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900 Jahre alte Bienenkorbglocke ist das älteste Stück der alten romanischen Kirche in Oldendorf

Landesweit gibt es nur noch sieben ihrer Art

Oldendorf (top). „Ein Jahreswechsel ohne das traditionelle Glockenläuten hier im Ort, das war schwer vorstellbar“, sagt Dieter Homann. Doch der Oldendorfer weiß genau, dass er sich auf das erste Glockenläuten nach dem erfolgten Umbau der St.-Nicolai-Kirche zu Oldendorf umso mehr freuen kann. Seit nahezu sechs Monaten dauern die Sanierungs- und Umbauarbeiten am alten romanischen Kirchturm der Dorfkirche schon an, und seit dieser Zeit ertönt nicht mehr der gewohnte kraftvolle und lautstarke Klang der drei Läuteglocken.

Wichtige Restaurationsmaßnahmen waren zum Erhalt der alten Glocken notwendig, um auch auf Dauer das bekannte Klangerlebnis zu erhalten. Neben den Besonderheiten, die sich in den vergangenen Wochen an und in der St.-Nicolai-Kirche ereigneten (wir berichteten), befinden sich nun auch die vier einige Tonnen schweren Glocken wieder im Glockenturm.

Sehr erfreut über die Restauration der alten Glocken ist Dieter Homann. Der geschichtsinteressierte Oldendorfer konnte seinen Blick besonders von der restaurierten Bienenkorbglocke aus Bronze kaum lassen. „Es ist einfach faszinierend, eine solch seltene Glocke in unserer Kirche zu haben“, schwärmt der Rentner. Die nahezu 900 Jahre alte Glocke ist das älteste Stück der alten romanischen Kirche. „In Niedersachsen gibt es heute nur noch sieben Stück dieser Art“, bestätigte der Architekt Thido Saueressig die Seltenheit dieser Glocke. „Daher war uns der Erhalt dieses trotz ihres Alters gut erhaltenen Exemplars und deren Restauration so wichtig“, fügte Pastor Wilhelm Meissner hinzu. Und dabei können die Oldendorfer von Glück sagen, diese besondere Glocke noch heute in ihrer Kirche zu haben. Denn zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges wurde die vor über 900 Jahren gegossene Bienenkorbglocke aus dem Glockenturm ausgebaut und sollte zur Herstellung von Munition in Hamburg eingeschmolzen werden. „Nur dem Glück haben wir es zu verdanken, dass diese Glocke, um die sich auch Sagen ranken, noch erhalten blieb“, weiß Dieter Homann. Bei seinem Blick zur Glocke sieht man ein Leuchten in seinen Augen. „Diese Glocke ist ein wertvolles Beispiel für mittelalterliche Glockengießerkunst“, fügt der geschichtsinteressierte Oldendorfer weiter hinzu. Das aus Bronze gegossene Objekt besteht aus einem Silberkern, in den Gaben der Bürger in den Guss geworfen wurden. „Zu dieser Zeit war es auch üblich, die Glocken vor Ort von sogenannten Wanderglockengießern anfertigen zu lassen, da es nur schwer möglich war, Glocken diesen Ausmaßes an einen anderen Ort zu bringen.“

Schließlich bringt das seltene Schätzchen über 500 Kilogramm auf die Waage. Durch die Bemühungen des damaligen Pastors Uhde gelang es, die Glocke im Jahr 1947 aus Hamburg zurückzuholen, um sie wieder im Kirchturm aufzuhängen. Doch nicht nur an der alten Bienenkorbglocke, sondern auch an der großen Friedensglocke aus dem Jahr 1649 hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen.

„Aus Dankbarkeit und Freude über das Ende des 30-jährigen Krieges spendeten Bürger Geld für die 14 Zentner schwere Glocke, die in Hildesheim gegossen wurde. Aus der Geschichte lässt sich entnehmen, dass es für die Bürger Oldendorfs im Rahmen der Schlachten des Feldherrn von Tilly eine schwere Zeit war. Mit der Spende der Glocke an die Kirche zeigten die Bürger symbolisch ihre Dankbarkeit über das Ende des Krieges.

Die jüngste und mit 400 Kilogramm leichteste Läuteglocke der St.-Nicolai-Kirche stammt aus der Glockengießerei in Karlsruhe und wurde im Jahr 1966 in den eisernen Glockenstuhl eingehangen. Mit dem bereits im Jahr 1959 einhergehenden Umbau des alten hölzernen Glockenstuhls auf ein eisernes Gestell sollten die Schwingungen vom Turm ferngehalten werden, doch dies bestätigte sich leider nicht.

Auch wenn die Glocken nun bereits im Glockenturm einlagern, werden noch ein paar Monate vergehen, bis die Oldendorfer wieder dem gewohnten schwungvollen und lautstarkem Klang lauschen dürfen. Denn noch sind die Arbeiten im Glockenturm bei weitem nicht abgeschlossen. In den Wintermonaten wird noch der Ausbau des alten Glockenstuhls vorgenommen. Eine neue Holzkonstruktion soll den ursprünglichen Charakter hervorheben und für ein anmutendes Klangerlebnis sorgen.

Die Ausschreibungen hierfür laufen, doch auch diese Arbeiten werden einige Wochen in Anspruch nehmen. „Zudem ist es wichtig, die Arbeiten am Kirchturm ruhen zu lassen, um dem Turm nach seinen Stein-, Fugen-, und Putzarbeiten die Möglichkeit zum Aushärten und Ruhen zu geben“, fügte Thido Saueressig hinzu.

Doch eins steht heute schon fest: Das erste Läuten der Glocken der St.-Nicolai-Kirche werden die Oldendorfer auch nach langer Zeit noch ganz besonders in Erinnerung behalten.

Die Zeit hat ihre Spuren an der ältesten Glocke, der sogenannten Bienenkorbglocke, hinterlassen (oben). Architekt Thido Saueressig (li.) und der geschichtsinteressierte Dieter Homann begutachten die restaurierten Glocken.

Fotos: top




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