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Von Haydn bis Mozart: Ein "Liebhaberorchester", das sich auch professionellen Herausforderungen stellt

Land-Streicher stromern durch die Jakobikirche

Rinteln (ur). Durch Unterstützung von Holz- und Blechbläsern aus dem Umfeld der Kreismusikschule hatte sich das Ensemble der "Schaumburger Land-Streicher" für sein diesjähriges Frühjahrskonzert in der reformierten Jakobikirche auf rund 30 Mitwirkende verstärkt.

Zusätzlich war es Leiterin Katharina Rundfeldt gelungen, ihre Kollegin Maria Kantorek aus der Kreisjugendmusikschule als Flöten-Solistin zu gewinnen. In dieser Besetzung wurde dem Publikum am Kollegienplatz ein hochwertiges Konzert geboten, das keinen Vergleich mit Darbietungen professioneller Klangkörper scheuen musste: Wenn man bei diesem Ensemble von "Liebhaberorchester" spricht, so drückt dies nicht Abwertung aus, sondern höchste Anerkennung für den Enthusiasmus, mit dem sich diese Musiker aus so unterschiedlichen Generationen und Lebenszusammenhängen erfolgreich für ihre Musik engagieren. Dirigentin Rundfeldt betonte eingangs, dass alle Werke auf dem Programmzettel von "jungen Männern" stammen - womit sie daran erinnerte, dass Schubert, Haydn und Mozart beim Komponieren dieser Stücke noch in der Jugendfrische ihres Schaffens standen. Eröffnet wurde das Konzert durch die Ouvertüre in C-Moll von Franz Schubert, die eigentlich nicht für Bläser instrumentiert ist. Da die Land-Streicher aber für das Konzert nun mal über diese Möglichkeiten verfügten, wurde die Partitur unorthodox und unbeschwert darauf eingerichtet - was mit Fagott und Horn, Oboe, Flöte und Klarinette für zusätzliche Dynamik sorgte, die in der Akustik des sakralen Raumes bewegt zum Tragen kam. Die Sinfonie Nummer zehn in D-Dur wurde von Josef Haydn zu einer Zeit geschrieben, als er durch umfassende Versorgung durch seinen Förderer Fürst Esterhazy endlich frei von materiellen Sorgen schaffen konnte. Die daraus resultierende Gelassenheit und Leichtigkeit lässt Teile dieses Werkes geradezu fröhlich, ja fast tänzerisch erscheinen - was in der beschwingten Gestaltung durch die Land-Streicher noch unterstrichen wurde: Kein Wunder, dass sich da Teile der Zuhörerschaft spontan über bildungsbürgerliche Konventionen hinwegsetzten und ihren Applaus auch zwischen den Sätzen zum Ausdruck brachten. In die Pause ging es mit dem Andante in C-Dur für Flöte und Orchester von Mozart - ein Auftragswerk, für das Mozart seinerzeit unter Zeitdruck auch Elemente aus einer Komposition für sein "Nannerl" herauszupfte. Eine Darbietung, bei der sich das Orchester in ungewöhnlicher, aber keineswegs kritisch zu bewertender Weise zurücknahm, um die Virtuosität des charismatischen Flötenspiels von Maria Kantorek umso wirkungsvoller zur Geltung zu bringen. Über die Bedienung des bekannten Repertoires hinaus haben es sich Rundfeldt und die Land-Streicher zur Aufgabe gemacht, ihre Zuhörer immer wieder mit unbekannten Werken zu konfrontieren: bei diesem Konzert einmal mehr mit einer Komposition des holländischen Staatsmanns, Unternehmers und Adelsherren Wilhelm Unico von Wassenaer, der zu Lebzeiten enge Verbindungen zum Bückeburger Fürstenhaus hielt. Seine "Concerti Armonici" wurden über lange Zeit fälschlich dem großen Pergolesi zugeschrieben, was an sich ja schon Beleg für die Gestaltungskraft dieses echten Barockmenschen spricht. In der Interpretation der Stadt-Streicher wurde die Nähe dieser Kompositionen zur sakralen Musik eher noch unterstrichen. Heftiger und langanhaltender Applaus nach der finalen Darbietung der Sinfonie Nummer 19 in D-Dur von Haydn veranlasste Katharina Rundfeldt, noch einen Satz aus der im ersten Teil gespielten Haydn-Sinfonie als Zugabe anzuhängen - zumal sich damit auch belegen ließ, dass Sinfonien in D-Dur auch vom selben Komponisten sehr unterschiedliche Assoziationen vermitteln können. Man darf es mit Hausherr Pastor Heiko Buitkamp halten, der in der Begrüßung seine Freude zum Ausdruck brachte, dass die Streicher auch im nächsten Jahr wieder in der Jakobikirche antreten werden: Hoffentlich wurde der im Beifall gezollte Dank des Publikums auch bei den reizenden Assistentinnen zum Ausdruck gebracht, die am Ausgang um Spenden für die weitere Durchführung dieser Konzerte baten.




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