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Gästeführungen im Weserbergland: Besucher aus Hannover sind begeistert

"Landsommer" am Mittellandkanal

Landkreis/Haste (tes). Unter dem Motto "Indian Summer im Haster Wald: Mittell andkanal - eine (un-)bekannte Wasserstraße" hat Gästeführer Karl Nelz 20 Teilnehmer aus Schaumburg, Hannover und Aerzen über Geschichte, Bedeutung und Technik dieser Wasserstraße informiert. Die Radtour durch den herbstlich gefärbten Wald im Rahmen der Gästeführungen im Weserbergland, war Teil der von der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) ins Leben gerufenen Aktion "Landsommer".

Faszination Mittellandkanal: Schon Napoleon träumte von einer Verbindung vom Rhein bis an die Elbe. Vor rund 100 Jahren, im Jahre 1906, wurde mit dem Bau begonnen. Bevor der erste Spatenstich getan werden konnte, waren jahrelange Verhandlungen und Interessenkämpfe zu bestehen. "Besonders die Herrenhäuser befürchteten billige Konkurrenz beim Getreide", erklärte Nelz die anfängliche Ablehnung des neuen Verkehrsweges. Ende des 19. Jahrhunderts habe Kaiser Wilhelm II. die Querelen beendet und ein Machtwort gesprochen. Daraufhin sei die Umsetzung des Projektes politisch geschickt gelöst worden, berichtete der Gästeführer. Die Streckewurde als "Ems-Weser-Kanal" benannt und in "Salami-Taktik" vorerst nur bis Hannover erbaut. Heute verbindet die längste künstliche Wasserstraße in Deutschland die Flüsse Ems, Weser und Elbe und hat eine Gesamtlänge von etwa 320 Kilometern, 4,3 davon verlaufen im Bereich Haste. Der Abschnitt von Kolenfeld bis Sachsenhagen wurde von 1909 bis 1912 erstellt. Hierzu präsentierte Nelz Bilder von den schaufelnden Arbeitern. Für deren Versorgung und Unterbringung war eine "Kantine" am Ufer errichtet worden. Mangels einheimischer Kräfte hatte die Königliche Kanalbaudirektion Hannover auch Italiener, Polen undÖsterreicher beschäftigt. Diese hatten ihre Bleibe häufig nicht in den Dörfern selbst, sondern in Unterkünften an der Kanalbaustelle. Um die zuweilen raubeinigen Arbeiter bei Streitigkeiten zur Räson zu bringen, ließ der Rat ein "Spritzenhaus" zum Ausnüchtern einrichten. Die zumeist nur noch als "Mittellandkanal" bezeichnete verkehrsreichste Schifffahrtsstrecke in Niedersachsen ist ein ideales Revier für Freizeitspaß. Sogar ein Freibad hat es "am Ufer" von Haste gegeben. Am 20. Juli 1952 wurde dort eine Badeanstalt mit direkter Anbindung an den Mittellandkanal eingeweiht. Ein kurzes Vergnügen: Als der Kanal 1971 verbreitert wurde, waren die Tage des Bades gezählt, die Einrichtung musste dem Platzbedarf der "Europaschiffe" weichen. "Bis zu 2100 Tonnen Beladung sind auf diesen Frachtern möglich", erklärte Nelz auf der Forstbrücke technische Details der passierenden Schiffe. Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmer, welche Informationen den Zahlen und Schriften am Bug der Frachter zu entnehmen sind. Ausgehend vom Treffpunkt am Hohnhorster Hofcafé Bruns radelte die Gruppe drei Stunden lang durch den herbstlichen Haster Wald. Die Tour machte Lust auf mehr. Vor allem Gäste aus Hannover äußerten sich begeistert von den Möglichkeiten für Radtouren in den Schaumburger Wäldern.




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