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Lebenstraum mit 180 Flügeln wurde wahr

Es war das Jahr 1970: Damals kauft sich Wolfgang Busse von seinem ersten Lehrlingslohn seinen ersten Papagei: Eine männliche Gelbscheitel-Amazone für immerhin 400 Mark. Der 15-Jährige, von klein auf Vogelliebhaber und mit Wellensittichen aufgewachsen, erfüllt sich damit einen Traum. Alles, was er jetzt als Elektrikerlehrling verdient, steckt er in sein Hobby. Kurze Zeit später kommt ein Graupapagei dazu und wiederum kurz darauf noch ein grüner und ein grauer.

Besucher der Freiflughalle sind immer wieder von den Tieren beei

Von Willi Jürgens

Es war das Jahr 1970: Damals kauft sich Wolfgang Busse von seinem ersten Lehrlingslohn seinen ersten Papagei: Eine männliche Gelbscheitel-Amazone für immerhin 400 Mark. Der 15-Jährige, von klein auf Vogelliebhaber und mit Wellensittichen aufgewachsen, erfüllt sich damit einen Traum. Alles, was er jetzt als Elektrikerlehrling verdient, steckt er in sein Hobby. Kurze Zeit später kommt ein Graupapagei dazu und wiederum kurz darauf noch ein grüner und ein grauer. Neben seiner Fachliteratur für Elektrotechnik füllt nun auch die entsprechende Literatur über Papageien sein kleines Bücherregal. Dabei erfuhr Wolfgang Busse unter anderem auch etwas über Endoskopie (Geschlechterbestimmung) und gleich gab es die erste Überraschung: Er hatte zwei „grüne Männer“ und zwei „graue Weiber“! Das war ein Dilemma, denn Grün und Grau vertragen sich nicht in kleineren Volieren, die Wolfgang Busse zunächst hatte. Also besorgte er sich noch weitere zwei grüne und zwei graue Papageien dazu. Jetzt waren es schon acht an der Zahl, und das war Anfang der 80er Jahre.

Das war auch der Zeitpunkt, als für die muntere Schar die erste Gartenvoliere gebaut wurde.Inzwischen war sein Wissen um die Arten Aras, Amazonen und Graupapageien auch gewachsen, und das sprach sich natürlich herum. Auch in der Schnabel- und Krallenpflege hatte er sich inzwischen kundig gemacht und bot darüber hinaus auch Platz für Pensionstiere, wenn deren Besitzer in Urlaub fahren wollten. Immer öfter wurden ihm jetzt Papageien angeboten, von Leuten, die die Tiere aus den verschiedensten Gründen nicht mehr halten wollten oder konnten. Er hatte ein Herz dafür, und so wurden es immer mehr.

In den 90er Jahren waren es bereits 40 bis 45 Papageien. Die bisherigen neun Volieren reichten nicht mehr aus, und so wurde kurz entschlossen der ganze Garten von rund 400 Quadratmetern fünf Meter hoch mit Maschendraht eingezäunt und überspannt. Natürlich verursachten eine solche Vielzahl von Papageien auch einen gewissen Lärm. Um nun die Nachbarschaft nicht über Gebühr zu belästigen, reifte bei Wolfgang Busse die Idee einer großen Freiflughalle. Deren Verwirklichung dauerte zwar noch etliche Jahre, mussten doch zunächst erst einmal die Familienmitglieder, sprich Ehefrau Monika, Kinder und Eltern für das Projekt gewonnen werden. Bei der Planung waren Hürden bis hin zur Baugenehmigung zu nehmen, und auch die Finanzierung musste stehen.

Die meisten Tiere in der großen Freiflughalle sind handzahm und
  • Die meisten Tiere in der großen Freiflughalle sind handzahm und turnen gern bei Wolfgang Busse auf der Schulter herum. Fotos: wj
In der geräumigen Freiflughalle herrscht das reinste Völkergemis
  • In der geräumigen Freiflughalle herrscht das reinste Völkergemisch, tummeln sich Papageien von vier Kontinenten. Wolfgang Busse und seine Ehefrau Monika halten Aras und Amazonen aus Südamerika, Edelpapageien aus Neuguinea, Graupapageien aus Afrika und Kakadus aus Asien und Australien.

Am 7. März 2009 war Baubeginn. Die alten Volieren samt der „Maschendraht-Anlage“ wurden komplett abgerissen, die Tiere in kleineren Notunterkünften untergebracht und eine Freiflughalle von 500 Quadratmetern Fläche und einer Maximalhöhe von sechseinhalb Metern von Grund auf als moderne Stahlkonstruktionshalle neu errichtet. Dabei wurde das bisherige Gartengrundstück mit seinen Sträuchern, Bachlauf, Teich und Wasserfall sowie eine 7500-Liter-Regenanlage für künstlichen Regen voll mit integriert.

Gearbeitet wurde hier fast Tag und Nacht, um den Tieren so schnell wie möglich den von ihnen benötigten Freiraum zu geben. So konnten sie im Juni 2009 ihr neues Domizil beziehen. Nicht weniger als 72 Papageien begeistern heute in der Freiflughalle mit ihren Flugkünsten und ihrer Farbenpracht und weitere leben noch in geräumigen Einzelvolieren. Auch diese wurden neu erstellt und rund um die Werkstatt – Wolfgang Busse ist selbstständiger Kfz-Meister – errichtet. So können die Papageien ihrem Chef den ganzen Tag bei dessen Arbeit zuschauen.

Wolfgang Busse und seine Ehefrau Monika, die das Hobby ihres Mannes inzwischen voll teilt, beherbergen mittlerweile verschiedene Aras und Amazonen aus Südamerika, Edelpapageien aus Neuguinea, Graupapageien aus Afrika und Kakadus aus Asien und Australien. In der geräumigen Freiflughalle herrscht das „reinste Völkergemisch“, tummeln sich mehr als 15 Arten allein von den Amazonen und flattern und fliegen munter durcheinander. „Derzeit ist Brutzeit“, sagen Monika und Wolfgang Busse, „da gibt’s natürlich auch schon mal Meinungsverschiedenheiten untereinander um die besten Brutkästen und das Gekreische wird dann groß.“ Doch im Allgemeinen seien die Tiere friedfertig, fügen sie an.

„Die Erfahrung von 40 Jahren Papageienhaltung, das Wissen um artgerechte Haltung und, ebenfalls immens wichtig, richtiger Ernährung gebe ich gern weiter“, sagt Wolfgang Busse, der seit zwölf Jahren auch 2. Vorsitzender im Verein „Vogelfreunde Begatal“ ist.

Er weist aber gleichzeitig deutlich darauf hin, dass er keinesfalls Papageien verkauft oder gar mit ihnen handelt. Wer allerdings seinen Rat sucht, der kann ihn unter der Dörentruper Telefonnummer 05265/1532 erreichen, auch steht er im Internet unter „papageienparadies-busse.de“. Auch ist jederzeit für jedermann eine Besichtigung der neuen Freiflughalle möglich.

Für Wolfgang Busse ist neben seiner Tätigkeit als Kfz-Meister sein Papageienparadies der zweite Lebensinhalt. „Die Tiere haben häufig wegen ihrer exotischen Schönheit zu leiden“, sagt er, „darum versuchen meine Frau und ich auch, den Papageien durch argerechte Haltung annähernd die Lebensbedingungen ihrer Heimat zu bieten. Das bringt natürlich auch einen gehörigen Batzen Arbeit hinsichtlich Pflege, Fütterung und Sauberhaltung des Geheges und der Volieren mit sich, da engagieren sich gottlob auch unsere Kinder und vor allem unsere Eltern.

Ohne sie könnten wir den derzeit rund 90 Papageien keine Heimat hier im lippischen Humfeld bieten“, verdeutlicht der Kfz-Meister abschließend.

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