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Leben auf dem Schiff? Anders als gedacht!

Die Rintelner Schülerinnen Jessica Vankann, Melanie Sonnemann sowie Thalia und Leonie Gabriel waren fünf Tage lang mit dem Forschungsschiff „Aldebaran“ im Rahmen eines Meereswettbewerbs auf der Nordsee unterwegs. Ihr Ziel: die Artenvielfalt auf Muschelbänken untersuchen und herausfinden, ob es zwischen befischten und unbefischten Gewässern Unterschiede gibt. Ihre Erlebnisse haben sie für unsere Zeitung in einem Tagebuch festgehalten.

Erster Tag: 115 Kilometer Bootsfahrt und zwei Meter hohe Wellen

Unser Tag beginnt um 7 Uhr mit der fünfstündigen Zugfahrt Richtung Büsum. Als wir um 13 Uhr auf der Aldebaran ankommen, werden wir gleich freundlich begrüßt und dann geht es auch schon los. Wir legen ab Richtung Husum. Auf der neunstündigen Bootsfahrt legen wir 115 Kilometer zurück. Jeder von uns darf mal ans Steuer. Nach etwa vier Stunden kräftigem Seegang und bis zu zwei Meter hohen Wellen werden drei Viertel unserer Crew seekrank. Trotzdem haben wir Spaß an der Fahrt und können sogar eine Robbenbank beobachten.

Um 22 Uhr legen wir endlich im Hafen von Husum an. Als wir das geschafft haben, kämpfen wir uns aus den nassen Kleidern und nach einer Teambesprechung heißt es für alle „ab in die Koje“.

3 Bilder
Jessica (v.l.), Thalia, Leonie und Melanie sortieren eine Muschelprobe.

Zweiter Tag: Irgendwie sehen sich die Meeresbewohner sehr ähnlich

Heute stehen wir um 7 Uhr auf. Unser Ziel heute: die eulitorale, also sich in der Brandungszone befindliche, Muschelbank gegenüber vom Südhafen. Schon nach kurzer Zeit sind wir trockengefallen – sprich, das Wasser hat sich von der Küste zurückgezogen, das Schiff steht auf dem Meeresgrund – und können mit Gummistiefeln und reichlich Ausrüstung auf das Watt, um Proben zu sammeln. Zuerst verschaffen wir uns einen Überblick über die Muschelbank und bestimmen Organismen auf einer zehn Quadratmeter großen Fläche. Auf einer Fläche von 125 Quadratzentimetern sammeln wir dann Muscheln und andere Lebewesen ein.

Um etwa halb zwei beenden wir die Arbeit im Watt, es geht zurück nach Husum. Auf dem Weg dahin beginnen wir schon mit der Auswertung der Proben. Nachdem wir diese mithilfe von Bestimmungsliteratur nach Arten sortieren, können wir sie mit dem Binokular untersuchen. Das erfordert viel Zeit, da die meisten Meeresbewohner mit ihren vielen Unterarten und Abwandlungen neu für uns sind.

Um 17 Uhr kommen wir, beobachtet von Schaulustigen, im Binnenhafen an. Bis 21.30 Uhr untersuchen wir noch einen Teil unserer Proben.

Dritter Tag: Wie kommen wir an unsere Proben?

Die Nacht wird kurz, doch da wir früh genug auf sind, können wir erstmals duschen. Zurück an Bord gibt es ein schnelles Frühstück, da es uns aufgrund der Tiden nur bis 9.55 Uhr möglich ist, aus dem Hafen zu fahren. Unser Ziel heute sind sublitorale, also den Meeresboden gleichbleibend überflutende Gewässer, um einen Vergleich zu den Proben aus dem eulitoralen Gewässer ziehen zu können. Leider können wir wegen des schlechten Wetters nicht bis nach Hooge fahren. Wir telefonieren mit uns bekannten Ansprechpartnern für den Bereich Nordsee/Wattenmeer, um unsere notwendigen Proben doch noch sammeln zu können. Wir haben Glück und bekommen noch früh genug einige Koordinaten für einen Ort, an dem es Muschelbänke geben könnte.

Um 12.30 Uhr erreichen wir das ausgewählte Gebiet. Für die sublitoralen Muschelbänke haben wir uns vorgenommen, unseren Wissenschaftspartner zusammen mit einer Person aus unserer Gruppe, ausgestattet mit einer Unterwasserkamera, schnorcheln zu lassen, um Proben zu sammeln. Dafür haben wir eine Stunde Zeit: Schnorcheln ist nur während der Stauwasserzeit ungefährlich. Wieder haben wir Glück, denn nach einer Viertelstunde vergeblichen Suchens finden die beiden Schnorchler Leonie und Jérôme doch noch einige Klumpen Miesmuscheln, die als Proben ausreichen.

Nachdem sie wieder an Bord sind, beginnen wir mit dem Auswerten der Proben vom Vortag. Zuerst sortieren wir die Organismen nach Arten und untersuchen sie dann nach Anzahl, Gewicht, Größe und Beschaffenheit.

Am Abend beschäftigen wir uns mithilfe eines Binokulars näher mit einigen Organismen und arbeiten dabei erfolgreich mit unserer Bestimmungsliteratur. Heute arbeiten wir deutlich schneller als an den ersten Tagen. Wir können bereits gegen 21 Uhr das Schiff zu verlassen, um an Land ein Eis essen zu gehen.

Vierter Tag: Wie heißt diese Seepockenart?

Wir haben noch immer allerhand zu tun, um unser Projekt fertigzustellen. Weil Wind und Regen zu stark sind, müssen wir im Hafen bleiben, sodass wir Zeit haben für die Auswertung der liegen gebliebenen sublitoralen Muschelproben der letzten Tage.

Die größte Hürde heute ist die Bestimmung einer Seepockenart, welche sich auf den Miesmuschelschalen angesiedelt hat. Wir brauchen circa eine Stunde, um mithilfe dreier Bestimmungsbücher anhand kleinster Unterschiede die richtige Art herauszusuchen. Mithilfe unseres Wissenschaftspaten beginnen wir, die Ergebnisse aller Tage in eine detaillierte Tabelle zu übertragen. Anhand dieser Tabellen ist es dann an uns, zu Hause einen ausführlichen Bericht zu formulieren, um unsere Erkenntnisse und Erfahrungen für andere festzuhalten und zu veröffentlichen.

Das Eintragen der Daten dauert länger als erwartet, da wir alle, was das wissenschaftliche Arbeiten angeht, nicht besonders gut im Umgang mit dem Computerprogramm sind. Als wir die Tabellen endlich fertigstellen, ist es bereits 20.30 Uhr. Da unser Gasvorrat aufgebraucht ist und wir kein neues Brot backen können, holen wir ausnahmsweise neue Brötchen zum Abendbrot. Später suchen wir eine geeignete Stelle der Hafenanlage, um alle Tiere und Pflanzen, die wir gesammelt haben, wieder dem Meer zu übergeben.

Fünfter Tag: Mit dem Kameramann durchs Watt

Heute fahren wir das letzte Mal mit der Aldebaran aufs Meer. Es ist ein aufregender Tag, weil wir ein Kamerateam, eine Journalistin und ein Fotografenteam an Bord haben. Zeitweise stehen wir mit zwölf Personen an Deck und versuchen, gute Bilder mit perfekten Lichtbedingungen zu schießen. Das Kamerateam macht Videoaufnahmen für die Organisation „Aldebaran“ und den Fernsehsender RTL. Der Fotograf erstellt eine Fotoreihe, um ein Porträt in einem Hamburger Magazin zu veröffentlichen.

Gegen 12 Uhr fahren wir aus dem Hafen, um eine eulitorale Stelle zu erreichen. Leider treffen wir nicht auf eine Muschelbank, sondern auf ein treibsandartiges Watt. Wir müssen weit laufen, bis wir einige Muschelklumpen finden, an unserer Seite – barfuß – stets Kameramann und Assistent. Die Muscheln nehmen wir mit an Deck, um sie vor der Kamera zu untersuchen. Viel mehr als der Kamera unsere Arbeit zu präsentieren ist heute nicht unsere Aufgabe.

Abends wollen wir noch in die Stadt und ein Eis essen, weil es der letzte Abend ist. Morgen steht Aufräumen, Putzen und Packen an, um 15.30 Uhr fährt der Zug zurück nach Rinteln.

Unser Fazit?

,,Wir haben die letzte Woche Tag und Nacht auf einem Segelschiff verbracht‘‘ – welche Schüler können das schon von sich behaupten? Wir sind stolz, dass wir auf die Aldebaran eingeladen wurden und eine Woche durchgehalten haben. Im Nachhinein wissen wir, wie es wirklich auf einem Forschungsschiff zugeht. Ehrlich gesagt hatten wir es uns etwas anders vorgestellt.

Wir waren manchmal überfordert mit dem Leben auf engstem Raum mit Menschen, die wir kaum kannten. Wir hatten viele Aufgaben, wie zum Beispiel das tägliche Kochen. Es gab Tage, an denen wir das Gefühl hatten, pausenlos zu arbeiten.

Doch niemand von uns bereut die Reise. Was haben wir an Erfahrungen mitgenommen? Abgesehen von den materiellen Dingen, wie eine Digitalkamera und einige Souvenirs, haben wir Einiges gelernt. Wir haben das Meer kennengelernt sowie einen guten Einblick in die Meeresbiologie erhalten. Das wissenschaftliche Arbeiten ist teilweise sehr langwierig und trocken, das hat uns überrascht.

Wie es mit unserem ursprünglichen Projekt weitergeht, ist schwierig zu sagen. Wir haben zwar Proben genommen, ausgewertet und geforscht, aber sind leider nicht zu dem Ergebnis gekommen, das wir uns erhofft hatten. Aufgrund des starken Winds war es uns nicht möglich, die von uns ausgewählten Muschelbänke zu besuchen.

Unseren wissenschaftlichen Bericht über den Vergleich zwischen einer sublitoralen und einer eulitoralen Muschelbank werden wir aber schreiben – auch wenn wir uns alle einig sind, dass keiner von uns je ein Seefahrer werden wird.

Zahlreiche Unterarten und Abwandlungen: Melanie untersucht Miesmuscheln.




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