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Stadt Hameln spricht von „unter zehn Prozent“ in der Fußgängerzone

Leerstände – gefühlt oder real?

Hameln. Seit vorgestern drücken sich viele Hamelner die Nase platt an den großen Schaufenstern in der Osterstraße, wagen einen Blick ins Innere und schlendern gleich durch die Gänge: Woolworth eröffnet am kommenden Donnerstag. Das Kaufhaus mit dem Mischsortiment gehört zwar nicht unbedingt zur gehobenen Kategorie, könnte aber wieder mehr Frequenz in die Osterstraße bringen, deren Anlieger im hinteren Teil sich ohnehin etwas abgehängt fühlen, der Sanierung zum Trotz. Ein Leerstand weniger.

Autor:

Christa Koch

Doch das Bild ist schief. Zwar füllt Woolworth den Leerstand wieder auf, den der Preiskämpfer Magowski hier hinterlassen hat, aber: Magowski ist lediglich hier aus- und auf der gegenüberliegenden Seite in einen kleineren Laden gezogen, der zuletzt dem Raumausstatter Weber quasi als Innenstadt-Schaufenster gedient hatte. Auch der Outdoor-Laden Northland füllt nicht wirklich den von Schlecker hinterlassenen Leerstand auf – er siedelte lediglich ein paar Häuser weiter um. Und der kleine Schmuckladen ist ebenfalls nur von Nummer 34 in Nummer 37 gewechselt und hinterlässt ebenso leere Räume wie etwa Schlachter Steding, der bereits im Vorjahr sein Geschäft auf die gegenüberliegende Straßenseite verlagert hatte.

Leerstände gibt es auch in der Bäckerstraße, ebenfalls gerade frisch saniert: Der Telefonshop etwa in der Nummer 45 hat vorerst leere Räume hinterlassen, bei ehemals Sport-Möller herrscht auch gähnende Leere, das Geschäft neben Strumpf-Pommer ist unbewohnt, bei „New Fashion“ werden Nachmieter gesucht, desgleichen beim Schuhgeschäft in der Nähe von Douglas oder einem Laden für Modeschmuck, der von BHW Immobilien vermarktet werden soll. Aber nicht immer künden Plakate mit Handy-Nummern in den Fenstern davon, wer eigentlich Ansprechpartner für eine neue Vermietung ist – manchmal sind Scheiben nur verklebt.

In der Emmernstraße warten die „Goldjungs“ auf einen Nachmieter – der Preis für das Edelmetall ist gefallen, die Kundschaft wohl nicht mehr so zahlreich gewesen. Weiter geht’s in der Fischpfortenstraße, wo es Berufsmoden Wittenberg nicht mehr gibt. In der Wendenstraße schließlich sucht das Antik-Lädchen – ein schnuckeliges kleines Geschäft – einen Nachmieter. Und auch am Münsterkirchhof, dem letzten fußläufigen Bereich in der Altstadt, gibt es einen Leerstand: Seit „Da Mario“, ein italienisches Lokal, genau gegenüber zu finden ist, steht der ursprüngliche kleinere Laden leer.

5 Bilder
Verwaist: das ehemalige Sportgeschäft in der Bäckerstraße.

Für die Stadt ist das alles kein Grund zur Besorgnis. Gefragt nach den aktuellen Zahlen zu Leerständen in den einzelnen Bereichen, verweist Wirtschaftsförderer Andreas Seidel zunächst an Stadtmanager Dennis Andres, der sich auch um das Leerstandsmanagement in Hameln kümmert. Der aber verweist zurück an Seidel, denn Andres wartet auf genaue Zahlen im Rathaus. Und die sind enthalten in einer Art Expertise bei der Hamelner Stadtplanung, die aber nach Seidels Worten noch „intern abgestimmt“ werden müsse. Seidel ist dennoch davon überzeugt, dass es sich in Hamelns guter Stube eher um einen „gefühlten Leerstand“ handelt: Auch wenn er die exakten Zahlen erst noch auf den Tisch bekommen müsse: „Ich bleibe dabei, was ich schon vor einigen Monaten gesagt habe, nämlich dass der Leerstand in der Altstadt nicht mehr als zehn Prozent der Ladenlokale betrifft.“ Größere Probleme sieht der Wirtschaftsförderer vielmehr im Bereich Deister- und Bahnhofstraße. Hier müsse man aufpassen, dass dieses Quartier nicht umkippe und irgendwann abgehängt werde, mahnt er.




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