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Lauwarme Suppe und Haare im Hotelbett

Sie schalten Werbung im Fernsehen, bieten Rabatte sowie Sonderangebote an und haben nicht zuletzt innerhalb kürzester Zeit aus einem Start-up-Gedanken ein florierendes Geschäftsmodell entwickelt: Die Hotelbewertungsportale im Internet. Sie heißen „Tripadvisor“, „Holidaycheck“, „Expedia“, „Hotelbewertungen.net“ undsoweiterundsofort.

Nettes Ambiente: Es gibt auch Hotels, die mit ihrer Ausstattung

Autor:

Matthias Rohde

Sie schalten Werbung im Fernsehen, bieten Rabatte sowie Sonderangebote an und haben nicht zuletzt innerhalb kürzester Zeit aus einem Start-up-Gedanken ein florierendes Geschäftsmodell entwickelt: Die Hotelbewertungsportale im Internet. Sie heißen „Tripadvisor“, „Holidaycheck“, „Expedia“, „Hotelbewertungen.net“ undsoweiterundsofort. Ihr Geschäft ist die Zufriedenheit der Touristen. Die Gäste des Weserberglandes liefern ihnen ständig frei Haus Informationen, um potenziellen Weserbergland-Touristen durch ihre Schilderungen bei der Auswahl der richtigen Unterkunft behilflich zu sein – und auch, um mal Frust abzuladen.

Während einige der Portale die Bewertung von Unterkünften nur dann zulassen, wenn man das Hotel, die Pension oder Ferienwohnung auch bei ihnen gebucht hat, sind andere Mitbewerber generöser und erlauben jedem Nutzer, eine Bewertung abzugeben. Bewertungen zu Unterkünften im Weserbergland findet man nahezu in jedem Bewertungsportal. Die einen genügen sich und ihren Lesern mit einer rein numerischen Bewertung, zum Beispiel in Form einer Wertungsskala von eins bis zehn. Noch interessanter sind freilich jene Portale, die umfangreiche Textbewertungen zulassen, wie zum Beispiel auf www.holidaycheck.de. Dieses Portal wurde von der Stiftung Warentest mit dem Testurteil „gut“ als Klassenprimus ausgezeichnet.

Apropos Primus: In den Portalen die unbestrittene Nummer eins der Hotels im Weserbergland ist nach den bewertenden Gästen im Internet das „Schlosshotel Münchhausen“, wobei auch hier unter www.hotelkritiken.de zumindest ein kritischer Kommentar zum Personal zu finden ist.

„Super unsauber und kein Einsehen“: Eintrag in einem
  • „Super unsauber und kein Einsehen“: Eintrag in einem Internetportal von einem enttäuschten Hotelgast. Foto: Wal

Doch hinter dem mit Abstand am positivsten bewerteten Vorzeigehotel des Weserberglandes klafft eine Lücke, die zu schließen angesichts der Bewertungen eine nicht ganz einfach zu bewältigende Aufgabe für die Hoteliers in der Region sein könnte. Vor allem das Essen und die Qualität des Personals werden von den Bewertern immer wieder angemahnt. Dabei reichen die Originaltöne von „grottenschlechtes Essen“ und „lauwarme Vorsuppe“ bis hin zu „Freundlichkeit geht anders“ oder „die Inhaberin benimmt sich wie eine Herbergsmutter“. Natürlich ist jede Bewertung auch ein Ausdruck subjektiven Erlebens und wird von daher kaum als einziges Kriterium für oder gegen eine bestimmte Unterkunft reichen. Wenn aber der Weserradweg das Weserbergland zu einem Radfahrer-Mekka des Nordens machen soll, dann sollten Bewertungen wie die eines Gastes des Holzmindener Hotels „Hellers Krug“ die Ausnahme sein. Der Gast gibt nämlich an, schon bei der Buchung auf die mitgeführten Fahrräder aufmerksam gemacht zu haben. Die als Unterstand vorgesehene Garage sei aber mit Müll und Gerümpel vollgestellt gewesen …

Noch schlimmer trifft es das „Mercure Hotel“ in Hameln. Gäste beschreiben dieses Hotel als „Betonklotz mit zu kleinen Zimmern“, einige bemängeln „den mangelnden Service“. In den Hotels „Stadt Hameln“ und „Zur Börse“ kommen neben gekränkten Gaumen noch Servicekräfte hinzu, die – laut Bewertung eines Nutzers – „allesamt im ersten oder zweiten Lehrjahr“ seien. Eine andere Bewertung unter www.hotelbewertungen.net zum „Hotel Stadt Hameln“, verfasst von „Thomas“ im Januar 2009: „Super unsauber und kein Einsehen! Ich komme seit Jahren bundesweit in Vier-Sterne-Hotels und habe ein so unsauberes Haus noch nicht erlebt! Und selbst nach dem Bescheidsagen an der Rezeption und Kontrolle des Zimmermädchens wird einem gesagt, dass man keine Verschmutzung feststellen kann! Dann bin ich mit dem Rezeptionspersonal selber auf das Zimmer gegangen, um denen das zu zeigen! Und ich bin nicht empfindlich, aber da waren überall Haare, ohne Ende Staub und Spinnweben! Und dann ist das Hotel auch noch so frech und geht mit dem Preis nur auf 80 Euro runter! Ich kann keinem empfehlen, dieses Haus zu betreten! Hameln hat so eine schöne Altstadt, suchen Sie sich ein schönes Hotel, aber nicht dieses!“

Auch in Bodenwerder bekommen einige ihr Fett weg: Eine Bewertung zum Hotel „Café Pause“ in Bodenwerder, verfasst von „Gabriele“ im September 2009: „Unfreundlich und arrogant. War nur kurz in diesem Haus, und das war auch gut so. Zu mir war die Inhaberin ausgesprochen unfreundlich. Vielleicht nur ’nen schlechten Tag erwischt … hoffentlich. Zimmer und Ausstattung unterdurchschnittlich. Mein Fazit: Es gibt bessere Häuser auch in dieser Preisklasse.“ Ein Gast, der das Hotel „Goldener Anker“ in Bodenwerder besuchte und höchst unzufrieden abreiste, bewertete vor allem die Zimmer als „desaströs“. Seine Beschreibung: „Klein, dreckig, muffig, Blaufäule.“

Insgesamt ist festzustellen, dass für das umfangreiche Unterkunftsangebot rechts und links der Weser von Porta Westfalica bis Bad Karlshafen nur sehr wenige Hotels mit aufwendigen Textbewertungen im Internet verfügbar sind. Dabei schneiden auch die vermeintlich „besseren“ Hotels der Region verhältnismäßig schlecht ab. Stiftung-Warentest-Sieger www.holidaycheck.de weist zum Beispiel für das Hotel „Stadt Hameln“ eine Weiterempfehlungsrate von 33 Prozent aus. Nur das Hamelner „Mercure Hotel“ schneidet mit einer Rate von 25 Prozent noch schlechter ab.

Kaum aussagekräftig sind Bewertungen übrigens immer dann, wenn zu einem Hotel nur eine Bewertung existiert, denn dann kommt es zwangsläufig entweder zu einer Weiterempfehlungsrate von 100 oder von 0 Prozent. Die sich auf einen Urlaub vorbereitenden Portalnutzer stehen jedoch oft vor einem ganz anderen Problem: Wer soll alle Bewertungen in möglichst vielen Portalen vor Reiseantritt lesen? Deswegen machen es sich viele Touristen einfach und legen für sich persönlich eine Grenze bei der Weiterempfehlungsrate fest. Hotels mit einer schlechteren Rate als beispielsweise 80 Prozent werden gar nicht erst auf Details geprüft und scheiden sofort aus. Zöge man für das Weserbergland diese Grenze, dann blieben je nach Bewertungsportal nicht mehr viele Hotels und Pensionen als mögliche Unterkünfte übrig. Bei einigen Hotels der heimischen Region sind sich die Bewerter aber portalübergreifend einig: Weiterempfehlenswert. Die Bewerter von gleich drei unterschiedlichen Portalen loben das Frühstücksbuffet im Hamelner Hotel „Birkenhof“, und die Hamelner „Pension im Grünen“ besticht vor allem durch ihre Lage, den Service, gilt aber besonders als radfahrerfreundlich, so die Bewerter. Auch in Rinteln („Hotel Waldkater“), Bodenwerder („Hotel Deutsches Haus“) und Holzminden („Hotel Rosenhof“) gibt es Hotels, die mit einer Weiterempfehlungsrate von 90 Prozent portalübergreifend das Wohlwollen der Gäste gefunden haben. Jedoch: Das sind Ausnahmen. Die meisten Bewertungen bewegen sich im Bereich zwischen 65 und 75 Prozent.

Unabhängig von der Fülle an Informationen, die zu einem einzigen Hotel in nur einem der unzähligen Bewertungsportale vorgehalten wird, steht die Stichhaltigkeit der Bewertungen selbst auch immer wieder auf dem Prüfstand. Nun hat sich auch Stiftung Warentest dieser Portale angenommen und dabei abgeklärt, ob die abgegebenen Bewertungen überhaupt überprüft werden. Während www. holidaycheck.de vor allem durch umfangreiche Informationen zum Hotel selbst punktet, ist es die Stärke des kleinen Anbieters www.hotelkritiken.de, die Stichhaltigkeit der Bewertungen zu überprüfen. Abgeschriebene Katalogtexte und falsche Angaben werden dort gar nicht erst veröffentlicht.

Ein großer Teil der Lobhudeleien soll laut Bewertungsportalkritikern übrigens in den Textschmieden geschulter Mitarbeiter von PR-Agenturen ersonnen sein. Die Gefahr, dass Hotels, insbesondere dann, wenn sie einer großen Hotelkette angehören, durch Bewertungen überdurchschnittlich positiv bewertet werden, ist laut Experten enorm groß. Zu verhindern sei dies aber letztlich nicht.

www.ab-in-den-urlaub.de

www.expedia.de www.holidaycheck.de

www.hotel.de

www.hotelkritiken.de

www.hrs.de www.opodo.de

www.tripadvisor.de

www.trivago.de

Wenn Touristen ihre Meinung sagen, dann nutzen sie dafür sehr häufig das Internet. Das Weserbergland als Touristenregion hat seine generellen Tücken und Probleme, das wissen wir. Doch wie sieht es mit den Hotels und Pensionen aus? Wir haben uns die Bewertungsportale im Internet angesehen – und dabei allerlei Erstaunliches gefunden …

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