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Suchtkrankenhilfe: Anne Wichmann für 25 Jahre Arbeit ausgezeichnet

"Leben kann wieder gut werden"

Stadthagen (sk). Für "gute, kompetente und engagierte Arbeit" in der Suchtselbsthilfe hat Marion Neuper-Horst, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Schaumburg-Lippe e.V., die ehrenamtliche Mitarbeiterin Anne Wichmann (58) mit dem Goldenen Kronenkreuz der Diakonie ausgezeichnet. 25 Jahre hat Anne Wichmann Selbsthilfegruppen für alkoholkranke Menschen und deren Angehörige geleitet.

Vor Diakonie-Mitarbeitern: Marion Neuper-Horst (vorn, r.) zeichn

Anne Wichmann ist eine von 50 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die sich unter dem Dach des Diakonischen Werkes mit mehreren Gruppen in einem Verein der Selbsthilfe für Alkohol- und/oder Medikamtenabhängige Menschen zusammengeschlossen haben (siehe "Fakten"). Vor fast 30 Jahren, in den "Gründerjahren" der Selbsthilfe, kam Anne Wichmann mit einer solchen Gruppe in Kontakt. Ihr damaliger Ehemann war alkoholabhängig und erhielt Hilfe von der Suchtberatung des Diakonischen Werks. Zu Gesprächen dorthin begleitete Wichmann ihren Mann eher widerwillig. Nach jedem Gespräch habe sie sichgefragt: "Was willst du da?" Die Atmosphäre war ihr fremd. Und bis dato habe sie überhaupt nicht gewusst, dass es Beratungsstellen für alkoholkranke Menschen gab. "Über das Thema Alkohol wurde nicht gesprochen", so Wichmann. Deren Ehemann ging schließlich in eine Langzeittherapie. Anne Wichmann besuchte als Angehörige die "Dienstag Gruppe" der Selbsthilfe in Stadthagen. Bald spürte sie, dass ihr die Arbeit in der Gruppe über die eigene Betroffenheit hinaus sehr viel gab. 1982 ließ sich Anne Wichmann zur ehrenamtlichen Suchtkrankenhelferinausbilden. "Das war eine ganz, ganz große Bereicherung für mich", so Wichmann, die schließlich Gruppenleiterin wurde und sich auch außerhalb der Treffen engagierte, sich unter anderem in Mitarbeiterseminaren fortbildete. Ihre wachsende Erfahrung hat Anne Wichmann sicher werden lassen in ihrer ehrenamtlichen Arbeit, und sie lernte, sich immer wieder inneren Abstand dazu zu verschaffen. "Es ist leichter geworden", so die 58-Jährige. Dennoch: "Manchmal gehe ich mit den Problemen der anderen ins Bett und stehe damit wieder auf", so Wichmann. Jetzt steigt sie aus der Gruppenarbeit aus, sagt: "25 Jahre sind genug." Ganz jedoch gibt Wichmann die Suchthilfearbeit nicht auf. Sie engagiert sich im Krankenhausbesuchsdienst. Alkoholkranken, die im Landeskrankenhaus Wunstorf therapiert werden, stellt Wichmann für die Zeit der Nachsorge die Arbeit der Selbsthilfegruppen vor. Sie habe dabei den Eindruck, die Begegnung der Kranken mit ihr bewirke oft mehr als Therapie. Als ehemalige Betroffene zeige sie mit ihrem Dasein: "Das Leben kann wieder gut werden."

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