weather-image
13°
Aufmarsch in Bad Nenndorf wird größer als letztes Jahr / Anmelder Marcus W. vor Haftantritt

Landkreis rechnet mit 250 bis 300 Neonazis

Landkreis (wer). Für den 2. August rechnen Polizei und Landkreis mit einer größeren Teilnehmerzahl des Neonazi-Aufmarsches in Bad Nenndorf als in den letzten beiden Jahren. Angemeldet wurden 250 Teilnehmer, voriges Jahr kamen knapp 150. Auch das Polizeiaufgebot wird entsprechend aufgestockt. Nur einer wird aller Voraussicht nach nicht mehr anwesend sein: Marcus W., der Anmelder der Veranstaltung. Der Kopf der Schaumburger Neonazis steht vor seinem Haftantritt.

Am Donnerstag kamen Polizei- und Behördenvertreter in Stadthagen zu Vorbesprechungen mit den Veranstaltern des rechtsradikalen "Trauermarsches" und der linken Gegendemonstration zusammen, die vom "Bündnis für ein nazifreies Schaumburg" angemeldet wurde. Die Ordnungskräfte versuchen, beide Demonstrationszüge zeitlich und räumlich zu trennen, wollen ein Aufeinandertreffen verhindern. Seit fast einem Jahr läuft auf einschlägigen Internet-Seiten die Mobilisierung für den rechten Aufmarsch, und zwar mit zunehmender Reichweite: Erwartet werden Teilnehmer nicht nur aus Niedersachsen, sondern auch aus angrenzenden Bundesländern. Im dritten Jahr steht das Springerstiefel-Spektakel von Bad Nenndorf bei der entsprechenden Klientel offenbar vor dem Sprung zur bundesweit beachteten Veranstaltung. Angefangen hatten die Aufmärsche 2006 mit knapp 50 Versprengten. Inzwischen gehe man von 250 bis 300 Teilnehmern aus, sagt Ursula Müller-Krahtz, Dezernentin des Landkreises. Da fällt es nicht sonderlich ins Gewicht, dass mit Marcus W. der lokale Kopf der Szene, der die Aufmärsche bis 2010 für jeden Sommer angemeldet hat, seine Haftstrafe antreten muss. Als Versammlungsleiter war W. schon das letzte Mal vom Landkreis abgelehnt worden, in dieser Funktion tritt ein anderesMitglied der heimischen Szene aus Nienstädt auf. Marcus W. ist am 10. Juni mit seiner zweiten Revision vor dem Oberlandesgericht Celle gescheitert. Er hatte das Bückeburger Landgerichtsurteil vom Januar angefochten, in dem die neunmonatige Haftstrafe wegen Volksverhetzung vom Vorjahr bestätigt worden war. Gegen die Niederschlagung der Revision kann der Lindhorster keine Rechtsmittel mehr aufbringen - der Grund, warum das kleine Justiz-Drama mit drei richterlichen Verurteilungen und zwei Revisionen nun in die Schlussetappe geht. Bereits vor einem Jahr hatte die Berufungskammer des Landgerichts W. verurteilt. Die Kammer zweifelte nicht daran, dass der Neonazi einen Hetz-Artikel eines anderen Autors gegen Holocaust-Überlebende auf einer einschlägigen Homepage im Internet veröffentlicht hat. W. ging in die Revision - und hatte wegen einer juristischen Panne Erfolg: Die Kammer hatte die Hauptverhandlung in Abwesenheit des Verteidigers begonnen. Im Januar 2008 erfolgten die neuerliche Verhandlung Verurteilung, gegen die W. erneut ein Revisionsverfahren beim OLG anstrengte. Diesmal ohne Erfolg. Der 28-Jährige muss ins Gefängnis. Ihm drohen neben den vollen neun Monaten außerdem widerrufene Bewährungsstrafzeiten des Landgerichts Hannover über weitere fünf bis sechs Monate. Ein anderer Schaumburger Neonazi bleibt derweil auf freiem Fuß: Marco S. verblüffte jüngst das Landgericht Verden mit einem Entlastungszeugen, der den Anklagevorwurf auf seine Kappe nahm und dem Richter ein Geständnis servierte. Plötzlich will es der Nienburger NPD-Mann Jens R. gewesen sein, der im Streit mit einer Gruppe von jungen Männern in Nienburgauf die Ankündigung "Schlagt den Neger tot" mit einer Eisenstange ausgeholt haben will. In erster Instanz war es noch Marco S., der wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden war. S. hatte bereits wegen eines gemeinschaftlich begangenen Tötungsdelikts fünf Jahre in der JVA Hameln verbracht.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare