der Kulturhauptstadt Ruhr 2010.

Projekt „2-3 Straßen“ in Duisburg

Von außen sehen sie aus wie übliche Ruhrgebietsstraßen. Hinter den Wohnungstüren jedoch läuft ein gewaltiger Modellversuch ab: 1405 Personen aus allen Teilen der Welt haben sich beim Initiator, dem Gegenwartskünstler Jochen Gerz, beworben. Was sie gemeinsam haben: Sie wollen in Duisburg, Mülheim und Dortmund ein Jahr lang mietfrei wohnen – und durch das Miteinander die soziale Situation vor Ort verändern. Mit ihrer kulturellen und kreativen Präsenz treten die Mieter der „2-3 Straßen“ in einen Austausch mit den alten Bewohnern. Ihre Erfahrungen halten die Probanden schriftlich in einem Buch fest und auch Besucher, die ausdrücklich dazu eingeladen sind, zu stören, dürfen daran mitschreiben.

Gasometer Oberhausen

Das Gasometer, 1927 und 1929 als Scheibengasbehälter errichtet, ist eines der bekanntesten Industriedenkmäler des Ruhrgebiets. Es erzeugt Gänsehaut, wenn man in der riesigen Tonne aus Metall steht. Der weithin sichtbare, stählerne Zylinder des Gasometers diente bis 1988 als Zwischenspeicher für Kokereigas und wurde dann zur ungewöhnlichsten Ausstellungshalle Europas umgebaut. Die erlebte bereits spektakuläre Projekte wie „The Wall“ von Christo und Jeanne-Claude, die aktuelle Dauerausstellung heißt „Wunder des Sonnensystems“ mit dem größten künstlichen Mond der Welt. Hinauf zu den Plattformen in 117 Meter Höhe führt ein gläserner Fahrstuhl im Zylinderinneren.

Landschaftspark Duisburg Nord

Zu Deutschlands verrücktestem Park sollte man abends fahren: Das 1985 stillgelegte Thyssen-Stahlwerk ist dann eine einzige Lichtskulptur. Auch sonst tut sich hier Spannendes: Die alte Gebläsehalle wird als Konzerthalle genutzt, die Kraftzentrale mit Events bespielt. Auf der Tribüne der Abstichhalle laufen Kinofilme. Der Alpenverein beklettert die bis zu 16 Meter hohen Betonwände der Erzbunker. Den mit Wasser gefüllten Gasometer nutzen Taucher zum Training.

Gehen Sie auf Ruhrtour – mit der Dewezet-Leserreise vom 20. bis 22. August erkunden Sie die oben genannten Highlights. Sie übernachten im 4-Sterne-Maritim-Hotel Gelsenkirchen, erleben exklusive Führungen und Ganztagesreiseleitung sowie eine Schiffsfahrt auf dem Rhein-Herne-Kanal. Die An- und Abreise erfolgt im Bus der Firma Herter Reisen. Der Preis im Doppelzimmer: 348 Euro pro Person. Weitere Informationen unter Tel. 0 51 51/ 200-555.

Kulturhauptstadt – ein von der Europäischen Union verliehener Titel zieht weite Kreise: Inmitten der Halde Rheinelbe thront die „Himmelsleiter“ von Herman Prigann.

Foto: Jochen Knobloch/ Ruhr.2010

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