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NDZ-Interview mit der Gruppe Wind / Aktuelles Album: „Auf Kurs“

„Leinen los“ und mit voller Kraft zum nächsten Grand Prix?

Mit ihrem aktuellen Album „Auf Kurs“ melden sich Andreas, Iris und Natasja wieder eindrucksvoll zurück.

30 Minuten stand uns die Gruppe Rede und Antwort.

Es weht wieder eine frische Brise in der deutschen Schlagerlandschaft. Nach dem Motto „Ein Ende kann ein neuer Anfang sein“ trennte sich die Gruppe „Wind“ 2008 von Albert Oberloher, der bis zu diesem Zeitpunkt auch die Formation managte. Im gleichen Atemzug wechselte man zur Plattenfirma Palm Records. Am 20. Mai präsentierten die verbleibenden Mitglieder Iris Criens, Natasja Marinkovic und Andreas Lebbing in Bochum ihr neues Album „Auf Kurs“, das am 26. Juni veröffentlicht werden soll.

Andreas: Wir haben viel Herzblut in diese Produktion gesteckt, wert darauf gelegt, dass wir ohne Wenn und Aber hinter jedem dieser Songs stehen, uns so mit jedem Lied identifizieren können. 20 Titel haben wir komponiert, 12 dann letztendlich auf das Album gepackt – dazu kommen noch zwei Remixe. Zudem war es für uns wichtig, dass der typische Wind-Sound erhalten bleibt – ich glaube, das ist uns gut gelungen.

Die Studioarbeit hat uns allen sehr viel Spaß gemacht, sicher auch ein Verdienst von Ali Menke, mit dem ich das Album produziert habe. Mit Ali hat das arbeitsmäßig sofort funktioniert, daher konnten wird den Longplayer auch relativ schnell fertigstellen.

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Natasja: Wir sind eben schnell wie der Wind.

Iris: Wir haben die fertig produzierten Lieder nach Hause geschickt bekommen. Es waren genau die Songs, die ich immer singen wollte. In diese musikalische Richtung wollten wir uns bewegen, das ist Ali und Andreas perfekt gelungen.

Andreas: Das ist auch einer der Gründe gewesen, warum wir uns von Albert getrennt haben. Insbesondere in den letzten beiden Jahren wurde klar, in welche Richtung er und in welche Richtung wir gehen wollten. Für mich stand zunächst fest, dass ich Wind verlasse, daher habe ich auch das zweite Album „vielfarbig“ als Solointerpret aufgenommen. Wir haben uns dann noch einmal zusammengesetzt und uns für ein Weitermachen als Trio entschieden.

Natasja schmunzelnd: Rein vom Gesang fehlt da eh nicht viel. Mit der jetzigen Konstellation können wir daher gut leben.

„Germany 12 Points“ – laut Grand Prix-Chronisten haben wir diese Punkzahl in den letzten 10 Jahren nicht oft erreicht. Auch in diesem Jahr kam Deutschland über einen 20. Platz nicht hinaus. Gern erinnern wir uns da noch an das Jahr 1982, als Nicole mit ihrem Siegertitel „Ein bisschen Frieden“ die Herzen Europas im Eiltempo eroberte. Danach schafften es nur noch MeKaDo (1994), Sürpriz (1999) und Wind aufs Siegertreppchen – letztere 1985 mit „Für alle“ und 1987 mit „Lass die Sonne in dein Herz“ gleich zweimal. Für beide Songs gab’s die Silbermedaille. 1992 waren sie mit „Träume sind für alle da“ in Malmö sogar zum dritten Mal dabei – 1998 und 1999 bei der deutschen Vorausscheidung. Damit gehört die Gruppe Wind, zusammen mit Nicole, zu den bis dato erfolgreichsten deutschen Grand-Prix-Teilnehmern aller Zeiten.

Andreas: Ich bin der Meinung, dass wir zurzeit so gut wie nie sind. Insbesondere unser neues Album zeigt, dass wir uns musikalisch weiterentwickelt haben. Immer wieder gab es seit Gründung der Gruppe Umbesetzungen. Natürlich war die erste Formation mehr oder weniger eine gecastete Band. Das hat Ralph Siegel schon früher so gemacht. Auch bei Dschinghis Khan war das so – wenig Gesang, viel Staffage. So eine Formation hältst du natürlich nicht so lange zusammen. Trotzdem hätte ich mich gefreut, wenn man uns in diesem Jahr auch zur Party nach Hamburg eingeladen hätte. Aber inzwischen sind wir schon gewohnt, dass man uns ab und an Knüppel zwischen die Beine wirft.

Immer wieder überraschte Wind die Menschen mit außergewöhnlichen Produktionen. So auch im 2004, als ein amerikanischer Produzent die Gruppe mit einem ABBA-Titel in Deutsch im deutschen Fernsehen sah.

Genau das Richtige für den amerikanischen Markt, dachte er – Klassiker und Evergreens von Mozart und Brahms, angereichert mit Songs von Bert Kaempfert sowie James Last.

Andreas: Im wahrsten Sinne des Wortes „zu früh gefreut“, denn als der Irak-Krieg kam und Deutschland sich nicht so einbrachte, wie von den USA erhofft, wurde das Projekt kurzerhand gecancelt. Okay, dann bringen wir es eben in Deutschland auf den Markt. Im September 2004 erschien mit „Wunderbar – Our Dream Comes True“ die CD, zwei Jahre später unter demselben Titel eine Live-DVD. Mit der gleichnamigen Musik-Revue gingen wir dann auf Tour, haben aber zu den ursprünglichen Titeln noch einige Hits von uns und Medleys von den Les Humphrey Singers, ABBA und Dschinghis Khan dazu genommen.

Fragt man die einzelnen Gruppenmitglieder nach ihren Karriere-Highlights, erhält man die unterschiedlichsten Antworten.

Andreas: Ich bin seit 1987 dabei und habe natürlich etwas mehr zu berichten, als Iris und Nasti.

„Wetten das!“ mit Frank Elstner war toll, die Zeit nach dem zweiten Platz beim Grand Prix 1987 ebenfalls. Nach unserem Sieg beim deutschen Vorentscheid 1987 überreichte uns Catarina Valente den Preis – einfach beeindruckend diese Frau – ein Multitalent mit einer ungeheuren Ausstrahlung.

Iris, seit 1993 dabei, zählt ihren ersten Hitparaden-Auftritt zu den Highlights - für Nasti, seit 1998 in den Reihen von Wind, hat das Jahr 1999 in Sachen Highlights eine ganz andere Bedeutung.

Natasja: Die Teilnahme am deutschen Vorentscheid 1999 gehörte ohne Zweifel zu meinen Karriere-Highlights – jedoch mit einem bitteren Beigeschmack. Bei unserem Auftritt ist eine Endstufe geplatzt und die Monitore waren defekt. Wir hörten nur einen hohen Piepton, haben dadurch zeitversetzt gesungen – eine mittelschwere Katastrophe, die von den Organisatoren auch im Nachhinein nicht aufgeklärt wurde. Es wäre leicht gewesen, das Publikum zu informieren, was da eigentlich gerade passiert war.

Andreas: Da wir gerade von den kleinen Katastrophen sprechen: Mit einem sechsminütigen Medley aus unserer „Wunderbar“-Revue sollten wir bei Florian Silbereisen auftreten - ganz großes Kino, in tollen Glitzerklamotten eine Showtreppe runtergehen, dazu Songs aus der DVD. Kurz vorher liefen wir in einer vorgezogenen ZDF-Sendung mit „Lass die Sonne in dein Herz“. Da uns eine Klausel verbat, kurz vorher in einer Fernsehsendung aufzutreten, flogen wir aus der Sendung. Es hat Tage gedauert, bis wir uns von diesem Ereignis erholt hatten, denn alles war schon Wochen vorher auf diesen Tag abgestimmt worden.

Wind ist wieder „Auf Kurs“ – in welche Richtung die Gruppe in den nächsten Monaten schippern wird, steht zurzeit noch in den Sternen. Wünschen wir dem sympathischen Trio für die Zukunft alles Gute. Leinen los, Richtung Grand Prix und endlich mal wieder „12 Points“ für Deutschland – Let The Dream Come True.

So stark wie nie: Natasja, Andreas und Iris (von links) bei ihrem umjubelten Auftritt in der Color Line Arena.



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