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Der Geist des Hippie-Sommers beflügelt noch heute

Legendärer „Summer of 69“: Der Woodstock-Kult wird 40

Weserbergland / Woodstock. „Summer of 69.“ Bryan Adams hatte in den Achtzigern mit diesem Titel das legendäre Festival-Jahr der Rockmusik geehrt. In diesem Sommer jährt sich der Woodstock-Kult zum 40. Mal. Aber es war nicht allein Woodstock. Es war eine Reihe von großen Open-Air-Festivals, deren Finish im Woodstock Music and Art Fair Mitte August einen gigantischen Höhepunkt fand. Und ob London, Tennessee oder Weserbergland: Woodstock lebt und ist bis heute überall spürbar.

Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Es waren mehr als nur musikalische Höhepunkte

Höhepunkte gab es dort übrigens mehr als nur die musikalischen. Freie Liebe ließ viele der fast 450 000 Menschen in die Büsche springen. Der Summer of 69 ging damit nicht nur in die Geschichte ein, sondern erschuf ebenso die Zukunft – jedenfalls sind viele Kinder derer, die damals der friedlichen Hippie-Bewegung folgten, heute um die 40 Jahre alt…

20. Juni 1969. Das „Newport 69“-Festival in Kalifornien im San Fernando Valley State College eröffnet mit Künstlern wie Marvin Gaye, Janis Joplin, Ike & Tina Turner oder Eric Burdon den Festival-Sommer der Liebe.

27. Juni 1969. Auftakt für das Denver Pop Festival. Joe Cocker, Creedence Clearwater Revival und Jimi Hendrix, der hier zum letzten Mal mit seiner Band The Experience auftreten wird, kommen groß raus. Überhaupt scheinen Cocker, CCR und Hendrix keine Pause einlegen zu wollen, denn auf den meisten Festivals dieses Sommers sind sie als Hauptacts gebucht – einschließlich Woodstock. Das schaffen nicht mal die damals längst etablierten Rolling Stones. Die Stones haben aber auch ganz andere Probleme. Denn Brian Jones, Seele der Band, wird tot im Swimmingpool aufgefunden. Zwei Tage später gibt’s mit dem neuen Gitarristen Mick Taylor vor rund 250 000 Zuschauern ein Free Concert im Londoner Hyde Park. Es ist der 5. Juli 1969 (Jones‘ Trauerfeier findet am 10. Juli statt).

4. Juli 1969. Led Zeppelin, CCR, Joe Cocker, Chuck Berry, Canned Heat, Blood, Sweat & Tears… – die Liste der Bands beim Atlanta Pop Festival ist lang.

15. August 1969. Um 17.07 Uhr wird The Woodstock Music Art and Fair von Richie Havens eröffnet. Der erste Tag steht ganz im Zeichen der Folkmusik; auf Havens folgen unter anderem Künstler wie Ravi Shankar und Joan Baez. Zu diesem Zeitpunkt sind geschätzte 150 000 Zuschauer vor Ort. Doch es werden mehr. Viel mehr, als die Veranstalter sich in ihren kühnsten Träumen erhofft hatten. Am zweiten Tag treten unter anderem CCR, Sly & The Family Stone, The Who und Jefferson Airplane auf, am dritten Tag folgen unter anderem Joe Cocker, Ten Years After, Crosby, Stills & Nash, Blood, Sweat & Tears und Carlos Santana, der gerade mit einem furiosen Debütalbum die Welt der Rockmusik durchschüttelt. Nun stehen 450 000 Zuschauer vor der Bühne, und wenn sie das nicht tun, dann liegen sie irgendwo herum und sind niemals allein.

Die außermusikalische Bilanz des Woodstock-Festivals: drei natürliche Tode, zwei Geburten, vier Frühgeburten und massenhafte Befruchtungen sowie einer der längsten Staus in der Geschichte Amerikas auf dem New York State Thruway. Mit dem Titel „Star-Bangled Banner“ beschließt Jimi Hendrix am Morgen des 18. August das Woodstock-Festival, das übrigens nicht in Woodstock, sondern 113 Kilometer entfernt auf der Farm eines gewissen Max Yasgur in Bethel, Sullivan County (Bundesstaat New York) stattfindet.

30. August 1969. Das Isle Of White Festival beginnt. Nicht bloß Großbritannien steht deshalb kopf. Über 100 000 Zuschauer finden sich auf dem Konzertgelände in Wootton ein. Bands und Künstler wie The Moody Blues, Gypsy, Free, Bob Dylan und – wie soll es auch anders sein – Joe Cocker rocken die Insel vor der Küste Südenglands.

11. Juli 2009. 40 Jahre liegt der legendäre Summer Of 69 zurück. Was ist aus dieser Zeit geblieben? Welche Bedeutung hat Woodstock heute? Eine eindeutige Antwort wird es darauf nicht geben. Sehr wohl blicken die „Jünger“ von einst zufrieden auf damals zurück. Andererseits sind viele Künstler auf der Strecke geblieben. Sie ließen entweder ihr Leben oder waren nicht mehr erfolgreich. Den Fans der Rock-, Pop- und Folkmusik fließt der Geist von Woodstock trotzdem noch durch die Adern, selbst wenn sie erst danach geboren worden sind. Denn Woodstock scheint ein ewig schillerndes Ereignis zu sein, eine Art Pfad der Tugend für Fans wie für Musiker. Junge Bands wie Coldplay, Razorlight und Nickelback transportieren den „Spirit“ von einst in Gegenwart und Zukunft. Und die „Alten“ von damals sind noch da. Fünf Beispiele:

Carlos Santana: Sein Konzert im Gerry-Weber-Stadion in Halle/Westfalen findet statt am kommenden Dienstag, 21. Juli, ab 19.30 Uhr. Tickets gibt’s noch im Vorverkauf („Ticket-Service“ nächste Seite) und an der Tageskasse.

Eric Burdon: Kommt mit seinen legendären Animals zum „Burg Herzberg“-Festival. Sein Konzert findet heute statt! Beginn ist um 20.15 Uhr. Die Burg Herzberg ist eine Burgruine im Gemeindegebiet von Breitenbach am Herzberg im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in Hessen und seit Jahren Konzertort für die Traditional Hippie Convention.

John Fogerty (Ex-CCR): Mit „Creedence Clearwater Revival“-Hits kommt Fogerty am nächsten Mittwoch, 23. Juli, zur Burg in Esslingen bei Stuttgart.

Ten Years After: Am 31. Juli geben sie ein Konzert auf dem Fährmannsfestival in Hannover. Und am 29. August ist die Band auf dem From Earth to Universe“ Open Air in Northeim zu sehen.

John Mayall: Für den weißen Blues-Gott lohnt sich auch ein längerer Weg. Seine aktuelle Tournee beschließt er am kommenden Sonntag, 26. Juli, in London.




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