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Lesung startet mit Dramatik in den Frühling

FLEGESSEN. Stahlblauer Himmel, ein Blütenmeer und ein sanftes Mailüftchen, kurz: ein Frühlingssonntag wie aus dem Bilderbuch. Doch wer von den beiden Rezitatoren nun Frühlingslyrik erwartet hatte, wurde angenehm enttäuscht.

Gudrun Winkler und Jürgen Schoormann präsentieren Texte von Goethe, Brecht und anderen Denkern. Foto: Huppert

Autor

Christoph Huppert Reporter

Unter dem Motto „Dramatische Duette“ hatten Gudrun Winkler und Jürgen Schoormann für ihre Lesung im Hofcafé ausnahmslos Szenen aus bekannten klassischen Dramen ausgewählt. „Die haben wir so ausgesucht, dass es für zwei Personen passt“, so der ehemalige Schulleiter des Hamelner Viktoria-Luise-Gymnasiums. In seiner Jugend hatte der heute 82-Jährige am Göttinger Theater eine Sprecherausbildung genossen. „Ich mache Lesungen, seit ich in Hameln bin, seit 1965, und als Pensionär besonders gerne.“

Zusammen mit seiner gleichaltrigen ehemaligen Kollegin, einer Lehrerin für Deutsch und Geschichte, hat Schoormann eine große Fangemeinde, die im Hofcafé die Texte von Goethe, Brecht, Anouilh und anderen Dramatikern sichtlich genoss. Mal heiter, doch überwiegend ernst, so der Grundton der Lesung. „Alles Texte von außerordentlich hoher Qualität“, kommentiert Schoormann die Auswahl. „Eigentlich müsste es dramatische Duelle heißen, denn es geht immer um existenzielle Konflikte wie etwa im Dialog zwischen Kreon und Antigone im Anouilh.“

Neben Auszügen aus Brechts „Kaukasischem Kreidekreis“ stellten sie auch einen weniger bekannten Auszug aus „Ein Phoenix zuviel“ des britischen Dramatikers Christopher Fry vor. Fry, Jahrgang 1907, wurde vor allem durch seine geistreichen Verskomödien bekannt, in denen er ähnlich wie Anouilh und T.S. Eliot spielerische Leichtigkeit mit scharfsichtiger Betrachtung menschlicher Existenz verbindet. „Ein Phoenix zuviel“ ist die moderne Rezeption der Wandersage um die Witwe von Ephesus. Schoormann erklärt: „Ein Soldat muss einige Gehenkte bewachen, kommt ins Gespräch mit einer Frau, verliebt sich und die beiden finden eine originelle wie dramatische Lösung.“

„Die Texte sind zeitlos, eben klassisch“, so die beiden Vortragenden. „Jede Generation entdeckt sie neu und findet andere interessante Zugänge“, weiß Winkler. „Mir macht das auch heute noch Spaß, denn Schüler sehen manchmal ganz andere Aspekte. Die Texte sind auch heute noch ‚in‘.“

„Die beiden gehören zum Standardprogramm bei uns“, sagt Carsten Sturm vom Hofcafé-Team. „Wir machen unser Programm weiter“, kündigt er an. Von Weltmusik bis zu klassischer Dramatik reicht dabei die Spannweite des Angebots. Sehr zum Vergnügen des Publikums, das den etwas anderen Start in den Frühling mit Applaus quittierte.



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